33 Jahre auf der Bühne Depeche Mode: Nahtod-Erfahrung und Stasi-Gagen – die Bandgeschichte

Von Tobias Böckermann | 21.03.2013, 14:32 Uhr

Seit 33 Jahren gibt es Depeche Mode – das erste Konzert am 29. Mai 1980 begründete eine Pop-Geschichte, in der es um Nahtod-Erfahrungen, von der Stasi diktierte Gagen und um viele, viele Nummer-1-Hits geht.

Eigentlich beginnt alles ein Jahr früher: 1979 gehen Vince Clarke, Andy Fletcher (Lehrling zum Versicherungskaufmann) und Martin Gore (Banklehrling) in dieselbe Schule. Nach Gastspielen in anderen Bands gründen sie gemeinsam die Kapelle dieCombo „Composition of Sound“.

Vince Clarke betätigt sich als Sänger, aber schon 1980 wird Dave Gahan für diese Rolle geholt. Dem Studenten einer Kunsthochschule ist der Bandname zu langweilig; er schlägt eine Umbenennung nach dem französischen Modemagazin „Mode Dépêche“ vor. Mit dem neuen Namen folgt ein neuer Stil: Synthesizer sind in Mode und kommen bei ersten Auftritten im englischen Heimatstädtchen Basildon gut an. Den Durchbruch bringt ein Auftritt im Vorprogramm von „Fad Gadget“, dessen Produzent Daniel Miller beim Konzert dabei ist. Er nimmt Depeche Mode unter Vertrag.

1981 erscheint mit „Speak & Spell“ das erste Album, das nur wenig mit der heutigen Klangfarbe von Depeche Mode gemein hat. Danach steigt der bisherige Songschreiber Vince Clarke aus und gründet zunächst „Yazoo“ und später „Erasure“. Ersatz findet die Band per Zeitungsannonce: Alan Wilder sorgt ab sofort fürdie Soundtüfteleien, Martin Gore übernimmt das Komponieren und Texten.

Es folgen immer düstere Alben: „A broken frame“ und „Construction time again“. Nach „Some great Reward“ erscheint 1985 „Black celebration“: Depeche Mode sind jetzt Superstars und liefern Platz-1-Hits. Der Durchbruch in den USA gelingt 1987 mit „Music for the Masses“: Am 18. Juni 1988 geben Depeche Mode vor 75000 Zuschauern im „RoseBowl“-Stadion in Pasadena ihr 101. Konzert und landen mit ihrem Film „101“ einen Kinoerfolg. Kurze Zeit zuvor war ein Traum der Band in Erfüllung gegangen: Sie spielte in Ost-Berlin. Trotz restriktiver Auflagen der Stasi (nur 5000 Westmark Gage, keine Werbung) wird der Auftritt zum Triumph, besonders für Martin Gore, der lange in West-Berlin gelebt hatte. Allein in den 80er-Jahren hatten Depeche Mode in Deutschland elf Singles in den Top 10 – niemand hatte damals mehr. Bis heute schafften es 26 Singles unter die besten zehn.

1990 erscheint das bisher wohl beste Album „Violator“, 1993 schließt sich an „Songs of Faith and Devotion“ eine Welttour an, 14 Monate, die 174 Konzerte umfasst. Danach ist die Band physisch wie psychisch am Ende: Alan Wilder verlässt 1995 Depeche Mode, wenige Wochen danach schneidet sich Dave Gahan in den USA die Pulsadern auf und überlebt. Ein Jahr später ist der Sänger nach einer absichtlichen Überdosis Heroin zwei Minuten lang klinisch tot: ein Wendepunkt. Gahan macht eine Entziehungskur, nimmt Gesangsunterricht, und das Album „Ultra“ erreicht 1997 in halb Europa Platz eins der Charts. Erst 2001 folgen mit „Exciter“ die zehnte Studioplatte und eine umjubelte Welt-Tour. Weil danach neben Soloprojekten von Gahan und Gore nur noch von Streitereien innerhalb der Band berichtet wird, fürchten die Fans immer wieder um den Fortbestand von Depeche Mode. Aber die drei bleiben zusammen. 2005 erscheint „Playing the Angel“, 2009 „Sound of the Universe“ – beide mit Songs von Dave Gahan, der sich von Martin Gore emanzipiert. Elf Studioalben landeten in den deutschen Top Ten, zehn in den Top Drei, fünf auf Platz eins.

Depeche Mode im Internet für lau anhören: „Delta Machine“ ist bei myvideo verfügbar. Hier steht, wie man an die Songs kommt.

Die Depeche-Mode-Konferenz zur Tour: ein Tag, der die Fans elektrisierte. 

Kritik: So gut ist das neue Album „Delta Machine“¨– eine Hymne.