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Blick in ferne Hochkultur

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Bis heute gilt Li Qingzhao als größte Dichterin Chinas. Gelebt hat sie vor 900 Jahren, in einer Zeit, als die chinesische Kultur eine ihrer Hochblüten erlebte und der europäischen Entwicklung weit voraus war. Wer als Europäer etwas über Li Qingzhao erfahren will, sollte sich über die chinesische Kultur, Politik und Philosophie dieser Zeit informieren. Deshalb erzählt Barbara Beuys in ihrem Buch "Der Preis der Leidenschaft" nicht nur das Leben der Dichterin, sondern schildert ausführlich die damalige Kultur und Philosophie Chinas. Und so wird auch Beuys' Lesung in der Buchhandlung Jonscher zu einem kleinen Einführungskurs in die chinesische Kultur und Philosophie.

Die ehemalige Stern-Redakteurin hat bereits diverse Biografien über historische Persönlichkeiten geschrieben, darunter Bücher über Martin Luther, Hildegard von Bingen und Annette von Droste-Hülshoff. Das Thema Li Qingzhao war auch für sie neu. 400 Bücher hat sie gelesen und bearbeitet, um "Der Preis der Leidenschaft" schreiben zu können, und sich ein umfassendes Wissen angeeignet: Um das Mann-Frau-Verhältnis in der Ehe zu erläutern, kann sie auf die konfuzianischen Klassiker und das "Buch der Weisheiten" zurückgreifen und nebenbei noch erläutern, dass die Chinesen bereits mehrere Jahrhunderte vor Christi Geburt ihre Geschichte in schriftlichen Dokumenten festhielten.

Lust auf Li Qingzhaos Lyrik macht Beuys mit dem Gedicht, das sie vorliest. "Duftende Pflanzen umgeben den Teich / Im tiefen grünen Schatten" heißt es da. Was wie Naturlyrik klingt, ist in Wahrheit ein dichterischer Code, der über sich selbst hinausweist. Li Qingzhao war eine Meisterin dieser in China üblichen Verschlüsselung von Gedichten - und sie war eine Menge mehr: Sie hat mit ihrem Mann Antiquitäten gesammelt und katalogisiert, sie musste mit ihm vor den in China einfallenden Dschurdschen fliehen, heiratete nach dem Tod ihres Mannes erneut und ließ sich wieder scheiden.

Leider kommen Li Qingzhao und ihre Gedichte, die so anders sind als die europäische Dichtung und allein deshalb spannend, etwas kurz in Barbara Beuys' Buch und auf ihrer Lesung. Dafür haben alle in dem anderthalbstündigen Vortrag viel Neues aus dem Alten China gelernt und gehen ein bisschen erleuchteter als zuvor nach Hause.


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