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Feierraum und Trauerraum In der Osnabrücker Kolumbariumskirche sind Urnengräber neben Kirchenbänken


Osnabrück. „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“ – dieser Satz aus dem Mittelalter gilt wortwörtlich für die katholische Kirche „Heilige Familie“ in Osnabrück: Dort feiern Gläubige Gottesdienst, während in Wänden neben Altar und Kirchenbänken Urnen mit der Asche Verstorbener aufbewahrt werden. Es ist ein Ort, wo sie ihre letzte Ruhestätte finden und Angehörige trauern, aber wo auch Brautpaare getraut und Kinder getauft werden.

Die Rundkirche „Heilige Familie“, 1960 am Schölerberg erbaut, erwies sich für die schwindende Zahl der Gläubigen als zu groß. Das Bistum Osnabrück aber wollte das Gotteshaus nicht aufgeben, sondern für Messfeiern erhalten. So fiel die Entscheidung für den Umbau zur Kolumbariumskirche. Doch was ist überhaupt ein Kolumbarium? Das fragt sich fast jeder, der erstmals das Wort hört. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen; ursprünglich bedeutete er Taubenschlag. Denn wie Taubenschläge sahen römische Grabkammern aus mit reihenweise übereinander angebrachten Nischen für Urnen nach Feuerbestattungen; daher heißen sie seit etwa 50 vor Christus ebenfalls Kolumbarium.

Bei den Beratungen für den Umbau der Kirche gaben auch zwei Osnabrücker Bestattungsunternehmen Ratschläge. „Wir hatten ja keine Erfahrung“, sagt Diakon Harald Niermann von der Kirchengemeinde „Heilige Familie“. Entstanden ist ein Raum mit schlichter Eleganz, der 2010 eingeweiht wurde. Schon am Fußboden kann der Besucher die Trennung zwischen Feierraum und Trauerraum erkennen: Im Feierraum tritt er auf glatte Steine, im Trauerraum der umgebenden Wandelgänge auf raues Straßenpflaster. Das Taufbecken am Eingang, die runden Urnengänge und der Feierraum in der Mitte symbolisieren den Kreislauf von Leben und Tod.

Die Urnen werden in Wände gestellt, die durchbrochen und so mit dem Feierraum verbunden sind. Auf den Wänden aus Valser Quarzit sind bronzefarbene Verschlussplatten angebracht. Darauf stehen der Name, das Geburts- und das Sterbedatum – nicht mehr. Wichtig war den Planern, bei den Urnenfächern den Eindruck von Schließfächern zu vermeiden, wie Niermann betont.

Das Konzept für den Umbau der Kirche hat auch Fachleute überzeugt: Der Landesverband Niedersachsen des Bundes Deutscher Architekten würdigte im Juni die „beispielgebenden baukünstlerischen Leistungen“; bei der Verleihung des Niedersächsischen Staatspreises für Architektur wurde die Kirche kürzlich für den zweiten Platz nominiert.

Für die Urnen haben Bestatter eigene Behältnisse entwickelt, die sich in die Wand legen lassen. Urnen in Vasenform waagerecht zu kippen wäre unpassend gewesen. Bis heute sind in der Kirche 80 Verstorbene bestattet worden. Rund 300 Urnenplätze wurden verkauft.

Ihre letzte Ruhestätte haben hier Menschen aus ganz Deutschland, ja sogar aus Vietnam. Nicht allein Katholiken können sich beisetzen lassen, sondern wie es in den Bestimmungen heißt, „Mitglieder der Kirche oder einer christlichen Konfession“ – also auch Lutheraner, Reformierte oder Orthodoxe. „Für andere Religionen kommt die Beisetzung vom Selbstverständnis her nicht in Frage“, erklärt der Diakon.

Das Interesse ist groß:Im Internet finden sich Informationen unter www.kolumbarium-os.de , und in 120 Führungen haben Niermann und andere hauptberufliche und ehrenamtliche Mitarbeiter der Gemeinde in diesem Jahr schon die Kolumbariumskirche vorgestellt. In seiner Gemeinde sei man stolz auf das umgebaute Gotteshaus, sagt er. Und es gebe nun eine intensivere Auseinandersetzung mit der Frage: Was folgt nach dem Tod? Und das nicht nur in praktischer Hinsicht.

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