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Superhelden der Antike? Museum zur Varusschlacht untersucht Mythos und Wirklichkeit der Gladiatoren

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Bramsche. Das Kolosseum besichtigen, ohne nach Rom zu fahren? Das Varusschlachtmuseum in Bramsche-Kalkriese bei Osnabrück gibt jetzt eine ziemlich genaue Vorstellung von diesem imposanten Bauwerk der Antike – und von den Gladiatoren-Spielen, die dem römischen Volk dort geboten wurden.

„Gladiatoren – Tod und Triumph im Colosseum“ ist der Titel einer Sonderausstellung, die am Samstag, 8. Juni, eröffnet wird. „Wir wollen die Bilder im Kopf der Menschen, die in der Regel von pompösen Hollywood-Filmen erzeugt wurden, durch realitätsnähere ersetzen“, erklärt Dr. Rossella Rea, Direktorin des Kolosseums in Rom, die die Ausstellung zusammengestellt hat. Waren die Kämpfer wirklich die „Superhelden der Antike“? Wer waren sie? Wie lebten sie? Auf solche Fragen gibt die Ausstellung Antworten. Dazu wurde sie in vier Segmente geteilt: Das erste informiert über geschichtliche Zusammenhänge. Eine animierte Schautafel zeigt die Ausdehnung des Römischen Reichs im Laufe der Jahrhunderte. So wird deutlich gemacht, dass exotische Tiere wie Löwen und Leoparden, die man im Kolosseum gegeneinander kämpfen ließ, aus den eigenen Territorien „importiert“ wurden. „Einer der Hauptgründe, warum in den römischen Arenen Kämpfe und Spiele gezeigt wurden, war das Selbstdarstellungsbedürfnis der herrschenden Klasse“, erklärt Museumsleiterin Dr. Heidrun Derks. Man habe den Bürgern zeigen wollen, wie groß und mächtig das Reich gewesen sei. „Man könnte fast von Werbeveranstaltungen für römische Politiker sprechen“, so Derks.

Der zweite Ausstellungsabschnitt informiert über den Schauplatz der Kämpfe, speziell das römische Kolosseum als größtes geschlossenes Bauwerk der Antike, das noch heute mit architektonischen Finessen überrascht. Originale Baufragmente, die noch nie außerhalb von Italien gezeigt wurden, geben einen Begriff von Bauweise und Ausmaßen des römischen Wahrzeichens.

„Es waren nicht nur Sklaven, sondern auch freie Menschen, die zum Gladiator wurden“, klärt Kuratorin Rea auf und zeigt im dritten Teil der Ausstellung, der das Leben der Berufskämpfer thematisiert, auf einen originalen Gladiatoren-Helm. Archäologen fanden ihn in Neapel unter Vulkanasche. „Es gibt weltweit nur noch zwölf echte Gladiatoren-Helme, und einen haben wir jetzt hier“, freut sich Museumsleiterin Derks. Sie hat auch die Replik eines Helms besorgt, die Ausstellungsbesucher aufsetzen dürfen. Im letzten Teil geht es um die Kämpfe, die Waffentypen, die Regularien, die Werbung und die Ausstattung der Arenen. Original-Sitzplätze mit den Namen prominenter Besucher werden unter dem Titel „Freunde, Fans und Hooligans“ präsentiert. Eine Filmproduktion der BBC demonstriert, wie sich die Kämpfe abgespielt haben könnten.

„Die Gladiatorenkämpfe entstanden aus einer römischen Tradition, bei Beerdigungen von wichtigen Bürgern Kriegsgefangene gegeneinander kämpfen zu lassen“, sagt Dr. Joseph Rottmann, Geschäftsführer der Varusschlacht. Er will mit der Ausstellung die Entwicklung dieser Tradition hin zum Riesenspektakel als Privileg des Kaisers aufzeigen. Die Ausstellung wird durch das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Stiftung der Sparkassen im Osnabrücker Land und die VGH Versicherungen gefördert.

Bramsche/Kalkriese: Varusschlacht im Osnabrücker Land, Museum und Park Kalkriese: „Gladiatoren – Tod und Triumph im Colosseum“. 8. Juni bis 13. Oktober, Mo.–So., 10 bis 18 Uhr. Info: www.kalkriese-varusschlacht.de


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