Serie "Mord im Urlaubsparadies" Der genaue Blick auf Portugal: Algarve-Krimis von Carolina Conrad

Foto: Paul BenzenFoto: Paul Benzen

Osnabrück. Sie hat in Osnabrück studiert und volontiert, lebt aber schon seit 14 Jahren in Portugal. Und nach mehreren Frauenromanen hat Bettina Haskamp unter ihrem Pseudonym Carolina Conrad zwei Algarve-Krimis geschrieben. Wir stellen die Autorin und ihre Heldin im vierten Teil unserer Serie "Mord im Urlaubsparadies" vor:

Bettina Haskamp führt ein bewegtes Leben. In Oldenburg geboren, studierte und volontierte sie in Osnabrück, arbeitete jahrelang als Redakteurin bei der „Oldenburgischen Volkszeitung“ sowie für NDR, WDR und Radio ffn, bevor sie zusammen mit ihrem damaligen Mann auf einem selbstgebauten Katamaran nach Brasilien und zurück nach Europa segelte. Darüber schrieb sie ihr erstes Buch.

Es folgten einige heitere Frauenromane wie „Alles wegen Werner“ oder „Tief durchatmen beim Abtauchen“, bevor die mittlerweile hauptsächlich in Portugal lebende Autorin unter dem Pseudonym Carolina Conrad 2018 ihren ersten Portugal-Krimi veröffentlichte: „Mord an der Algarve“. Mittlerweile hat sie mit „Letzte Spur Algarve“ nachgelegt, einem unterhaltsamen Krimi um den Tod einer Tierschützerin. Heldin ihrer Bücher ist die in Portugal lebende deutsch-portugiesische Journalistin Anabela Silva.

Frau Haskamp, was verbindet Sie mit Portugal?

1998 bin ich mit meinem damaligen Mann auf unserem selbstgebauten Katamaran zum ersten Mal den Rio Guadiana hochgesegelt, den Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal. Drei Monate lagen wir bei Alcoutim im Hinterland der Ostalgarve vor Anker. In den Ort und die Gegend habe ich mich sofort verliebt. Aber - um der Wahrheit die Ehre zu geben – in die Sprache und die Portugiesen eher nicht, das kam später und langsamer, eigentlich durch meinen zweiten Gatten. Er ist zwar Deutscher, hat aber lange auf den Azoren gelebt, den portugiesischen Inseln im Atlantik zwischen Europa und Nordamerika. Vor etwa 14 Jahren haben wir uns dann gemeinsam für das portugiesische Festland entschieden und für die Gegend um Alcoutim. Und solange steht der Schreibtisch, an dem ich meine Bücher schreibe, auch schon in Portugal.

14 Jahre in Portugal sprechen für eine gewisse Faszination.

Das stimmt. Was mich ganz besonders fasziniert, ist das Licht hier. Wenn man 300 von 365 Tagen im Licht lebt, wärmt einem das die Seele. Dazu kommt die Mentalität der Menschen, die zwar eine Weile brauchen, um sich zu öffnen, dann aber von einer wunderbaren Offenheit, Herzlichkeit und Gastlichkeit sind. Und schließlich fasziniert mich, dass es in Portugal auf so kleinem Raum so viele verschiedene Landschaften gibt.

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Was war Ihre Motivation, Algarve-Krimis zu schreiben?

Ganz egal, was ich schreibe – ob einen heiteren Frauenroman, oder einen Krimi – am Anfang steht immer die Idee für eine Geschichte, meistens ausgelöst durch etwas, das ich erlebe oder beobachte. „Alles wegen Werner“ zum Beispiel, mein erster Roman, spielt auch in Portugal und erzählt die Geschichte einer von ihrem Mann verlassenen Frau, die nicht nach Deutschland zurückgehen will. Diese Geschichte entstand, als eine Bekannte in einer Ehekrise steckte. Damals habe ich noch nicht an Krimis gedacht. Das änderte sich, als vor ein paar Jahren unsere portugiesische Nachbarin ihren Mann verlor. In der ersten Zeit nach seinem Tod war sie wütend auf alles und jeden. Mir kam der Gedanke: „Wenn sie jetzt noch eine alte Rechnung mit jemandem offen hat, dann möchte ich nicht in dessen Haut stecken.“ Daraus wurde „Mord an der Algarve“.

Warum schreiben Sie unter Pseudonym?

