240 Aufnahmen der berühmten Malerin Frida Kahlo: Fotos im Herforder Museum Marta

Von Dr. Stefan Lüddemann | 28.01.2015, 14:12 Uhr

Das Herforder Museum Marta zeigt erstmals in Deutschland Fotografien aus dem Archiv von Frida Kahlo. Hier Fragen und Fakten zur Ausstellung und zu Frida Kahlo.

Was zeigt das Museum Marta genau? Das Museum Marta in Herford präsentiert die mexikanische Künstlerin Frida Kahlo von einer anderen Seite. Vom 1. Februar bis 10. Mai sind erstmals in Deutschland rund 240 Fotografien aus dem privaten Fotoarchiv der weltberühmten Malerin zu sehen. Die Aufnahmen stammen zu einem Teil von der Künstlerin selbst, aber auch von berühmten Fotokünstlern wie Man Ray und Brassai. Die Ausstellung geht danach nach Lissabon und an weitere Orte.

Warum ist Frida Kahlo so bedeutend? Kahlo ist heute eine der berühmtesten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, eine Leitfigur der Frauenbewegung und zugleich Vorkämpferin für eine Wiederentdeckung indianischer Kultur. Die Künstlerin hat vor allem Selbstbildnisse und Porträts gemalt. Berühmt sind ihre Bilder, weil sie in die Darstellungen Motive lateinamerikanischer Kultur integrierte. Kahlo führte als Frau ein selbst bestimmtes Leben. Sie verwirklichte ihre Künstlerkarriere, die sie auf dem Krankenlager begann. Legendär war sie auch mit ihren vielen Liebschaften. Beziehungen unterhielt sie unter anderen zu dem russischen Revolutionär Leo Trotzki und dem Kunstsammler Heinz Berggruen.

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Wie lautet das Telegramm ihrer Biografie? Frida Kahlo wird am 6. Juli 1907 im mexikanischen Coyoacán geboren . Sie erleidet 1925 einen schweren Verkehrsunfall, malt 1926 ihr erstes Selbstporträt. 1929 heiratet sie den Maler Diego Rivera, öässt sich von ihm 1939 scheiden, heiratet ihn 1940 erneut. Erst 1953 werden ihre Bilder in einer ersten Einzelausstellung präsentiert. Kahlo stirbt am 13. Juli 1954.

Warum spielt das Thema Leiden in Frida Kahlos Werk eine so große Rolle? Frida Kahlo erleidet im Alter von 18 Jahren 1925 einen schweren Busunfall, bei dem sich eine Eisenstange durch ihr Becken bohrt. Die Künstlerin muss mehr als dreißig Operationen über sich ergehen lassen und zeitlebens Gipskorsette tragen. Kahlo lebt mit großen Schmerzen. Sie nimmt deshalb betäubende Drogen. Später wird ihr ein Unterschenkel amputiert. Etliche der Gemälde Kahlos zeigen sie als Schmerzensmadonna im Korsett.

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Welche Rolle spielte Diego Rivera im Leben der Malerin? Der berühmte mexikanische Maler war die große Liebe Frida Kahlos. Kahlo und Rivera (1886-1957) heirateten gleich zweimal. Der 20 Jahre ältere Womanizer betrog Frida Kahlo ständig, darunter auch mit ihrer Schwester. Dennoch unterhielten die beiden eine fast symbiotische Hassliebe. Rivera setzte sich für das Werk Kahlos ein. Er hütete auch ihren Nachlass.

Wer verkörperte im Hollywood-Film über Frida Kahlo die Künstlerin? Selma Hayek. Der mexikanische Kinostar verkörperte die Malerin in dem Kinofilm von 2002. Dieser Streifen ist bis heute die publikumswirksamste Auseinandersetzung mit der legendären Malerin. Vor diesem Hollywood-Streifen gab es „Frida Kahlo - Es lebe das Leben“, den 1984 Paul Leduc realisierte. Der erste Film nach dem Leben der Künstlerin enstand übrigens schon 1965. 1992 realisierte Theatermacher Johann Kresnik das Tanzstück „Frida Kahlo“, das am Theater Bremen uraufgeführt wurde.

Welche Promis lieben Frida Kahlos Kunst? Zu den Prominenten, die das Werk Frida Kahlos besonders schätzen, gehört die Pop-Queen Madonna. Sie besitzt gleich drei Ölgemälde der Künstlerin, darunter „Meine Geburt“ – das blutige Porträt einer Gebärenden.

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Wann war Frida Kahlos Kunst zuletzt in Deutschland zu sehen? Rund 235000 Besucher sahen 2010 die Frida-Kahlo-Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau. Bei der anschließenden Ausstellungsstation in Wien kamen sogar über 300000 Besucher . Das Hamburger Bucerius Kunst Forum zeigte 2006 eine Ausstellung mit Bildern Kahlos - ein Jahr vor dem 100 Geburtstag der Künstlerin. Die Exponate stammten aus der Sammlung von Dolores Olmedo Patiño, die über den größten privaten Bestand an Arbeiten Kahlos verfügt. Davor wurde Frida Kahlo unter anderem 1993 in der Frankfurter Schirn-Kunsthalle gezeigt.

Was verbindet Frida Kahlo mit Deutschland? Ihr Vater. Wilhelm Kahlo (1871-1941) stammte aus Pforzheim, wanderte 1890 nach Mexiko aus und war als Fotograf tätig. Er realisierte auch im Auftrag der Regierung Mexikos große Fotoprojekte. Aufnahmen, die er von seiner berühmten Tochter machte, sind gleichfalls in Herford zu sehen.

Wie viele Gemälde Frida Kahlos gibt es in deutschen Museen? Nicht ein einziges. Deshalb ist es auch so schwierig, in Deutschland Kahlo-Ausstellungen zu machen. Eine Zeichnung ist im Besitz des Berliner Sammlerehepaares Ulla und Heiner Pietzsch. Die meisten der nur 144 Ölbilder der Künstlerin befinden sich im Besitz von mexikanischen und amerikanischen Privatsammlern. Dem mexikanischen Kahlo-Museum (Casa Azul) gehören 20 Gemälde, der Sammlung Olmedo 26.