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Bildband Ganz privat: „The Polaroid Diaries“ von Linda McCartney

Von dpa


Berlin. Wie ging es eigentlich früher so bei den McCartneys zu? Zahlreiche Polaroids von Linda McCartney ergeben das Bild einer außergewöhnlich normalen Familie.

Jimi Hendrix, Bob Dylan oder Janis Joplin - sie alle standen vor der Kamera von Linda McCartney, die eine der ganz großen Rock-Fotografinnen geworden ist. Aber es muss nicht immer der große Glamour sein. Das Fotobuch „The Polaroid Diaries“ (Taschen) taucht tief ein in die ganz private Welt der McCartney-Familie.

Paul McCartney, der von 1969 bis zu Lindas Tod im Jahr 1998 mit ihr verheiratet war, war sichtlich stolz und gerührt, als er den Bildband „The Polaroid Diaries“ Mitte September im Victoria and Albert Museum in London präsentierte. Zu den illustren Gästen gehörten auch Ringo Starr, Stella McCartney, Olivia Harrison und Pretenders-Frontfrau Chrissie Hynde.

Nach dem Launch Event schrieb McCartney bei Instagram: „#ThePolaroidDiaries ist ein flüchtiger Blick in das Leben einer außergewöhnlichen Familie aus der Zeit vor Instagram, eine Feier zum Vermächtnis von LindaMcCartney als engagierter Künstlerin und der Sofortmagie des Polaroidfilms.“

Bei Linda McCartney, die Kunstgeschichte an der Universität von Aizona studiert hatte, bis sie zur Fotografie fand, war die Kamera immer dabei. Tausende Polaroids hat sie gemacht, einige hundert davon werden jetzt in „The Polaroid Diaries“ erstmalig veröffentlicht.

Es sind Porträts, Stillleben, Landschaften, mehrere Hamster, ein Schaf in der Küche und andere Interieurs aus den frühen 70er Jahren bis in die späten 90er Jahre. „Sie wollte echte Momente“, schreibt der Kunstkritiker Ekow Eshun in seinem Vorwort. Und natürlich steht immer wieder einer im Mittelpunkt: Ihr Mann Paul - wie man ihn vielleicht noch nie gesehen hat.

Da tanzt er mit seiner Tochter Mary auf den Schultern, telefoniert im Bademantel mit einer Tüte auf dem Kopf oder trägt unförmige Moonboots. Sicher, die McCartneys waren eine außergewöhnliche Familie, die aber jenseits des Scheinwerferlichtes auf ihrer Farm in Südengland oder in Schottland auch ein ganz normales Leben führte. So sagte Mary McCartney laut BBC, dass sie als Baby in einem Bett geschlafen hätte, das ihr Vater aus alten Kartoffelschachteln gebastelt hatte. Und aufgeräumt ist es bei den McCartneys auch nicht immer gewesen.

Wie kaum ein anderes Medium fängt die Poloraid-Kamera den unmittelbaren Moment ein. Die Aufnahmen von Linda McCartney sind sicherlich ein Art Familien-Tagebuch, aber sie sind sehr viel mehr als reine Schnappschüsse.

Es geht um den entscheiden Klick: Du musst erkennen, wenn vor dir ein tolles Foto passiert. Und dann musst du es im exakt richtigen Moment knipsen“, sagte Paul McCartney. „Knipst man zwei Sekunden später oder zwei Sekunden früher, kann es ein völlig anderes Foto sein.“ Und Linda hätte die Gabe gehabt, immer genau den richtigen Moment einzufangen. „Sie wusste einfach, dass sie es hat“, sagte Paul in dem Eshun-Essay.

Da stimmt das Licht, die Komposition, der Bildausschnitt und die Farben, was „The Polaroid Diaries“ nicht nur zu einem unterhaltsamen Bilderbuch für Beatles-Fans macht, sondern neben allem Anekdotischen auch ein großes ästhetisches Vergnügen ist, wo Landschaften auch schon mal wie abstrakte Gemälde wirken. Die perfekte Ergänzung zu dem gerade neu aufgelegten Beatles-Album „Abbey Road“, das vor genau 50 Jahren erschienen ist.

Linda McCartney, The Polaroid Diaries, von Ekow Eshun (Autor) und Reuel Golden (Herausgeber), Taschen, Hardcover, 232 Seiten, 40 Euro


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