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Nach Fälschungsvorwürfen: Keine Zweifel an der Afrika-Ausstellung in Onabrück

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Sind diese Ausstellungsstücke des Sammlers Reinhard Klimmt echt? Die Stadt ist jedenfalls davon überzeugt.Sind diese Ausstellungsstücke des Sammlers Reinhard Klimmt echt? Die Stadt ist jedenfalls davon überzeugt.

„Die Stadt Osnabrück steht hundertprozentig zu der Ausstellung ,Habari Afrika‘“, betonte Kulturdezernentin Rita Maria Rzyski gestern bei einer Pressekonferenz in der Kunsthalle Dominikanerkirche. Sie und Kunsthallen-Leiter André Lindhorst gehen von der Echtheit der Objekte in Reinhard Klimmts Sammlung aus.

„Wir haben uns über den unseriösen Rundumschlag im ,Focus‘ geärgert und sind davon überzeugt, dass hier kein Schrott und keine billigen Flohmarktstücke gezeigt werden.“ Damit bezog sie sich auf die Kritik von Kunsthändlern, die in der jüngsten Ausgabe des Magazins behauptet hatten, die in Osnabrück gezeigten Figuren, Masken, Türen oder Gebrauchsgegenstände könnten nur Fälschungen sein – weil Sammler Reinhard Klimmt, ehemaliger saarländischer Ministerpräsident (SPD) und Verkehrsminister, sie zu vergleichsweise moderaten Preisen erworben hat.

Mit keinem Wort erwähnt das Magazin „Focus“ den anderen zur Konzeption gehörenden Teil der Schau mit zeitgenössischer Kunst des Hamburger Sammlers und Journalisten Gunter Péus, auch das finden Rzyski und Kunsthallen-Leiter André Lindhorst nicht seriös.

Auch wenn der „Focus“-Artikel „tendenziös“ sei, wollen Rzyski und Lindhorst keine Gegendarstellung erwirken, sondern weiter offensiv den Vorwürfen entgegentreten. Sammler Reinhard Klimmt macht das bereits, indem er auch gestern den Journalisten sein Absicherungssystem aus Expertisen, Gutachtern und wissenschaftlichen Nachweisen vorlegte, das seiner Sicht nach Fälschungen in der Osnabrücker Schau ausschließt.

In der Nacht noch hatte Klimmt Prof. Till Förster, Ethnologe an der Universität Basel und wissenschaftlicher Mitarbeiter an Afrika-Ausstellung und Katalog, um eine Stellungnahme gebeten. Und der lieferte taufrisch vier Seiten mit dem Titel „Was heißt hier echt? Ansichten einer verspäteten Debatte über afrikanische Kunst“. Förster bezog sich darin auch auf den Kunsthistoriker und -händler Michael Vignold (wir berichteten). Er erläuterte, wie schwer tatsächlich afrikanische Kunst der vorkolonialen Zeit einzuordnen und als echt oder falsch zu erkennen sei.

Förster: „Das Bild, welches man sich von einem ,Stammesstil‘ in der Kunstwelt macht, ist durch diese selbst geschaffen.“ Überhaupt habe sich der Markt für afrikanische Kunst seit Jahren von den Erkenntnissen der Wissenschaft abgekoppelt und drehe sich nur um sich selbst. Das Motiv sind nach Ansicht Reinhard Klimmts finanzielle Interessen und unterschiedliche Geschäftsstrategien von Händlern. Verkaufe der eine etwa in Düsseldorf an eine betuchtere Klientel einzelne Stücke zu hohen Preisen, setze ein anderer Händler ähnliche Stücke bei schnellerem Durchlauf billiger ab. „Der ,Focus‘ hat fast nur Händler befragt“, sagt Reinhard Klimmt. Kein Wunder, dass die nicht gerne sähen, wenn jemand wie er seine Stücke günstig erworben hätte. Falls er auf die unwahrscheinliche Idee käme, seine Sammlung zu verkaufen, würde das auf dem Markt sofort die „Preise zusammenhauen“. Diese Mechanismen seien eine grö-ßere Debatte in den Medien wert.

Übrigens: Bis zum Ende der Afrika-Schau in drei Wochen bietet neben der Kunsthalle Reinhard Klimmt höchstpersönlich Führungen durch seine Sammlung an. Anmeldungen in der Dominikanerkirche, Telefon 0541/323-2190.


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