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Stadtansicht und bizarre Landschaft

Machtvoller Auftritt vor Greifswalder Stadtansichten von Karin Wurlitzer: Nils Dicaz' Skulptur "Engel".Machtvoller Auftritt vor Greifswalder Stadtansichten von Karin Wurlitzer: Nils Dicaz' Skulptur "Engel".

Greifswald ist nicht nur Osnabrücks Partnerstadt, sondern war und ist auch Hansestadt. Da vom 15. bis 18. Juni in Osnabrück der 26. Internationale Hansetag stattfindet, lud der Bund bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) Osnabrück vier Vertreter der Genres Grafik, Malerei, Skulptur und Objektkunst aus Greifswald ein, im Kunst-Quartier an der Bierstraße aktuelle Werke auszustellen.

Auf dem Fußboden des Ausstellungsraumes liegt ein grob mit Maschinen bearbeiteter Holzstamm, dem man nicht ansehen kann, ob er einen Menschen oder ein Tier darstellen soll.

Der Titel "geschlachtet" sowie die Tatsache, dass die Gliedmaßen verstümmelt und der Rumpf der Figur offenbar ausgenommen wurde, dass ihm also sämtliche Eingeweide und Organe entnommen wurden, lässt auf ein Tier schließen: eine nicht identifizierbare, geschändete Kreatur.

Nils Dicaz ist der Urheber des ausdrucksstarken Werks, ein Künstler, dessen Vehemenz inhaltlich, aber auch in Bezug auf die Materialbearbeitung frappant ist. Seine Skulptur "Engel", die so gar nicht engelhaft erscheint, spricht die gleiche Sprache.

Einen Kontrapunkt zu dem machtvollen Auftritt Dicaz' bilden die Objekte von Lucia Schoop. Sie bedruckt kleinformatige Plexiglas- und Glasplatten, auf denen sie per Siebdruckverfahren fragmentarische Skizzen und Impressionen ihres Alltags dokumentiert: flüchtige "Tageserinnerungen", durch Reihung vermengt zu multiplen Eindrücken, austauschbar, transparent und dennoch komplex. Karin Wurlitzer trägt mit ihren Acrylbildern Ansichten von Greifswald, vor allem des Hafens mit seinen Booten, zur Ausstellung bei, derweil Sylvia Dallmann Radierungen mit Tusche überzeichnet. Es entstehen Fantasiewelten zwischen Abstraktem und Gegenständlichem: Ein "Wagen" bewegt sich in bizarrer Landschaft. "Die Vernetzung der bundesweiten BBK-Aktivitäten in Osnabrück voranzutreiben ist das Ziel, das wir auch mit dieser Ausstellung vorantreiben wollen", erklärt die Vorsitzende des BBK Osnabrück, Renate Michalick. Aus diesem Grund nahm sie anlässlich des Hansetages Kontakt zum BBK Mecklenburg-Vorpommern und der Kulturverwaltung Greifswald auf, um interessierte Künstler zu finden, die Mitglied des BBK sind.

"Eine sehr engagierte, sehr vielschichtige Ausstellung an einem attraktiven Standort", ergänzt Bürgermeisterin und Hansebeauftragte Karin Jabs-Kiesler, die am kommenden Freitag, 19. Mai, in die Ausstellung einführen wird.


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