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Hier tanzt sogar Mister Bean „La Mer“: Chansonier Charles Trenet vor 100 Jahren geboren

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<em>Die zwei haben den Bogen raus:</em> Charles Trenet (links) und Salvador Dalí 1975 in Paris. Foto: imagoDie zwei haben den Bogen raus: Charles Trenet (links) und Salvador Dalí 1975 in Paris. Foto: imago

Paris. Quand notre cœur fait boum, wenn unser Herz Bumm macht: Gleich mit seiner ersten Chanson-Legende trifft Charles Trenet jenen Ton melancholisch abgedunkelter Glückseligkeit, mit dem er zuerst ganz Frankreich und dann die Welt verzaubert.

Der gerade 25 Jahre alte Sänger aus dem südfranzösischen Narbonne tänzelt, taumelt und turtelt 1938 so elegant durch sein Liebeslied „Boum“, dass sofort klar ist: Hier hat einer die große Bühne der Unterhaltungskunst im Sprung erobert.

Der Mann aus der Provinz habe Paris Lektionen in Sachen des Glücks geschenkt: So urteilt später die Schriftstellerin Colette über den Sänger, der das französische Chanson des 20. Jahrhunderts so tief prägt wie wenige andere. Sicher, Edith Piaf sang von härteren Schicksalsschlägen, Georges Brassens formulierte bissigere Zeitkritik, Maurice Chevalier mag weltläufiger gewesen sein – aber Charles Trenet avancierte zur Stimme französischen Lebensgefühls.

„Que reste-t-il de nos amours?“ („Was bleibt von unseren Liebschaften?“), fragte Trenet 1943 nachdenklich mitten in der Zeit des von Nazi-Deutschland besetzten Heimatlandes, um 1947, kurz nach der Befreiung, „Douce France“ („Süßes Frankreich“) zu beschwören. Auch wenn Trenet zu den deutschen Besatzern nicht immer den vollen Abstand hielt – mit ihm verbindet sich die ungetrübte Erinnerung an die „trentes glorieuses“, an die 30 Jahre unbeschwerten Wohlstandes, die mit dem Kriegsende für Frankreich begannen.

Sage Lebensweisheiten mit leichtem Ton: Dieser Maxime des Chansons entsprach Trenet vor allem mit „La Mer“ (1946) , einem Chanson so schwebend leicht wie die Reflexe des Sonnenlichts auf dem Mittelmeer, so rührselig wie eine Urlaubserinnerung. So wie „Boum“ ging auch „La Mer“ den Leuten nicht mehr aus dem Kopf. „Tim und Struppi“-Erfinder Hergé nutzte das witzig variierte „Boum“ als Einstieg in sein Album „Tim im Reich des schwarzen Goldes“, Mister Bean tanzt zu „La Mer“ am Ende seines Films „Mr. Bean macht Ferien“ . „La Mer“ untermalte selbst Episoden von TV-Krimis wie „Derrick“ und „Ein starkes Team“.

2001 starb Trenet in Créteil, seine Lieder glitzern wie das Meer einfach immer weiter. Trenets Geburtstag jährt sich just zum Finale des Eurovision Song Contest am Samstag, 18. Mai, zum hundertsten Mal. Welch seltsame Ironie. Jetzt hören wir Natalie Horler statt Trenet, „Glorious“ statt „Boum“. So unbarmherzig ändern sich die Zeiten.


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