4. Osnabrücker Hate Slam am 12. November "Das grenzt an Körperverletzung!" Redakteure lesen Hasspost vor

Es ist deftig, was manche Leser Journalisten schreiben, aber oft auch lustig – das zeigt diese Szene aus dem Publikum bei einem der vergangenen Hate Slams der NOZ. Foto: David EbenerEs ist deftig, was manche Leser Journalisten schreiben, aber oft auch lustig – das zeigt diese Szene aus dem Publikum bei einem der vergangenen Hate Slams der NOZ. Foto: David Ebener
David Ebener

Osnabrück. "Sie asozialer Journalistenpraktikant!" – "Boulevard-Müll!" – "Haben Ihre Redakteure was geraucht?" Das sind Beispiele aus bösen Zuschriften, die Redakteure der NOZ erhalten haben. Eine Veröffentlichung als Leserbrief verbietet der Anstand, vorlesen kann man die Hasspost aber sehr wohl – und deshalb gibt es am 12. November den 4. Osnabrücker Hate Slam.

„Wer die Hitze nicht verträgt, hat in der Küche nichts verloren, heißt es. Und wer Kritik nicht verträgt, der ist in einer Redaktion falsch“, sagt NOZ-Chefredakteur Ralf Geisenhanslüke. „Aber alles hat seine Grenzen“ – und deshalb, erklärt er, hat die Redaktion der NOZ und ihrer Regionalausgaben vor nunmehr vier Jahren beschlossen, hasserfüllte und beleidigende Leserbriefe öffentlich bei einem Hate Slam vorzutragen. Sieben Veranstaltungen hat es seitdem gegeben, in Osnabrück ebenso wie in Lingen, Delmenhorst und Meppen. (Weiterlesen: Wer hasst, hat mehr von seiner Zeitung) Der vierte Osnabrücker Hate Slam findet nun am Dienstag, 12. November, in der Lagerhalle statt; Karten gibt es ab sofort im Vorverkauf.

Tickets für den 4. Osnabrücker Hate Slam

Der 4. Osnabrücker Hate Slam am Dienstag, 12. November, in der Lagerhalle beginnt um 19.30 Uhr, Einlass ist ab 19 Uhr. Karten für 10 Euro (Ermäßigung mit OS-Card und für Studenten) gibt es ab sofort in allen NOZ-Geschäftsstellen, in der Lagerhalle und online unter deinticket.de (zzgl. Online-VVK-Gebühr).

Die Themen, die Online- und Print-Leser dazu bringen, heftige Kritik an der Arbeit der Journalisten zu üben, sind vielfältig. Dem einen stößt der Kommentar zum Klimawandel sauer auf, der andere schimpft über die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, ein Dritter ärgert sich über eine wohlwollende „Tatort“-Kritik. Was den Briefen, die beim Hate Slam von sechs Redakteuren vorgelesen werden, gemein ist: Sie schießen im Ton weit über das Ziel hinaus, ihre Verfasser beleidigen und verunglimpfen, manche drohen sogar unverhohlen mit Gewalt. (Video: 3. Osnabrücker Hate Slam)

Beklemmend, aber auch absurd und komisch

Für das Publikum beim Hate Slam ist es einerseits beklemmend, dies laut zu hören, andererseits aber wegen der Absurdität oft ebenso komisch. Das zeigen die Reaktionen der Zuschauer, die bei den vergangenen Veranstaltungen gesammelt wurden:

„Sehr witzig, teilweise aber auch hart an der Grenze, was die Leute so schreiben.“

Beim Hate Slam rücken die Leser in den Mittelpunkt, die Absender der Hasspost und bösartigen Online- und Facebook-Kommentare werden jedoch anonymisiert. „Es geht uns nicht darum, sie bloßzustellen oder lächerlich zu machen“, betont Chefredakteur Geisenhanslüke. Der Hate Slam ist eine humorvolle Art der Auseinandersetzung – und so wird es auch vom Publikum gesehen:  

„Ich finde es schön, dass die Hasskommentatoren gewertschätzt werden. Dass die Mühe gewürdigt wird, die sie sich gemacht haben, teilweise sehr lange Posts oder Leserbriefe zu schreiben.“

Viel zu lachen bietet zudem der Programmteil, in dem sich die Redaktion selbst auf die Schippe nimmt. Denn auch wer sich beruflich mit Sprache beschäftigt, ist nicht davor gefeit, manchmal daneben zu liegen – die Stilblüten, die auf der Website oder in der gedruckten Zeitung zu finden sind, sind dafür der beste und witzigste Beweis.  

Redakteure holen sich musikalischen Gast auf die Bühne

Für gute Unterhaltung sorgt auch stets der Gast, der beim Hate Slam mit den Redakteuren auf der Bühne steht; namhafte Poetry Slammer wie Volker Strübing und Micha Ebeling waren schon dabei. Ein bisschen anders wird es am 12. November in Osnabrück: Der diesjährige Überraschungsgast, so viel kann schon verraten werden, hat eine Gitarre dabei.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN