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Im Kunstbetrieb angekommen?

"Made in Germany" läuft nicht in Osnabrück. Und auch die Skulptur-Projekte sind hier nicht zu sehen. Dennoch: Über einzelne Künstlernamen hält Osnabrück den Anschluss an die Großereignisse in Hannover und Münster.

Das gilt jedenfalls für die Ausstellung des European Media Art Festivals (EMAF), die am 20. Mai in der Kunsthalle Dominikanerkirche zu Ende ging. Denn gleich drei Namen von der Künstlerliste finden sich nun auch im Aufgebot für '"'Made in Germany'"', mit dem sich Hannover in Documenta-Zeiten als Ort der Kunst nachdrücklich profiliert. Und ein weiterer Name findet sich auf der Liste der Künstler, die in Münster die Skulptur-Projekte präsentieren.

'"'Wir freuen uns natürlich, wenn unsere Künstler auch andernorts ihren Platz finden'"', kommentiert Alfred Rotert von der EMAF-Leitung auf Anfrage diese kleine Übereinstimmung. Die eigene Liste sei jedoch vorher nicht mit denen benachbarter Großereignisse der Kunst abgeglichen worden. Besonders stolz ist Rotert dabei auf Björn Melhus. Denn der inzwischen bestens platzierte Videokünstler zeigte nicht nur 1988 seine erste Arbeit in Osnabrück, sondern war auch in diesem Jahr wieder dabei. In Hannover fasziniert er nun mit dem '"'Emotion Field'"', einer raumfüllenden Blume aus Videomonitoren, die im Takt des Gelächters von Walter Matthau und Jack Lemmon rot und gelb in schönster Farbsinfonie aufleuchten.

Bei '"'Made in Germany'"' gibt es auch ein Wiedersehen mit Candice Breitz. Die Südafrikanerin zeigte in Osnabrück ihren Videofries der Hollywood-Mütter und begeistert in Hannover nun mit einer Videoinstallation von Michael-Jackson-Nachahmern. Dazu kommt Christoph Girardet mit '"'Pianoforte'"' - beim EMAF war von ihm noch die poetische Filminstallation '"'7:48'"' zu erleben. Und ein Wiedersehen mit Clemens von Wedemeyer gibt es schließlich demnächst in Münster. Dort bespielt er mit dem Metropol-Kino einen zentralen Ort der Skulptur-Projekte. Beim EMAF dagegen floppte seine Dick-und-Doof-Adaption.

Sicher, angesichts eines Feldes von 50 Künstlern in Hannover und über 30 in Münster sollte eine Überschneidung von vier Namen nicht überbewertet werden. Aber das schlichte Faktum spricht auf der anderen Seite dafür, dass das Medienkunstfestival im Kunstbetrieb angekommen ist - und mit ihr die Medienkunst selbst. Was früher einmal Bastelei in der Nische der Spezialisten war, nimmt sich heute fast schon wie ein Mainstream aus. '"'Der Einsatz von Medien im Kunstbetrieb wird selbstverständlicher'"', deutet Rotert diese Entwicklung.

Aber ist nicht auch das gute, alte Tafelbild ein Medium der Kunst? Und alle Kunst damit unausweichlich auch eine Medienkunst? Abseits der Definitionsfragen belegt der Blick auf Künstlerlisten, dass Osnabrücks EMAF-Schau endgültig erwachsen geworden ist. Allerdings bleibt es auch dabei, dass die große Kunst woanders zu sehen ist - jetzt in Hannover und demnächst in Münster.