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Kunst auf geometrischer Basis

Sieht aus wie Granit, ist aber aus Papier: Regine Bonke und ihre Stelen. Foto: MartensSieht aus wie Granit, ist aber aus Papier: Regine Bonke und ihre Stelen. Foto: Martens

Richard Paul Lohse gilt als einer der wichtigsten Vertreter der konkreten Kunst. Jetzt sind erstmals Werke des Schweizer Künstlers in Osnabrück zu sehen – an zwei Orten: In der Galerie Vordemberge-Gildewart und im Kunstquartier des BBK. Während die Galerie ausschließlich die nach strengen mathematischen Regeln konstruierten Bilder des 1988 verstorbenen Lohse zeigt, treffen die Siebdrucke des Konstruktivisten im Kunstquartier auf die Skulpturen von Regine Bonke. So folgt der BBK der Tradition, im Kunst-Quartier zwei Künstler in einen Dialog treten zu lassen. Zum gemeinsamen Jubiläum – die Vordemberge-Gildewart Initiative und das Kunstquartier werden fünf Jahre alt – wurde die Doppelausstellung in Angriff genommen.

„konstruktiv – konkret, zwei Generationen“ lautet der Titel des Projekts, denn beide Künstler beschäftigen sich mit der Kunst, die auf mathematisch-geometrischen Grundlagen beruht. Doch während Lohse seine Quadrate und Rechtecke auf möglichst glatte Untergründe malt oder druckt (zum Beispiel Kunststoff), um die reine Form nicht zu zerstören und seine komplizierten Farbsysteme nicht ihrer intensiven Wirkung zu berauben, wählt Bonke für ihre Plastiken bewusst einen Werkstoff, dem die exakte Linearität eher fremd ist: handgeschöpftes Papier. „Viele verbinden Papier mit esoterischem Gemansche“, sagt die aus Ratzeburg stammende Künstlerin mit einem Lachen. Das sei nicht ihr Ding. Tatsächlich erinnern ihre grauen Winkel und Stelen an Granit oder ähnlich massives Gestein. Doch um dem geometrischen Gefüge einen Gegenpol zu verpassen, baut sie ihre Elemente aus Holz, auf das sie das frisch geschöpfte Papier appliziert. Zur Trocknung legt sie ein Sieb auf die Masse, die dem Material im fertigen Zustand eine rasterartige Netzstruktur verleiht.

Regine Bonke liebt den Kontrast. Daher wählte sie auch ausschließlich grau gefärbte Objekte, die einen Kontrapunkt zu den vibrierend-leuchtenden Farbkonstrukten Lohses schaffen. Obwohl sie beispielsweise auch mit Ultramarin arbeitet, wie ein einzelnes Wandobjekt beweist. Mit großen Winkeln bricht sie die Architektur des Raums auf oder raubt einem Pfeiler im Raum mithilfe zweier kleiner Winkel unter der Decke die funktionale Stringenz. In einem weiteren Objekt kombiniert sie ihre Papieroberflächen mit schwarzem Hartgummi und Plexiglas zu Kuben, die miteinander in einen Dialog treten.

Wer sich mit den mathematischen Berechnungen Lohses beschäftigen will, die seinem Konstruktivismus zugrunde liegen, der kann sich in die Tabellen und theoretischen Systeme vertiefen, die ebenfalls im Kunstquartier ausgestellt sind.


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