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Oper kann auch lustig sein

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Seine kauzigen Sätze formuliert Richard Vardigans mit unbewegter Miene und Stimme. „Verliebt sein ist ein wunderbares Gefühl, das drücke ich am besten in E-Dur aus“, so verbindet er emotionale Befindlichkeiten mit kompositorischen Überlegungen. „Oper mal anders“ nennt er eine Veranstaltungsreihe, in der er erklärend und am Klavier demonstrierend bekannte Bühnenwerke näherbringt. Tschaikowskys „Nussknacker“, ausnahmsweise also ein Ballett, stand diesmal auf dem Programm.

Perfekte pianistische Darbietung ist weniger Vardigans Ziel, aber es gibt auch kein bis ins Detail durchgearbeitetes Skript. Strukturiert wird der Abend durch die Musik, zwischen den Beispielen erzählt Vardigans über die Handlung, aber auch wie nebenbei über Komponist und Werkentstehung. Zum Beispiel, dass Tschaikowsky als erster Russe die Celesta, eine Art Glockenspiel mit Klaviertasten, verwendete, „knapp vor Rimski-Korsakow“.

Wenn Richard Vardigans musikalische Elemente analysiert und ihre Funktion erklärt, wirkt das nie kompliziert, im Gegenteil. Vardigans, vor Jahren Chordirektor am Osnabrücker Theater und heute in Dresden, pflegt einen ungezwungenen Stil und ist immer nah bei seinen Zuhörern. Es ist eine unspektakuläre und deswegen sympathische Art der Präsentation, stets gewürzt mit leisem, trockenem Humor.

Wenn er vom siebenköpfigen Mausekönig aus dem Land Mausolien berichtet, hat er sich vorher informiert: „Mausolien liegt so hinter Belm.“ Zuweilen bringt der Brite kleine Spitzen gegen die deutsche oder französische Sprache, vertauscht schon mal das Wort „komponiert“ so beiläufig gegen „kompostiert“, als hätte er es selbst gar nicht bemerkt.

Sein Konzept „Oper mal anders“, kurz Oma, hat Vardigans in Dresden und Berlin zu einer erfolgreichen Reihe entwickelt. Ursprünglich als Einführung für den Opernbesuch von Touristengruppen gedacht, hat sich die Reihe längst verselbstständigt und bringt Vardigans auch monatlich nach Osnabrück. Neben der zweistündigen Abendveranstaltung hält er auch gekürzte, familienfreundliche Fassungen seines Programms bereit. Die gibt es zwar vorerst nicht mehr öffentlich, dafür will Vardigans im Januar in der Dodesheide sechs Veranstaltungen mit Grundschülern machen. Die dürfen dann verschiedene Rollen übernehmen, in Webers „Freischütz“ zum Beispiel die Wölfe in der Wolfsschlucht spielen.


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