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Astrid Lindgrens Lausejunge Der schwedische Kinderbuchheld Michel aus Lönneberga wird 50

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Osnabrück. Es war eine schnelle literarische Geburt vor 50 Jahren: Am 23. Mai 1963 schrieb Astrid Lindgren (1907–2002) die ersten Zeilen des Kinderbuchs „Michel aus Lönneberga“. Die Figur hatte sie sich Monate zuvor für ihren Enkel ausgedacht.

Im gleichen Jahr erschien bereits in Schweden das Buch über den fünfjährigen Jungen vom Hof Katthult, der mit allerlei „Unfug“ seine Familie und das ganze Dorf ordentlich auf Trab hält. Regelmäßig folgt auf den wutentbrannten Ausruf „Michel!“ seines Vaters der Hausarrest im Tischlerschuppen, den der kleine Lebenskünstler zum Holzmännchen-Schnitzen nutzt. Für Generationen von Lesern und Fernsehzuschauern ist der eigensinnige Junge der Inbegriff eines Lausbuben. Zum Geburtstag haben wir Wissenswertes und Spielereien zur Kultfigur zusammengetragen:

Wenn „Michel“ eine Neuerscheinung wäre...

Christine Kranz, Referentin für Leseförderung bei der Stiftung Lesen, gibt Eltern, Erziehern und Lehrern regelmäßig Kinderbuchtipps. Und so würde ihre Leseempfehlung klingen, wenn „Michel aus Lönneberga“ eine Neuerscheinung des Jahres 2013 wäre: „Michel aus Lönneberga ist völlig zeitlos – und eine perfekte Identifikationsfigur für Kinder, insbesondere natürlich für Jungs. Er lebt – ähnlich wie Pippi – all das aus, was Kinder sich nicht trauen (oder zutrauen)! Und all seine wunderbar chaotischen Abenteuer entstehen eigentlich aus dem Wunsch, Gutes zu tun. Nur wird er die Geister, die er rief, nicht wieder los. Beim Leser löst das Gefühle aus, die zwischen Erheiterung, Bewunderung, Mitleid und Schadenfreude schwanken. Und einfach allerbeste Unterhaltung garantieren...“

Michel ist ein Emil...

Michel aus Lönneberga heißt im Original eigentlich Emil. Mit Zustimmung der Autorin Astrid Lindgren wurde er in der deutschen Fassung in Michel umbenennt. Grund: Es gab hierzulande bereits einen berühmten Kinderbuchhelden – in Erich Kästners „Emil und die Detektive“.

Michels witzigstes Missgeschick:

Über 30 Millionen Mal verkauften sich die „Michel“-Bücher. In 52 Sprachen treibt der kleine Schwede nun „Unfug“. Doch welches ist sein bestes Missgeschick? Eine – nicht repräsentative – Umfrage in der Redaktion ergab eine kleine Überraschung: Es ist nicht die berühmte Episode, in der sein Kopf in der Suppenschüssel stecken bleibt, und auch nicht die, in der er seine kleine Schwester Ida an der Fahnenstange hochzieht, weil sie den Hof mal von oben sehen will. Es ist die Episode, in der Michel sein „Knirpsschweinchen“ und den Hahn – unwissentlich – mit vergorenen Kirschen füttert. Als die betrunkenen Tiere randalierend die Hühner fast zu Tode erschrecken, ist das Chaos perfekt, für das eigentlich Michels Mutter verantwortlich ist.

Wie Michel sein Aussehen bekam...

„Er hatte runde blaue Augen und ein rundes rotbackiges Gesicht und helles volles Haar“, so beschreibt Astrid Lindgren Michel in ihrem Buch. Inspiriert wurde sein Aussehen durch eine Zeichnung von Björn Berg (1923–2008), die die Schriftstellerin in einer Zeitung gesehen hatte. Lindgren schickte Berg ihr Manuskript, und so kam es, dass er alle „Michel“-Bücher illustriert hat. Berg hatte sich übrigens von seinem eigenem Sohn inspirieren lassen. Als Astrid Lindgren 1963 Michels Abenteuer veröffentlichte, war sie nach „Pippi Langstrumpf“ oder „Karlsson vom Dach“ schon eine etablierte Schriftstellerin.

Brauchen wir mehr Bücher über Lausbuben?

Benötigen wir auf dem deutschen Buchmarkt mehr Bücher über Lausbuben? Nicht unbedingt, meint Christine Kranz von der Stiftung Lesen: „Der Kinderbuchmarkt ist sehr bunt und bietet eigentlich für jeden etwas, auch Lausbuben-Geschichten. Man denke nur an ‚Dirk und ich‘ von Andreas Steinhöfel oder ‚Achtung Milchpiraten‘ von Kai Lüftner. Und ich finde es schön und wichtig, dass daneben Klassiker wie der Michel nicht verstauben und immer weiter (vor-)gelesen werden.“

Michel wird Fernsehstar

Der junge blonde Jan Ohlsson gab 1971 in der deutsch-schwedischen Fernsehproduktion „Immer dieser Michel“ dem liebenswerten Schlingel ein unvergessliches Gesicht. Der Kinderstar von einst ist kein Schauspieler geworden. Der 50-Jährige gibt auch keine Interviews mehr. Genauso im Gedächtnis wie der junge Ohlsson ist Allan Edwall als Michels schnell verzweifelter Vater Anton oder Björn Gustafsson als Knecht Alfred, Michels bester Freund, geblieben.

Das Filmteam fand für die Lausbubengeschichten, die Anfang des 20. Jahrhunderts spielen, in dem Dorf Gibberyd bei Vimmerby die ideale Kulisse für den Hof Katthult . Noch heute besuchen Touristen diesen Ort, wo der aufgeweckte Michel lebte, der eigentlich immer nur die besten Absichten hatte – und dabei treffsicher von einem Fettnäpfchen ins nächste trat. Der Themen- und Theaterpark „Astrid Lindgrens Welt“ in Vimmerby eröffnet am 16. Juni den Nachbau des Katthult-Hofs.

Und zur Feier des Tages...

...wird der Friedrich Oetinger Verlag, der im Herbst 1964 erstmals Astrid Lindgrens „Michel“ in Deutschland herausbrachte, demnächst eine limitierte Sonderausgabe „Die schönsten Geschichten von Michel aus Lönneberga“ veröffentlichen. In dieser sind alle vier „Michel“-Bilderbücher mit farbigen Illustrationen von Björn Berg in einem Band versammelt. Oetinger audio hat „Michels schönste Streiche“, gelesen von Manfred Steffen und Peter Kaempfe, in einer Hörbuch-Box zusammengestellt. Für Leseanfänger gibt es Michels Geschichten erstmals in der Erstlese-Reihe „Büchersterne“. Alle diese Sonderausgaben sind ab August erhältlich.

Zum Schluss ein Geburtstagsgruß:

Lieber Michel,

zu Deinem runden Geburtstag wünsche ich Dir ein tolles Fest mit Deinem Freund Alfred, der kleinen Ida, einem gut gelaunten Vater, einer entspannten Mutter und allen, die Dich mögen. Und natürlich, dass Du nie erwachsen werden musst!

Alles Gute von Christine Kranz, Stiftung Lesen


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