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Heine in der Walhalla – ausgerechnet

Von dpa

dpa Düsseldorf. Für die Walhalla hatte Heinrich Heine zu Lebzeiten nur Spott übrig. Mehr als 150 Jahre nach seinem Tod wird er nun selbst als Marmor-Büste in der bayerischen Ruhmeshalle hoch über der Donau verewigt. „Heine würde sicherlich schmunzeln“, meinte der Vorsitzende des Heine-Freundeskreises, Karl-Heinz Theisen. Immerhin hatte der Düsseldorfer Dichter die Walhalla als „marmorne Schädelstätte“ verspottet, in der König Ludwig I. jeden Kopf „von Teut bis Schinderhannes“ zur Schau stelle.

Nach zehnjährigem Bemühen haben die Freunde in Heines Geburtsstadt ihr Ziel erreicht: Am Mittwoch wird in der Walhalla bei Regensburg eine 75 Zentimeter hohe Heine-Büste aus weißem Marmor enthüllt. Am Donnerstag wurde der Kopf nach Donaustauf transportiert. Mit seiner Freude an Polemik hätte der Schöpfer des Loreley-Liedes und der „Nachtgedanken“ wohl auch Genuss an seinem Abbild gehabt.

Denn nicht etwa eine stilisierte Büste des Dichters wird als 130. Schädel in die Ruhmeshalle einziehen. Der Bildhauer Gert Gerresheim, der nach dem Tod seines Freundes Jörg Immendorff mit der Fertigstellung des Kunstwerks beauftragt wurde, hat Heine als alten Mann mit wallendem Haar und Vollbart modelliert. „Alle Büsten in der Walhalla sind geschönte Büsten, dieser Heine ist ganz anders“, sagte Theisen. Vor den Augen der misstrauischen Bayern, die eine „subversive Art des Störens“ für die ehrwürdige Walhalla befürchtet hätten, fand der ungewöhnliche Kopf erst Gnade, nachdem Gerresheim einen Riss noch ein wenig kaschiert hatte. „Nicht nur den letzten Passionsschrei von der Matratzengruft, sondern auch das Selbstdarstellungsgeplänkel, das durch das Werk des Dichters geht“, habe er darstellen wollen, sagte Gerresheim.„Heine ist gleichsam ein Plural, man müsste zehn Büsten in die Walhalla bringen, um Heine gerecht zu werden.“ Bis auf die Abgesandten des bayerischen Kunstministeriums hat noch niemand Heines Büste zu Gesicht bekommen. Der Freundeskreis präsentierte gestern nur eine Schwarz-Weiß-Kopie. Das Geheimnis wird erst kommende Woche beim Festakt gelüftet.

Heines Reise in die Walhalla verlief nicht ohne Streit in seiner Heimatstadt. Nach den Walhalla-Regeln muss derjenige, der eine Person vorschlägt, auch die Kosten übernehmen. Die Düsseldorfer Ratsfraktionen sprachen sich dezidiert gegen eine Beteiligung an den Kosten in Höhe von 75000 Euro für Büste, Transport und Aufstellung aus. Der Freundeskreis finanzierte privat. Die Lokalpolitiker wurden kurzerhand von der Einladungsliste für den Festakt gestrichen.Dennoch machen sich rund 100 Freunde Heines auf den Weg nach Bayern. Beim Festakt werden Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, Dieter Borchmeyer, sprechen. Borchmeyer hatte ganz besonders für Heine geworben. Für den Freundeskreis ist der Einzug der Büste des Dichters jüdischer Herkunft in die Walhalla vor allem ein Signal gegen Antisemitismus und für mehr Toleranz. Dass Heine die Bayern mit Spott überzogen hatte, spielte für sie keine Rolle. „Die Bayern bekommen einen Heine, wie er war“, sagte Theisen.


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