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Dorfchronik oder anonymes Grab Beim Strategiespiel Village gehört der natürliche Tod einfach dazu


Osnabrück. Das Thema Tod wird in Gesellschaftsspielen für Familien zumeist ausgeklammert. Zu düster, zu traurig – ein Tabu. Das Strategiespiel Village bricht mit diesem Muster. Das Autoren-Ehepaar Inka und Markus Brand hat den Tod als natürlichen Bestandteil des Lebens in ihr Spiel eingebettet. Mit Erfolg: Nach der Auszeichnung „Kennerspiel des Jahres“ errang Village auch den Sieg beim Deutschen Spiele-Preis.

Village entführt in die Welt eines mittelalterlichen Dorfes. Dort machen die Mitglieder von bis zu vier Familien Karriere. Sie betreiben auf der Jagd nach Ruhm Viehzucht und stellen Handwerkswaren her, um sie auf dem Markt zu verkaufen. Sie machen Politik in der Ratsstube oder führen ein frommes Leben als Priester in der Kirche. Sie verarbeiten Getreide oder reisen herum. Und: Sie heiraten und bekommen Nachwuchs. Auf diese Weise kommen Figuren unterschiedlicher Generationen ins Spiel – gekennzeichnet durch die Zahl auf der Brust. Je kleiner die Nummer, desto älter das Familienmitglied. Und je älter ein Familienmitglied ist, desto eher stirbt es und geht entweder in die Dorfchronik ein oder wird in einem anonymen Grab beigesetzt.

Wann eine Person aus dem Spiel ausscheidet, bestimmt die Uhr. In Abhängigkeit der gewählten Aktionen setzt der Spieler am Zug den Zeitstein auf seinem Familientableau um eine vorgegebene Zahl Felder vorwärts. Überschreitet der Marker dabei die Brücke vom Diesseits zum Jenseits, stirbt eine Figur der ältesten Generation. Dann wird sie in die Dorfchronik gelegt oder – falls dort kein Platz mehr vorhanden ist – in ein anonymes Grab. Weil Einträge in der Chronik Punkte bringen, könnten manche Spieler versucht sein, die Zeit etwas schneller laufen zu lassen. Aber in diesem schlüssig komponierten Strategiespiel ist selbst das nicht verwerflich.

Denn andersherum können die Spieler auch davon profitieren, lange auf die Erfahrung und den Einfluss der älteren Familienmitglieder zu setzen. Denn diese Figuren arbeiten effizienter. Neue Familienmitglieder hingegen müssen erst angelernt werden – das kostet Zeit oder Einflusssteine. Letztere erhält man zu Beginn seines Zuges. Spieler können nur an den Orten Aktionen ausführen, an denen noch mindestens einer dieser kleinen Holzwürfel liegt. Die Einflusssteine symbolisieren Können, Überzeugungskraft, Glaube und Wissen. Oder sie bringen die Pest: Wer einen schwarzen Würfel nimmt, verliert Zeit. Welche Familien-Dynastie sammelt die meisten Ruhmpunkte.

Spielwert: Trotz umfangreicher Regel lässt sich das atmosphärisch dichte Village beinahe intuitiv spielen, weil die Aktionen der Logik des Lebens folgen. Zudem sind die zahlreichen Handlungsmöglichkeiten so fein verwoben, dass sich immer wieder unterschiedliche Karriere-Pläne entwickeln lassen.

Village (eggertspiele/Pegasus Spiele) von Inka und Markus Brand ist für 2 bis 4 Spieler ab 12 Jahren; 60 bis 90 Minuten; 35 Euro.

Bewertung: 9 von 10 Punkten


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