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Hinter dem Mond? Kein bisschen!

Alles richtig platziert? Eröffnungsredner Wilfried W. Wolf und BBK-Leiterin Renate Michalik überprüfen die Ausstellungsinstallation.Alles richtig platziert? Eröffnungsredner Wilfried W. Wolf und BBK-Leiterin Renate Michalik überprüfen die Ausstellungsinstallation.

Wird es dem Bund Bildender Künstler (BBK) auf der Erde zu eng? In die Fernen des Weltalls treibt es die Vereinigung jedenfalls bei ihrer neuen bundesweiten Ausstellung zum Thema "Die Rückseite des Mondes".

Auch die Osnabrücker Regionalgruppe des BBK leistet ihren Beitrag zu dieser überregionalen Ausstellungsaktion. Im "Kunst-Quartier" zeigen nun immerhin zwölf Mitglieder der Vereinigung Arbeiten, die sie eigens für das Ausstellungsthema anfertigten. Damit treten die Bilder und Objekte, Fotos und Skulpturen unmittelbar miteinander in Bezug. Der kleine Nachteil: Die eigentliche Werkentwicklung dieser Künstlerinnen und Künstler wird so nicht sichtbar. Sie bleibt gleichsam selbst auf der Rückseite dieser Ausstellung.

Eine anregende Schau ist dennoch allemal zustande gekommen. Unter der Regie von BBK-Leiterin Renate Michalik entstand nicht nur die Ausstellung. Zudem wurde auch ein Katalog herausgegeben, der einen kleinen, aktuellen Überblick über den künstlerischen Entwicklungsstand des Osnabrücker BBK geben kann. Dabei wurde das Problem der Werkauswahl, in der Vergangenheit oft Konfliktpunkt bei BBK-Ausstellungen, nach den Worten von Renate Michalik diesmal offenbar einfach entschärft. Wer sich zu der Ausstellung anmeldete, wird nun offenbar auch ausgestellt - so die Darstellung der BBK-Leiterin.

Entsprechend versöhnlich geben sich nun auch die Werke, die zeigen, wie man bei Forschungen auf der Rückseite des Erdtrabanten in ernstes Fragen oder auch sanftes Träumen geraten kann. Interessant genug, dass die Künstlerinnen und Künstler auf engem Raum eine derart große Auswahl künstlerischer Medien anzubieten haben. Kann der Zwischenraum zwischen Erde und Mond größer sein als die Spanne, die Malerei und das Fundstück voneinander trennt? Bitte sehr: Ilse Kampen entfacht auf ihrem Großformat "Chaos ohne Struktur?" mit Bitumen und Acrylfarbe einen kosmischen Wirbel von erheblicher Schubkraft, während Reinhard Dasenbrock gleich gegenüber sein "Sky Paddel" platziert, ein grün angestrichenes Holzstück, das so aussieht, als könnte es in der Weltraumbarke glatt als Ruder dienen.

Schön, dass es in einem Künstlerverband so viel stille Poesie geben kann. Zugleich ist aber auch klar, dass das lunare Thema nicht unbedingt zu Arbeiten von unentrinnbarer Wirkungskraft geführt hat. So fügt Mona Hakimi-Schüler farbige Collage und persische Schrift zu einem unentwirrbaren Rätsel zusammen. Das soll berühren, sieht aber viel zu ordentlich aus, um irritieren zu können. Und Reinhard Klink schickt einen lustigen, kleinen Flötenspieler auf das Balancierseil Richtung Mond. Sehr hübsch. Und Renate Michalik selbst? Die entwirft mit sechs Modulen und schwarzem Erdenkreis gleich ein Gleichnis der ganzen bedrohten Welt. Man sieht schon: Den BBK zieht es diesmal in weite, manchmal allzu weite Fernen.


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