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Witz und frischer Charme

Selten war eine Veranstaltung spannender. Freitags am frühen Abend hatten die Organisatoren noch gebangt, ob das 5. Festival des neuen japanischen Films (25.-27.11.) im Haus der Jugend überhaupt starten kann. Es konnte!

Allem Schnee-und-Strom-Chaos zum Trotz war bereits das Eröffnungsprogramm überraschend gut besucht. Und so sind Candice Manarpaac, Cristina Szász, Olaf Perey und Gunnar Kählke zwar sehr zufrieden, fragen sich andererseits aber, wie viele Zuschauer wohl unter "normalen" Wetterbedingungen gekommen wären.

Für die, die das Risiko der Anfahrt gewagt hatten, wurde schon dieser Abend ein Gewinn. Entgegen dem bisherigen Brauch, mit einem "seriösen" Werk zu eröffnen, startete das Festival frisch und frech mit "Survive Style 5+" und dem Animee "Appleseed".

Doch zuvor verwöhnte die Taiko-Gruppe Osnabrück das Publikum mit einer Gänsehaut erzeugenden musikalischen Darbietung. Werner Domanski, Josef Hegge und Wolfgang Sparenberg boten zudem die Möglichkeit, im Rahmen eines Workshops das kraftvolle Taiko-Trommeln kennen zu lernen.

Verheißungsvoll startete der Samstag mit "Tony Takitani", einer stimmungsvoll verfilmten Geschichte Haruki Murakamis. Im Verlauf der auch am Samstag ausgesprochen gut besuchten Vorstellungen stellte sich heraus, dass viele aktuelle japanische Filme um das Thema "Familie" kreisen. Von den zehn präsentierten Produktionen beschäftigten sich acht damit: Wie lebe ich mit der Familie? Was tue ich für sie? Wer gehört dazu? Wie kann ich mich vor ihr schützen?

So passte es gut, dass als Osnabrücker Premiere am Sonntagmorgen ein "Film-Frühstück" angeboten wurde und mit der Möglichkeit einer familiären Frühstückssituation bei gleichzeitigem Filmgenuss lockte. Bei der Komödie "Unser Haus" konnte dann stellvertretend mitverfolgt werden, wie ein Hausbau in Japan stattfindet. Im Grunde genau wie hier. Mit dem entscheidenden Unterschied, dass unvermeidbare Momente der Aggressivität durch die typisch japanischen - zur Nachahmung dringend empfohlenen - Höflichkeitsrituale entschärft werden.

Aus dem Jahre 2001 - und damit der "älteste" Film des Festivals - fokussiert "Unser Haus" das zentrale Thema der japanischen Gesellschaft: den Konflikt zwischen japanischer Tradition und amerikanischer Moderne, der alle Lebensbereiche beeinflusst.

Den Gesamteindruck eines gelungenen Festivals störten die wetterbedingte Programmänderung von Sonntagabend und der wegen Ausfalls einer Wärmepumpe unterkühlte Saal im Haus der Jugend nur geringfügig. Schon jetzt besteht seitens der Besucher Lust auf mehr Filme aus Fernost. Die Veranstalter sind optimistisch, in zwei Jahren das sechste Festival vorstellen zu können.

Wer bis dahin dem Festival verbunden bleiben will, erwarb sich ein T-Shirt mit der japanischen Aufschrift "Festival des neuen japanischen Films" und ging solcherart getröstet nach Hause. Andere, wie eine Studentin, machten sich noch Gedanken darüber, warum eigentlich die Osnabrücker Medienstudenten diesem zwischen Köln und Hamburg einmaligen Festival ferngeblieben waren.


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