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Landschaftsverband Osnabrücker Land wird 25 – Kunstpreis geht an die Bildhauerin Susanne Tunn „Vorbildfunktion für Niedersachsen“

Freudentag für die Kultur in der Region: Landrat Manfred Hugo, Bildhauerin Susanne Tunn, Ministerin Johanna Wanka, Heimatforscher Paul-W. Wahl und Oberbürgermeister Boris Pistorius (von links) vor der Vitischanze.Foto: Thomas OsterfeldFreudentag für die Kultur in der Region: Landrat Manfred Hugo, Bildhauerin Susanne Tunn, Ministerin Johanna Wanka, Heimatforscher Paul-W. Wahl und Oberbürgermeister Boris Pistorius (von links) vor der Vitischanze.Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. „Baby, what you want me to do“: Was nach der angstvollen Frage der stets von Budgetkürzungen bedrohten Kulturszene an die Politik klingt, ist an diesem freundlichen Donnerstagmorgen in der Osnabrücker Vitischanze zum Glück nur der Titel eines Liedes, mit dem Gerd Gorke und Michael van Merwyk, ein Duo in Latzhose und Karohemd, die Gäste des Landschaftstages 2010 einstimmen. Später wird Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, noch vor der Bedrohung der Kultur durch die Rotstiftpolitik der Kommunen warnen – ohne von dem Hamburger Schließungsbeschluss zu wissen (siehe oben). Doch zumindest für diesen Vormittag in Osnabrück ist die Linie vorgezeichnet: Kultur ist unverzichtbar, in der Region erst recht.

Dazu liefert der Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. allen Anlass. Der Verband feiert mit diesem Landschaftstag seinen 25. Geburtstag. Und er vergibt Preise – den Kunstpreis an die Bildhauerin Susanne Tunn (Alfhausen) und die Auszeichnung an den Heimatforscher Paul-W. Wahl (Schledehausen). „Dieser Landschaftsverband hat eine Vorbildfunktion für Niedersachsen“, macht Prof. Dr. Johanna Wanka, Niedersachsens Ministerin für Wissenschaft und Kultur, der Organisation ein großes Kompliment.

Die Fakten lesen sich entsprechend eindrucksvoll. Seit 1985 hat der Landschaftsverband drei Millionen Euro an Fördermitteln vergeben, dabei mehr als 1400 Projekte gefördert. Hinzu kommen 60 Eigenprojekte, darunter zuletzt die ambitionierte Skulpturenschau „Colossal“. Besonders wichtig: Förderungen des Landschaftsverbandes motivierten in der Regel weitere Geldgeber dazu, sich ihrerseits an den geförderten Kulturprojekten zu beteiligen. Auf jeden vom Landschaftsverband bewilligten Euro kamen oft noch einmal drei bis vier von Sponsoren oder Stiftungen hinzu. Seit 1993 vergibt der Verband zudem Kultur- und Kunstpreise – mit bezeichnender Bandbreite. Die Liste der Ausgezeichneten reicht von Rockmusiker Heinz Rudolf Kunze bis zur lokalen „Fledermausschutztruppe“.

Die Arbeit von Landschaftsverbänden ist in einem Flächenland wie Niedersachsen unverzichtbar, sagt Ministerin Wanka. Kultur bestehe nicht allein aus „Leuchttürmen“, sondern auch aus Projekten in der Region. Als Klammer zwischen Stadt und Landkreis vermittelt der Verband, nach Wankas Worten, „ein Stück Heimatgefühl“. Olaf Zimmermann unterstützt als Festredner diese Sicht der kulturellen Dinge. Kultur in der Provinz biete eine „einmalige Vielfalt“. Zimmermann: „Die Provinz lebt.“ In der regionalen Kulturarbeit geht es für den Berliner Verbandsfunktionär darum, „Bewusstsein für Heimat zu schaffen, ohne heimattümelnd zu sein“. Also alles in Ordnung? Für Zimmermann natürlich nicht: „Wir stehen erst am Anfang massiver Einsparungen.“

Wie sehr Kunst und Kultur in der Osnabrücker Region leben, stellen hingegen die Preisträger unter Beweis. Roland Nachtigäller, Leiter des Herforder Museums Marta und Laudator für Susanne Tunn, bescheinigt der Künstlerin eine herausragende Leistung, erinnert an ihr Skulpturenprojekt „Fünf Tische“, ihre Beiträge für „Colossal“ oder die Gestaltung der Kapelle des Mindener Klinikums. „Susanne Tunn eröffnet magische Momente der Erfahrung“, sagt Nachtigäller. Für Susanne Tunn gibt es den Preis – auf die überfällige Retrospektive oder öffentliche Aufträge, mit der die Region ihr Interesse an dieser wichtigen Bildhauerin belegen könnte, warten Künstlerin und die kulturelle Öffentlichkeit allerdings weiterhin vergeblich.

Die Identifikation mit lokaler Kulturidentität beschwört Jürgen Eberhard Niewedde, Vorsitzender des Heimatbundes Osnabrücker Land, der das Engagement von Paul-W. Wahl hervorhebt. Wahl arbeitet die Geschichte Schledehausens auf, veranstaltet Workshops und Führungen. Das Blues-Duo liefert den sprechenden Schluss. „You Can’t Judge a Book by its Cover“, lautet sein letzter Song. Wie wahr.


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