Kino zum Einheitstag „Deutschstunde“: Was man über den Film wissen muss

Deutschstunde im Kino: Max Ludwig Nansen (Tobias Moretti) und Siggi Jepsen (Levi Eisenblätter). Foto: Georges Pauly/ZDF/SenatorDeutschstunde im Kino: Max Ludwig Nansen (Tobias Moretti) und Siggi Jepsen (Levi Eisenblätter). Foto: Georges Pauly/ZDF/Senator
Georges Pauly/ZDF/Senator

Berlin. Kino zum Tag der deutschen Einheit: Siegfried Lenz' Roman „Deutschstunde“ kommt auf die große Leinwand. Fakten zum Film.

Zum Tag der Deutschen Einheit kommt ein Film ins Kino, der die Geschichtspädagogik schon im Titel trägt: „Deutschstunde“. Was muss man zur Verfilmung des gleichnamigen Siegfried-Lenz-Romans wissen?

Worum geht's in  „Deutschstunde“?

Siggi Jepsen, Insasse eines Jugendgefängnisses, soll einen Aufsatz über „Die Freuden der Pflicht“ schreiben. Am Ende füllt er einen ganzen Stoß von Heften, die das Drama seiner Jugend erzählen. Aufgewachsen zur NS-Zeit in der norddeutschen Provinz, gerät Siggi als Kind in einen existenziellen Loyalitätskonflikt. Sein geliebter Patenonkel ist der von den den Nazis verfemte Maler Max Nansen; sein Vater der Dorfpolizist, dem die Überwachung von Nansens Malverbot obliegt. Siggi ist zwischen zwei Vaterfiguren hin- und hergerissen, die für ganz unterschiedliche Auffassungen von Pflicht stehen: Hier der blinde Gehorsam des Polizisten, der Hitlers Terrorgesetze auch dann noch durchsetzt, wenn sie das Leben seiner eigenen Familie bedrohen. Dort der freigeistige Künstler, dessen individueller Verantwortungsbegriff sich aus humanistischen Traditionen speist.

Wer spielt mit?

Der Bestseller des Jahres 1968 wurde Anfang der 70er schon einmal als TV-Zweiteiler adaptiert. Ein halbes Jahrhundert nach seinem Erscheinen kommt der Romanstoff nun auch auf die Leinwand. Ulrich Noethen spielt den Vater, Tobias Moretti den Maler. Siggi wird als Kind von Levi Eisenblätter verkörpert, als junger Erwachsener von Tom Gronau. Regie führt Christian Schwochow, der zuletzt die Serie „Bad Banks“ inszenierte, mit „Der Turm“ aber auch schon einen historischen Roman verfilmt hat.

Lenz und Nolde: Der Kontext

Vorbild für Lenz’ Geschichte war das Leben des Expressionisten Emil Nolde, von den Nazis verfemt und 1941 aus der Reichskunstkammer ausgeschlossen. Verkaufen durfte er seine Werke danach nicht mehr. Ein Malverbot, von dem der Roman handelt, hat es für Nolde allerdings nie gegeben. Tatsächlich ist seine Rolle im Nationalsozialismus auch erheblich vieldeutiger als die der fiktionalen Malerfigur: Nolde, schon 1934 als überzeugter Nazi und Antisemit der Partei beigetreten, hat jüdische oder vermeintlich jüdische Konkurrenten denunziert und gehörte auch nach der Diffamierung in der Ausstellung „Entartete Kunst“ zu den bestverdienenden Künstlern des Landes. Noldes komplexe Verstrickung wurde gerade noch einmal medial diskutiert, als Angela Merkel zwei seiner Werke aus ihrem Arbeitszimmer verbannt hat.

„Deutschstunde“. D 2018. R: Christian Schwochow . D: Ulrich Noethen, Tobias Moretti. 125 Minuten. FSK ab 12 Jahren. Der Film startet am 3. Oktober.

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