Neue Schau: „Faszination Stadt“ Die Verheißung von Freiheit und Wohlstand

Von Veit-Mario Thiede

Leihgabe: ein Schwurkästchen. Foto: Veit-Mario ThiedeLeihgabe: ein Schwurkästchen. Foto: Veit-Mario Thiede

Magdeburg. Das Kulturhistorische Museum von Magdeburg zeigt zurzeit die glanzvolle Schau „Faszination Stadt“. Die 400 Ausstellungsstücke stammen überwiegend aus Städten, in denen das Magdeburger Recht galt.

„Städte verkörpern das Versprechen von persönlicher Freiheit und Unabhängigkeit, einem Leben in Frieden, von wirtschaftlichem und sozialem Aufstieg, von Vielfalt und kultureller Teilhabe.“ Dieses Idealbild mittelalterlichen Stadtlebens zeichnet Gabriele Köster, die Direktorin des Kulturhistorischen Museums von Magdeburg.

Dessen Grundlage waren die von den Stadtherren gewährten Rechte, Privilegien und Freiheiten. „Gemessen an seiner Verbreitung war das Magdeburger Recht das erfolgreichste unter den mittelalterlichen Stadtrechten“, wie Historikerin Christina Link ausführt. Es breitete sich über rund 1000 Orte in Mittel- und Osteuropa aus. Köster und Link haben die glanzvolle Schau „Faszination Stadt“ erarbeitet. Die 400 Ausstellungsstücke stammen überwiegend aus Städten, in denen das Magdeburger Recht galt.

Das Magdeburger Recht zeichnete sich durch die ausgewogene Verteilung der Macht auf den Stadtherren, den von ihm eingesetzten Vogt, die Bürgergemeinde sowie die von ihr gewählten Ratsmitglieder und das Schöffenkollegium aus. Es verbreitete sich in zahlreichen Varianten. Aber es gibt von ihm keine schriftlich fixierte Urfassung. Überliefert ist es uns primär in Gestalt Tausender Schöffensprüche, von denen einige ausgestellt sind. Sie ergingen in strittigen Fragen an Städte, die das Magdeburger Recht übernommen hatten. Ihnen lieferte der Schöffenstuhl der Mutterstadt Magdeburg Rechtsratschläge und auch Urteile in konkreten Fällen, die vom Gericht der Tochterstadt nur noch verkündet werden mussten.

Die Magdeburger Schöffensprüche greifen wiederholt auf Eike von Repgows in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts niedergeschriebenem „Sachsenspiegel“ zurück. Er legte das sächsische Gewohnheitsrecht dar. Rund 500 vollständige und fragmentarische Exemplare sind erhalten. Die aus Dresden, Heidelberg, Oldenburg und Wolfenbüttel sind illustriert. Sie gehören zu den Glanzlichtern der Schau. Das älteste unter ihnen ist die im frühen 14. Jahrhundert angefertigte Heidelberger Bilderhandschrift. Die aufgeschlagene Seite zeigt Bestimmungen zur Beweisführung. Unter den Augen des thronenden und mit übergroßen Händen gestikulierenden Richters legen die Vorgeladenen ihren Eid ab, indem sie mit den Schwurfingern ein Reliquienkästchen berühren.

Leihgabe aus Tangermünde ist ein reales Schwurkästchen (1461). Dieses Reliquiar in Hausform ist an Längs- und Stirnwänden mit den Figürchen der Apostel und des heiligen Stephanus geschmückt. Über ihnen thront auf beiden Seiten des Satteldaches Christus zwischen jeweils zwei knienden Mariendarstellungen. Das Schwurkästchen kam bei der Vereidigung der Ratsherren zum Einsatz und betonte somit die sakrale Verankerung der Stadtherrschaft.

Viele Prunkstücke künden vom Repräsentationseifer der Stadtverwaltung, Kaufleute und Handwerker. Zu den wertvollsten historischen Objekten der Stadt Neisse gehört ein prächtiger spätgotischer Holzsessel (15./16. Jh.) aus dem früheren Rathaus. Aus dem Paramentenschatz der Danziger Marienkirche stammt der vermutlich von Fernkaufleuten gestiftete Chormantel (2. Hälfte 15. Jh.), bestickt mit Szenen aus der Legende der heiligen Maria Magdalena. Die Stendaler Tuchmachergilde finanzierte das „Johannesretabel“ (um 1520), dessen kunstvoll geschnitzte Mittelszene die Taufe Christi zeigt. Ebenfalls aus Stendal stammen die Fragmente einer überdimensionalen Rolandsfigur (1525), die einst als Rechtssymbol vor der Gerichtslaube des Rathauses aufragte.


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