Flaschendrehen mit Handys Neu im Kino: Gibt es "Das perfekte Geheimnis"?

Erleben einen Abend mit Würze (von links): Frederick Lau als Simon, Jessica Schwarz als Eva, Florian David Fitz als Pepe, Karoline Herfurth als Carlotta, Wotan Wilke Möhring als Rocco, Elyas M'Barek als Leo und Jella Haase als Bianca. Foto: dpa/Mathias Bothor/Constantin Film VerleihErleben einen Abend mit Würze (von links): Frederick Lau als Simon, Jessica Schwarz als Eva, Florian David Fitz als Pepe, Karoline Herfurth als Carlotta, Wotan Wilke Möhring als Rocco, Elyas M'Barek als Leo und Jella Haase als Bianca. Foto: dpa/Mathias Bothor/Constantin Film Verleih

Osnabrück. Die Boulevardkomödie "Das perfekte Geheimnis" bietet pointierte Bosheiten und bittere Wahrheiten.

Es ist doch nur ein Spiel. Eine Schnapsidee. Aber zweifelsohne eine mit Konsequenzen. Der Chirug und Hobbykoch Rocco (Wotan Wilke Möhring) und seine Frau Eva (Jessica Schwarz), eine Psychiaterin, haben Gäste in ihrer Münchener Luxuswohnung zum Dinner eingeladen. Darunter sind der Taxifahrer Simon (Frederick Lau) mit seiner naiven Freundin, der Esoterikerin  Bianca (Jella Haase), sowie der Bauzeichner Leo (Elyas M‘Barek) und seine Frau, die Hardcore-Emanze und Karrieristin Carlotta (Karoline Herfurth). Ebenfalls eingeladen ist der Gymnasiallehrer Pepe (Florian David Fitz). Er kommt alleine – ohne seine angekündigte, neue Freundin. Sehr zur Verblüffung der anderen. Die fragen sich indes: Gibt es die ominöse Frau tatsächlich?

Um dem Abend die Würze zu geben, die dem Essen definitiv fehlt, wird ein Spiel vereinbart: Alle Anwesenden müssen ihre Handys auf den Tisch legen, und die Nachrichten, die sie empfangen, allen mitteilen. Egal ob es sich um eine SMS, Fotos, WhatsApp-Nachrichten  oder Sprachbotschaften handelt – alles wird öffentlich. Das bleibt nicht ohne Konsequenzen: Lebensentwürfe über Bord geworfen, Freundschaften auf den Prüfstand gestellt. 

Es erinnert ein wenig an das „Wahrheit oder Pflicht“-Spiel oder das „Flaschendrehen“ früherer Tage – hier nur eben ins Jetzt versetzt. Und auch filmisch ist die Idee nicht neu. Denn das „Das perfekte Geheimnis“ ist das bereits 18. (!) Remake von „Perfetti sconosciuti“ (übersetzt; "Perfekte Unbekannte")  von Paolo Genovese, einem Kinohit in seinem Ursprungsland Italien. Seitdem entstanden weltweit neue Versionen - unter anderen in Mexiko, Polen, China oder Russland. Ein Eintrag ins „Guiness-Buch der Rekorde“ war dem Film damit sicher. Tatsächlich Eine solche Vermarktung eines Stoffes dürfte wohl einzigartig sein. Aber wohl auch sehr lukrativ..

Nun ist also Deutschland dran. Regisseur und Autor Bora Dagtekin (verantwortlich für „Türkisch für Anfänger“,und die „Fack Ju Göhte“-Reihe), konnte bei diesen Boulevardkomödien-Kammerspiel getrost auf Autopilot schalten. Und das gelang ihm ganz gut. Dank seines von ihm selbst adaptierten Drehbuchs, das es nicht nur versteht,deutsche Eigenarten einzubinden, sondern dabei auch die Balance zwischen Komik und Tragik zu halten. Einem Moment, das auch schon die anderen Versionen zum Erfolg führte.Und dank seines beeindruckenden Starensembles, dem sich selbst unsichtbar als Stimmen noch Stars wie Katja Riemann, Alexandra Maria Lara, Anna Mühe oder Julia Koschitz gesellen.

Das Smartphone mit all seinen Passwörtern, Apps, aber auch den anvertrauten Geheimnissen, erscheint hier tatsächlich, wie es einmal genannt wird, als „Flugschreiber unseres Lebens“. Einer Reise durch unruhige Wetter allerdings.

Das größte Manko des Films  ist leider sein allzu harmoniesüchtiges Ende, das der deutschen Fassung wohl nachträglich hinzugefügt wurde. Bis dahin bietet der Film jedoch durchaus amüsante, wenn auch nicht allzu anspruchsvolle Unterhaltung. Nicht mehr - aber auch nicht weniger.

„Das perfekte Geheimnis“ (D 2019). R.: Bora Dagtekin. D.: Elyas M‘Barak, Florian David Fitz, Frederick Lau, Jella Haase, Wotan Wilke Möhring, Karoline Herfuhrt, Jessica Schwarz. 111 Minuten. FSK: ab 12 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN