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Gitarrengott Steve Lukather begeistert mit Spielfreude und vielen neuen Songs Mitreißende Frustbewältigung

Hemdsärmelig und publikumsnah: Steve Lukather rockte den Rosenhof. Foto: OsterfeldHemdsärmelig und publikumsnah: Steve Lukather rockte den Rosenhof. Foto: Osterfeld

Osnabrück. Dass es ihm vor einigen Monaten noch total dreckig ging, merkt man Steve Lukather an diesem Abend nicht an. Im Rosenhof spielt sich der Mitbegründer, Gitarrist und spätere Sänger der US-Band Toto so richtig in Laune.

Für gefälligen Mainstream-Rock hat der 53-Jährige, der vor zwei Jahren endgültig das „Mutterschiff“ verließ, allerdings nicht mehr viel übrig: Lukather lässt es ordentlich krachen und grooven, setzt – wie man es von seinen bisherigen Solo-Ausflügen kennt – gleichzeitig auf virtuose Instrumentalmomente, kernige Gitarrenriffs und komplexe Arrangements.

Frustbewältigung als mitreißendes Klangerlebnis: Kürzlich sei seine Mutter gestorben, seine Frau, die im Januar einen Sohn von ihm erwartet, habe ihn verlassen, er trauere um verlorene Freunde und habe eines Morgens beim Blick in den Spiegel das Rauchen und Trinken aufgegeben, erzählt der US-Amerikaner ganz unsentimental nach dem dritten Song. All das habe er auf seinem aktuellen Album „All’s Well That Ends Well“ verarbeitet. Ein eher dunkles, aber dafür authentisches Album, wie er sagt. Vielleicht sein Bestes.

Neue Songs wie „Darkness In My World“, „Can’t Look Back“, „On My Way Home“ oder „Turnescent“ werden vom Publikum jedenfalls begeistert aufgenommen. Nicht nur der Sound ist erstklassig, auch die Tourmusiker auf der Bühne: der fingerflinke Keyboarder und Lukathers langjähriger Freund Steve Weingart, der muskelbepackte Schlagzeuger Eric Valentine und die grazile, im Rhythmus mitswingende Bassistin Renee Jones.

Die schwarze Schönheit dient wohl gleichzeitig auch der optischen Aufwertung der Band. Für wohlige musikalische Schauer sorgen in erster Linie die anderen drei mit ihren rasanten Soli und blitzartigen Intermezzi. Immer wieder beeindruckt Valentine durch sein kraftvolles, synkopiertes Spiel – selbst im Stehen und mit verbundenen Augen zieht der Drummer alle Register. Lukather und Weingart „messen“ sich in virtuosen Echo-Klangkaskaden. Aber gefühlvoll können sie auch: der Tastenspezialist mit mal sphärischen, mal klassisch beeinflussten Intros, der Gitarrengott mit einer Hommage an Jimi Hendrix („Little Wing“).

Selbst Kollegen ziehen vor diesem Mann ehrfürchtig den Hut: Als Eddie van Halen einmal in einer Talkshow gefragt wurde, was es für ein Gefühl sei, der beste Gitarrist der Welt zu sein, antwortete er: „Da müssen Sie Steve Lukather fragen.“ Bis heute leidet der Toto-Frontmann allerdings darunter, dass seine alte Band häufig als Schimpfwort herhalten muss, wie er im Interview sagte. Lukather hat jedoch nicht nur Toto seinen Stempel aufgedrückt. Er ist mit mehr als 1000 Produktionen einer der meistbeschäftigten Studiomusiker, spielte Alben für Michael Jackson, Whitney Houston und Alice Cooper ein.

Dennoch wirkt Lukather geerdet und unprätentiös, sucht stets den Kontakt zu den Fans. Einen der bewegendsten Momente erzielt er mit der Toto-Ballade „Out Of Love“, die er seiner Mutter widmet. Mit der Akustikversion von „The Road Goes On“ (Toto) verabschiedet sich der Musiker, der noch eine stramme Welttour vor sich hat.


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