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Mozart und die Zahl drei

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Die Freimaurer gehen an die Öffentlichkeit - und in Osnabrück tun sie das sehr publikumswirksam. Dabei kommt ihnen eine Koinzidenz der Opern- wie der Freimaurergeschichte zu Gute: Mit der "Zauberflöte" hat der Freimaurer Wolfgang Amadeus Mozart nicht nur manches aus den Herzen der Logen nach außen gekehrt, sondern gleichzeitig die meistgespielte Oper überhaupt geschrieben. Entsprechend voll war das Theater am Domhof beim Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 200-jährigen Bestehen der Osnabrücker Loge "Zum goldenen Rade".

Die halb szenische Aufführung stellte den maurerischen Aspekt ins Zentrum: Der Wegdes Prinzen Tamino zu Erkenntnis und Weisheit, den Idealen der Freimaurer mithin, war Thema des Abends. Dabei wusste Erich Waglechner, Altstuhlmeister der Osnabrücker Loge und ehemaliger Kapellmeister der Städtischen Bühnen, viel Wissenwerstes sowohl über Musik als auch Freimaurerei zu berichten. Und wie das so ist, wenn das Herz von Begeisterung voll ist, verlor sich Waglechner fast in seiner Einführungsrede. Er erzählte über die Blüte der Freimaurerei im Wien der Jahre vor der französischen Revolution und über den Niedergang wenige Jahre danach und kam von da auf Symbolik in der Zauberflöte: auf die Rolle der bedeutenden Zahl drei etwa. Drei Priester führte der Programmzettel zur Uraufführung 1791 auf, zudem drei Damen und drei Knaben, macht drei mal drei. Dann kam er auf die Musik selbst zu sprechen: Auf die drei mal drei Akkorde in der Ouvertüre und die drei B-Vorzeichen, schweifte ab zu den drei Kreuzvorzeichen der Klarinettenwerke, die Mozart für seinen Freimaurer- und Musikerfreund Stadler komponierte, ging auf Feuer- und Wasserprobe ein - bis Matthias Köhn, kaufmännischer Direktor des Theater, Waglechner sanft und charmant von der Bühne bat. Dabei hätte man noch stundenlang zuhören können.

Doch dafür gab es ja die großartige Musik Mozarts. Generalmusikdirektor Bäumer trieb das Osnabrücker Symphonieorchester durch die Ouvertüre, wobei es zwar mitunter klackerte, aber Bäumers Vorstellung von pulsierender Musik deutlich wurde. Von da ging es in Sieben-Meilen-Stiefeln durch die Geschichte; die drei Damen (Sylvia Bleimund, Kristine Larissa Funkhauser und Eva Schneidereit) durften den Prinzen Tamino (Kolja Hosemann) retten, Frank Färber sang als Sarastro von Humanität und Weisheit, und Iris Marie Kotzian gab als achtbare Königin der Nacht das dunkle Gegenbild zur Welt der Priester ab. Mozart aber gab Tamino eine starke Frau an die Seite: die betörende Pamina Natalia Atamanchuks. Sie führt Tamino durch Feuer- und Wasserprobe, und vieles spricht dafür, dass sie auch später die dominierende Person sein würde. Doch das ist eine andere Geschichte.


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