Das ist dem Genre-Wechsel geschuldet – vom heiteren Frauenroman zum Krimi. Ich wollte keine Leserin enttäuschen, die sich in der Erwartung einer leicht erzählten Lebens- und Liebesgeschichte mit einem Roman von mir an den Strand legt, und stattdessen von Mord und Vergewaltigung liest.

Mit „Lost in Fuseta“ gibt es bereits einen Algarve-Krimi. Ist auf dem Buchmarkt Platz für einen zweiten?

Aber sicher! Es sind ja sehr unterschiedliche Krimis und Schreibweisen. Als ich den Vertrag für „Mord an der Algarve“ unterschrieben habe, wussten allerdings weder Verlag und ich, dass Gil Ribeiro uns mit viel PR zuvorkommen würde. Das sogenannte Alleinstellungsmerkmal war weg. Das war schon sehr schade.

Holger Karsten Schmidt alias Gil Ribeiro bezeichnet seine Fuseta-Krimis als Urlaubskrimis. Würden Sie Ihre Bücher da auch einordnen?

Sind Urlaubskrimis Krimis solche, die man im Urlaub liest? Oder Krimis, die Lust auf Urlaub machen? Dann sind meine hoffentlich auch welche. Ich selbst würde sie einfach als Portugal-Krimis bezeichnen, weil sie hier spielen.

Was ist Ihnen wichtig an Ihrer Hauptfigur Anabela Silva?

Ungewöhnliche Frage, da muss ich erst einmal nachdenken. Ich sage mal, was ich an Anabela mag und warum. Sie ist ein Mensch, der sich verantwortlich verhält, indem sie sich um ihre Eltern in Portugal kümmert und dafür ihr Leben auf den Kopf stellt. Sie hat Humor, ist klug, selbstironisch und frech, aber trotz ihrer großen Klappe auch unsicher. Diese Mischung gefällt mir sehr. Dadurch, dass sie in Deutschland geboren und aufgewachsen ist – es ist das Heimatland ihrer Eltern, nicht ihres – hat sie einen Blick auf Portugal, der nicht nur rosarot ist. Vielleicht ist es das, was mir wichtig ist: Anabela sieht Portugal ähnlich wie ich, aus einer gemischten Innen-Außen-Perspektive. Und sie sieht genau hin.

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Und sie ist Journalistin – genau wie Sie. Haben Ihre Bücher autobiografische Züge?

Das nicht, aber alle meine Figuren haben etwas von mir, Anabela Silva sicher das meiste von allen.

Fast allen Portugal-Krimis gemein sind die deutschen Protagonisten, ein Kriminalfall und ein Handlungsstrang fürs Herz. Ist das die Rezeptur für so einen Krimi?

Rezepturen – falls es da welche gibt – interessieren mich nicht. Ich schreibe, was mir einfällt, logisch und spannend erscheint. Mit lebensechten Figuren. Leben ohne Liebe fände ich seltsam und einen Krimi ohne Kriminalfall erst recht.

Geben Ihre Bücher das wahre Portugal wieder oder eher einen verklärt-schwärmerischen Blick?

Ich denke, mein allererster Portugal-Roman war schon ein bisschen verklärt-schwärmerisch. Als ich ihn geschrieben habe, war ich gerade erst an der Algarve angekommen und sozusagen frisch verliebt. Nach ein paar Jahren hier sieht man doch einiges kritischer. Was „das wahre“ Portugal ist, kann ich nicht sagen. Aber ich denke schon, dass mein Blick genau ist und ich nah am portugiesischen Leben schreibe. Eben weil ich es sehr gut kenne. Bei den Büchern der Kollegen ist das sehr unterschiedlich.


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Welche gefallen Ihnen am besten?

„Barco Negro“ von Mario Lima hat mir sehr gefallen.

Was stört Sie am meisten?

Fehler, die mir zeigen, dass der jeweilige Autor das Land nicht wirklich kennt. Also zum Beispiel Verhaltensweisen von angeblichen Portugiesen, die ich in 14 Jahren hier nicht erlebt habe. Schlechte Recherche. Und ganz schlimm: Als Krimis verkleidete Reiseführer mit elend langen Beschreibungen von Sehenswürdigkeiten etc.

Wird’s einen dritten Fall für Anabela Silva geben?

Ja, ich arbeite daran.


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