Serien-Hit als Kinofilm Downton Abbey: Noch einmal, weil’s so schön war

Wieder in Downton Abbey: Jim Carter als Carson. Foto: Jaap Buitendijk / Focus FeaturesWieder in Downton Abbey: Jim Carter als Carson. Foto: Jaap Buitendijk / Focus Features 

Berlin. Vier Jahre nach dem Aus kommt „Downton Abbey“ ins Kino. Der Film wirkt wie das Konzentrat einer nie gedrehten Staffel 7.

Im Dezember 2015 endete die sechste und letzte Staffel von „Downton Abbey“. Jetzt kommt der Kinofilm; und man übersteht ihn nur dann unbeschadet, wenn man die Figuren mindestens so intensiv vermisst hat wie der Serienschöpfer Julian Fellowes.  


Der nämlich serviert nach vierjähriger Abstinenz eine Überdosis von allem, was den Kosmos des Erfolgsformats auszeichnet: die brillanten Wortgefechte der alten Damen Crawley und Grey und die stille Güte der Kammerzofe Anna. Der praktische Witz der Köchin und die scheuen Flirts ihres Küchenmädchens. Die Triumphe der Herzensbildung über die steife Sitte. Und die beruhigende Wirkung einer Welt, in der jeder seinen Platz hat.

Die alte Garde kehrt zurück

Alles ist wieder da. Sogar die Diener Carson und Molesley kehren noch einmal zurück nach Downton Abbey. Und das, obwohl wir uns im Jahr 1927 befinden, im Anschluss an die 6. Staffel also, in der Carson pensioniert wurde und Molesley eine Stelle als Lehrer angetreten hatte. Der Wunsch, die Stammbesetzung noch einmal beisammen zu sehen, schlägt die Handlungslogik.

In seiner ersten Sequenz durchmisst der Film noch einmal elegant den Ort der Handlung – und begleitet einen Brief über den Dienstboteneingang bis in die inneren Gemächer der Herrschaft. Er kündigt nicht weniger an als den Besuch des Königs auf Downton Abbey. Die Geschichte vom Untergang einer Lebensform erlebt damit noch einmal einen späten Höhepunkt: Während die ständische Gesellschaft der Moderne Platz macht, strahlt der Glanz der Aristokratie noch einmal besonders hell. Kein Wunder, dass die alte Garde noch einmal dabei sein will.

Palastrevolte im Puppenstubenformat

Das Zentrum der Handlung bildet eine Palastrevolte, wenn auch im Puppenstubenformat: Die Dienerschaft des Königs macht schon vor dem Besuch durch Sendboten deutlich, dass sie die Königsfamilie bedienen wird. Eine Entmachtung, gegen die das Hauspersonal von Downton Abbey opponiert, mit Mutterwitz und Chuzpe – und mit der Sympathie des Films, der sich unmissverständlich auf die Seite der geliebten Helden schlägt. Um den humoristischen Plot herum entwickelt „Downton Abbey“ eine Fülle an Nebenerzählungen: Es gibt Erbschaftsstreitigkeiten und uneheliche Kinder, Attentatsversuche und Eifersuchtspossen, es geht um den Irland-Konflikt und den zwischen Republikanern und Royalisten, um sexuelle Selbstbestimmung und den Wunsch einer Mutter, ihren Mann bei der Entbindung bei sich zu wissen. Am Ende löst eine Ballsequenz sämtliche Konflikte im Walzertakt.

Der Serienerfinder Julian Fellowes, der wieder als Produzent und Autor im Dienst ist, lässt keinen Zweifel, dass er immer noch Ideen hat. In zwei Stunden holt er nun alles nach. Der Erzählfluss der Serie lässt sich bei all dem Stoff allerdings kaum durchhalten. Vom existenziellen Drama bis zur Schmonzette bekommt jeder Einfall nur ein paar Minuten, dann tritt schon wieder der nächste Held ins Bild. Ein bisschen wirkt „Downton Abbey“ damit wie die Reader's-Digest-Version einer nie realisierten Stafel 7.

Was bei all der Wiedersehensfreude eher untergeht, sind die Brüche der Geschichte: Downton Abbey ist zum Anachronismus geworden. Lady Mary spürt es und erwägt, das Anwesen in ein Spital umzuwidmen. Noch will davon aber niemand etwas hören. Und nicht nur ihre Großmutter, die Countess of Grantham, bestärkt Mary in ihrer Rolle. Auch der Dienerschaft widerstrebt der Wandel. „Downton Abbey ist das Herz dieser Gemeinde und sie sorgen dafür, dass es schlägt“, spricht die Kammerzofe Anna ihrer Herrin Mut zu. Und im letzten Satz des Films prophezeit Carson, dass Downton Abbey sich auch in den kommenden 100 Jahren treu bleiben wird: „Das ist ein Versprechen.“

„Downton Abbey“. GB 2019. R: Michael Engler. D: Hugh Bonneville, Jim Carter, Michelle Dockery, Elizabeth McGovern, Maggie Smith, Imelda Staunton, Penelope Wilton. 123 Minuten, FSK ohne Altersbeschränkung. Filmstart 19. September 2019.

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