Liebe im virtuellen Raum Kinostart: "So, wie du mich willst" - Drama mit Juliette Binoche

Juliette Binoche als Claire in einer Szene des Films «So wie du mich willst».Foto: -/Alamode Film/dpaJuliette Binoche als Claire in einer Szene des Films «So wie du mich willst».Foto: -/Alamode Film/dpa

Osnabrück. Mit Juliette Binoche brillant besetzt, erzählt Safy Nebbous intelligenter Film "So, wie Du mich willst" von den Verstrickungen einer 50-Jährigen auf der Suche nach Liebe im Internet.

„Für Menschen wie mich ist das Internet der Untergang. Und zugleich ein Rettungsanker.“ Claire (grandios: Juliette Binoche) hat eine schlimme Zeit hinter sich, und ist nun bei einer Psychiaterin (brillant: Nicole Garcia) in Behandlung. Denn die Literaturprofessorin und alleinerziehende Mutter zweier Söhne, hatte sich auf ein gefährliches Spiel eingelassen: Claire hatte eine andere andere Identität angenommen und damit nicht nur ihr Seelenleben, sondern auch das anderer zerstört.

Denn um nach einer gescheiterten Beziehung mit dem Jungunternehmer Ludo nicht alleine zu sein, legt Claire sich ein Fake-Profil bei Facebook an. Sie gibt sich als 24-Jährige aus, postet dazu Fotos und Videos einer jungen Frau und nennt sich „Clara“.

Als „Clara“ verliebt sie sich in den halb so alten Fotografen Alex. Und der sich in sie. Oder besser: In sein Profil. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, als Claire immer süchtiger nach Liebesbotschaften von Alex wird. Da geht sogar so weit, dass sie sich immer mehr wünscht , ihr Avatar zu sein.

Doch sie sitzt noch in einer anderen Falle: Was wird Alex tun, wenn sich Claire ihm offenbart? Wird er enttäuscht sein,  „die alte Frau“ verstoßen? Doch dann, eines Tages, kommt es zu einer Katastrophe, die Claires/"Claras" Leben auf den Kopf stellt.

Spiel mit Zitaten

Nichts ist wie es scheint. Schon gar nicht im Internet. Clever hinterfragt der Film das „Soziale“ an Netzwerken wie Facebook, spielt aber auch mit zahlreichen Zitaten. Entstanden nach einem Buch von Camille Laurens   webt die Literaturverfilmung, Verweise etwa auf Chloderos de Laclos‘ Briefroman „Gefährliche Liebschaften“ (1782) sowie Ibsens „Nora oder: Ein Puppenheim“ (1879) mit ein. Nicht umsonst ist Claire Literaturdozentin an der Universität. Sie dienen als Kommentare zur Handlung, verweisen aber zugleich auf moderne Probleme und Befindlichkeiten.

Nach dem psychologisierenden Anfang, wechselt der von Safy Nebbou („Der Hals der Giraffe“) inszenierte (und zusammen mit Julie Peyr geschriebene Film gekonnt die Erzählperspektiven, wird zu einer Art Wunschdenken. Und damit dem Identitätsklau von Claire/“Clara“ erstaunlich nahe kommt. Dabei wartet der Film stets mit überraschenden Wendungen auf. So sehr, dass sogar die die allerletzte Einstellung alles erneut auf den Kopf zu stellen droht. Es ist ein offenes Ende, aber eines, dass zu denken gibt.

Gleichzeitig zeigt der Film Paris, oft bezeichnet als „die Stadt der Liebe“, als kalten unwirtlichen Ort voller Hochhäuser, Betonbauten und Neonschilder. So glatt und unverbindlich wie die Architekturoberflächen scheinen auch die Beziehungen zu sein.

So scheint hier nichts wirklich real zu sein - weder die Fake-Profile im Internet, noch das reale Leben. Die Botschaft des Films ist indes ernüchternd: Wahre Liebe gibt es anscheinend nur in Romanen und im Kino. Oder im Virtuellen.

Das mag ernüchternd sein, wird hier aber äußerst klug und fesselnd dargeboten. Und das Alles ist zudem mitunter spannend wie ein Thriller.

„So, wie du mich willst“ (F 2019). R.: Safy Nebbou. D.: Juliette Binoche, Nicole Garcia, François Civil. 101 Minuten. FSK: ab 12


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