Song über Missstände in der Türkei Youtube-Hit "Susamam": 18 türkische Rapper legen sich mit Erdogan an

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan geht gegen seine Kritiker hart vor. Foto: imago images / Xinhua/Mustafa KayaDer türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan geht gegen seine Kritiker hart vor. Foto: imago images / Xinhua/Mustafa Kaya 

Ankara. Ein kritischer Rap-Song sorgt in der Türkei für Aufsehen. "Susamam" wurde innerhalb einer Woche mehr als 21 Millionen Mal aufgerufen. Präsident Erdogan fühlt sich provoziert.

Binnen einer Woche seit seiner Veröffentlichung am 6. September wurde "Susamam" (Ich kann nicht schweigen) auf Youtube bereits mehr als 21 Millionen Mal aufgerufen. 18 türkische Musiker rappen in dem 15-minütigen Song gegen Missstände in der Türkei – von der verbreiteten Gewalt gegen Frauen über Ungleichbehandlung bei der Bildung und Umweltverschmutzung bis hin zur Aushöhlung der Demokratie.

Der Kopf hinter dem Projekt, der Musiker Saniser (wirklicher Name Sarp Palaur), rappt in seinem Teil des Songs: "Ich habe zuviel Angst, eine Twitter-Botschaft zu schicken, ich habe Angst vor der Polizei meines eigenen Landes." 


Nur Stunden nach der Veröffentlichung des Songs wurde der Oppositionspolitiker Canan Kaftancioglu am vergangenen Freitag für seine Äußerungen auf Twitter wegen "Terror-Propaganda" und Präsidentenbeleidigung zu fast zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Kaftancioglu verwies daraufhin auf Twitter auf den Song und schrieb dazu: "Auch ich kann nicht schweigen."

Erdogan sieht politische Manipulation

Musiker Samet Gonullu, der unter dem Künstlernamen Sokrat St rappt, sprach gegenüber AFP von einem "Funken": "Natürlich kann man mit einem einzigen Song nicht die gesamte Gesellschaft verändern, aber je mehr Leute wir überzeugen können, desto besser."

Die Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach stattdessen von "Provokation und politischer Manipulation". Die regierungstreue Zeitung "Yeni Safak" sah in dem Song gar eine "Gemeinschaftsproduktion" zwischen Kurden-Kämpfern und der verbotenen Bewegung des muslimischen Predigers Fethullah Gülen.

Rapper fürchten keine Strafe

Die Vorwürfe seien "ein Witz", sagte dazu Rapper Sokrat St. Die Musiker hätten nichts zu fürchten, zeigte er sich überzeugt. In dem gesamten Lied gebe es keine einzige unbegründete Textzeile. Zudem würde nie Erdogan direkt erwähnt.

"Der Großteil der türkischen Bevölkerung hat die Schnauze voll. Und wir Rapper haben es jetzt ausgesprochen ", begründete der Berliner Rapper Fuat im "Vice"-Interview das Motiv zum Song. Er rechne damit, dass er und seine Kollegen wegen des Songs zu Verhören geladen werden. "Ich habe aber keine Angst. Wir sind im Recht. Ich sage ja nur meine Meinung."


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