Internationales Sommerfestival Hamburger Kampnagelfabrik: Mit dem Publikum die Bühne zurückerobern

Von Dagmar Leischow

So war es vor Corona, und ganz ähnlich soll es im August wieder sein: das internationale Sommerfestival auf Kampnagel.So war es vor Corona, und ganz ähnlich soll es im August wieder sein: das internationale Sommerfestival auf Kampnagel.
Anja Beutler

Hamburg. Das wird ein künstlerischer Turbostart nach der Pandemie. Das Festival lockt im August mit gleich neun Welturaufführungen und einer Rekordzahl an Veranstaltungen.

Das Wort „Togetherness“ prangt auf dem Plakat für das Internationale Sommerfestival, das vom 4. bis 22. August auf dem Gelände der Hamburger Kampnagelfabrik und teilweise auch an anderen Orten stattfindet. Tatsächlich ist es dem künstlerischen Leiter András Siebold wichtig, die Menschen endlich wieder zusammenzubringen. 

Somit lag es für ihn auf der Hand, die Welturaufführung von „Multitudes“, einem Projekt der Musikerin Leslie Feist, als Eröffnungsveranstaltung auszuwählen. Die Kanadierin hat es sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit dem Publikum die Bühne zurückzuerobern. Im Gepäck hat sie neue Songs.

Konzerte auch in der Elphi

Weitere Konzerte sind in der Elbphilharmonie geplant. Dort treten zum Beispiel Martha und Rufus Wainwright auf. Dieser Abend heißt nicht umsonst „Mother“ – die Geschwister interpretieren Lieder über Mütter und Mutterschaft. Auf diese Weise gedenken sie ihrer verstorbenen Mutter, der Folksängerin Kate McGarrigle. 

Die türkische Musikerin Gaye Su Akyol hat sich bei ihrem Gig dagegen „Rebellion Manifesto“ auf die Agenda geschrieben. Sie verwebt nahöstliche Volksmusik mit Post-Punk, Grunge und psychedelischem Surf-Rock.

Elektro-Beats für Mozarts Requiem 

Eine Weltpremiere bietet Kyle Abrahams „Requiem: Fire in the Air of the Earth“. Der US-Choreograf nähert sich mit seiner Company A.I.M. Mozarts „Requiem“ tänzerisch an, allerdings hat die Dance-Music-Produzentin Jlin die klassischen Klänge in elektronische Beats überführt. „Mit dieser Inszenierung werfen schwarze Menschen einen Blick auf weiße Kultur“, erläuterte András Siebold am Dienstag bei der Programmpräsentation im Garten der Kampnagelfabrik.

Was erstaunlich ist: Trotz der Pandemie stehen in diesem Jahr neun Welturaufführungen an. Dank vieler Fördermittel, sagt Siebold, gebe es diesmal das umfangreichste Festival überhaupt. Obgleich die Sitzplatzkapazitäten nach wie vor eingeschränkt seien. 

Die Buddenbrooks und ihr Etablissement auf St. Pauli 

Das Gesamtvolumen für das künstlerische Programm beläuft sich auf 1,2 Millionen Euro. Ein Teil des Geldes fließt in die Weltpremiere von „Sex, Drugs & Budd'n'brooks“. Mit diesem immersiven Theaterstück transportieren das Karaokeparty-Urgestein Queereoké und die queere Volkstheater-Guerilla Nesterval Thomas Manns „Buddenbrooks“ in die Gegenwart. Die Nachfahren der Kaufmannsfamilie haben sich inzwischen auf St. Pauli angesiedelt. Im Vergnügungsviertel betreiben sie ein familiär geführtes Etablissement.

Auf der Suche nach Hamburgs Innenstadt der Zukunft

Per se Corona-konform ist der performative Audiowalk „Die Gespenster des Konsumismus“, zu dem das Kollektiv Ligna im leerstehenden Kaufhof-Kaufhaus in der Mönckebergstraße einlädt. Es lässt die Hamburger Stadtgeschichte Revue passieren und wirft schließlich die Frage auf: Wie soll die Innenstadt der Zukunft aussehen? Die Belgierin Miet Warlop wiederum blickt nach zwölf Jahren mit „After all Springville“ noch einmal auf ihre ikonische Arbeit „Springville“ zurück. Man darf gespannt sein, wie sie heute die tragische Geschichte einer gescheiterten Gemeinschaft erzählt.

Weitere Informationen zum Internationalen Sommerfestival unter www.kampnagel.de


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