Unser Mann in Hollywood Grandios: Monographie über den Regisseur Anthony Mann

Meuterei am Schlangenfluss: Während der eine nur auf eine Gelegenheit wartet, sich zu bereichen, will der andere ein neues Leben beginnen : die beiden früheren Banditen Emerson Cole (Arthur Kennedy, links ) und Glyn McLyntock (James Stewart, rechts). ZDF/picture-alliance/obsMeuterei am Schlangenfluss: Während der eine nur auf eine Gelegenheit wartet, sich zu bereichen, will der andere ein neues Leben beginnen : die beiden früheren Banditen Emerson Cole (Arthur Kennedy, links ) und Glyn McLyntock (James Stewart, rechts). ZDF/picture-alliance/obs

Osnabrück. Anthony Mann stand oft im Schatten anderer großer Hollywood-Regisseure. Ein Fehlurteil, wie jetzt die erste deutschsprachige Monographie über ihn nachweist.

Er hat einige der schönsten, besten und erfolgreichsten Filme im klassischen Hollywood gedreht. Und auch einige B-Filme, die längst zu Klassikern geworden sind. Und doch steht Anthony Mann in der Filmgeschichte immer etwas in der zweiten Reihe und im Schatten von anerkannten Meisterregisseuren wie John Ford, Howard Hawks oder Samuel Fuller. Zu Unrecht.

Davon zeugt die jüngst erschienene erste deutsche Monographie zum Regisseur, der vor allem für seine fünf 50er-Jahre-Western mit James Stewart (etwa „Meuterei am Schlangenfluss“, „Winchester ‚73“ oder „Nackte Gewalt“) bekannt ist, aber auch Monumentalfilme wie „El Cid“ (1961) und „Der Untergang des römischen Imperiums“ (1964), visuell düstere Films Noirs wie „Geheimagent T“ (1947) oder „Flucht ohne Ausweg“ (1948) oder Kriegsfilme (etwa „Tag ohne Ende“ (1957)) drehte. Sogar Musicals und Komödien hat Mann inszeniert.

Nun hat sich auch endlich die deutsche Filmwissenschaft mit dem bereits früh in Frankreich von Leuten wie Jean-Luc Godard und François Truffaut geschätzen Genre-Autorenfilmer beschäftigt. Die von Ines Bayer als Dissertation verfasste Untersuchung Manns lässt sich dabei trotz des akademischen Anspruchs flüssig lesen und überzeugt inhaltlich mit einer plausiblen Zweiteilung.

Zunächst auf Anthony Mann (1906-1967) als Künstler und seine Themen im Allgemeinen eingehend, untersucht der zweite, größte Teil des – übrigens hervorragend, teils farbig bebilderten – Bandes konkret die 39 Regiearbeiten Manns. Sie wurden in Genre-Cluster zusammengefasst.

Dabei betont Ines Bayer vor allem Manns Inszenierung von Körpern und Landschaften, erwähnt stets die körperlichen Herausforderungen, denen seine Filmfiguren meist ausgesetzt sind. Daher auch der Buch-Untertitel „Kino der Verwundung“.

Ergänzt durch eine ausführliche Filmographie, die auch abgebrochene Projekte und ungenannte Mitarbeiten aufführt (etwa an „Quo Vadis“ oder Stanley Kubricks „Spatacus“), beeindruckt zudem das umfangreiche, Literaturverzeichnis.

Sorgfalt paart sich hier mit kluger Analyse, Neugierde mit einer aufregenden Neubewertung: Ein Filmbuch, das keine Wünsche offen lässt.

Ines Bayer: „Anthony Mann – Kino der Verwundung“. Bertz-Fischer-Verlag. 303 Seiten. Zahlreiche Abbildungen. 36 Euro.


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