Serie "Urlaubskrimis" Auf den Spuren von Kommissar Dupin in der Bretagne

Die "zweite Heimat" von Kommissar Dupin: Das Restaurant des Hotels L'Amiral in Concarneau. Foto: Pictures alliance/dpaDie "zweite Heimat" von Kommissar Dupin: Das Restaurant des Hotels L'Amiral in Concarneau. Foto: Pictures alliance/dpa

Osnabrück. Ein deutscher Autor veröffentlicht unter dem Pseudonym Jean-Luc Bannalec eine Krimireihe, deren Schauplätze in der Bretagne angesiedelt sind. Fernsehverfilmungen, ein passendes Kochbuch und touristische Rundtouren auf den Spuren des Kommissars Dupin durch die Bretagne tragen zum enormen Erfolg der Reihe bei.

Eine Delikatesse hat er für seine Freundin besorgt: Lieu jaunes, eine besondere Dorschart, geräuchert mit den unvergleichlichen Aromen bretonischer Eichen unter Zugabe einer geheim gehaltenen Mischung verschiedener Pfeffersorten und Gewürzen. Doch aus dem netten Abend, an dem Kommissar Dupin seine Freundin Claire überraschen will, indem er ihren Lieblingsfisch kredenzt, wird nichts. Mord an einem Arzt 

In Concarneau, dem idyllischen Städtchen in der Bretagne, wird der angesehene Arzt Chaboseau ermordet. Außerdem kommen Claires Eltern früher als erwartet zu Besuch. Gründe genug für Dupin, schlechte Laune zu bekommen.

„Bretonisches Vermächtnis“ heißt der Kriminalroman, der so startet und den der Autor Jean-Luc Bannalec Ende Juni als „Kommissar Dupins achter Fall“ veröffentlicht hat. Dupins Fälle gehören zu den beliebtesten und erfolgreichsten Krimis, nicht nur in Deutschland. Bannalecs Bücher aus der Dupin-Reihe wurden in 14 Sprachen übersetzt. Mehr als drei Millionen Exemplare gingen bereits über den Ladentisch. Offenbar haben die Leser den eigenwilligen Ermittler in ihr Herz geschlossen, der eigentlich aus Paris stammt, durch und durch Städter ist, doch dann in die Bretagne strafversetzt wird. Wie der Leser auch, entdeckt Dupin allmählich den Landstrich, legt seine Vorurteile gegenüber der Provinz und deren zum Teil recht schrullige Bewohner ab. In seinem achten Fall macht es tatsächlich den Eindruck, als habe Dupin eine neue Heimat gefunden.

Der Erfolg der Krimiserie basiert nicht nur auf der gelungenen Konstruktion von Mordfällen und deren Lösung, sondern mehr noch auf den intensiven Schilderungen von Land und Leuten, die der Autor kenntnisreich vermittelt. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass Jean-Luc Bannalec gar kein Bretone ist. Nicht einmal Franzose ist er, sondern ein deutscher Schriftsteller, der unter Pseudonym veröffentlicht.

Sein Erfinder hält in Deutschland an seinem Pseudonym fest: Verleger und Schriftsteller Jörg Bong alias Jean-Luc Bannalec. Foto: Frank May, dpa rs, Frank May

Reale Orte

Recherchiert man Bannalec im Internet, stößt man sehr schnell auf den Namen eines Verlegers, Literaturwissenschaftlers, Lektors, Autors und Fotografen mit dem Namen Jörg Bong. Während er sein Pseudonym in Deutschland zu wahren versucht, lässt er sich für die französische Presse sogar vor dem Lieblingsrestaurant seines Kommissars, dem Hotel L´Amiral, fotografieren. Denn Dupins Fälle spielen nicht an fiktiven, sondern an realen Orten des Finistère, am „Ende der Erde“, wie das westlichste Departement der Bretagne genannt wird. Und weil der Kommissar und seine neue Heimat mit all seinen Mythen und Geheimnissen so einladend beschrieben werden, gibt es mittlerweile touristische Angebote: „Auf den Spuren Kommissar Dupins“ heißen die Rundtouren durch die Bretagne, die zum Besuch der Originalschauplätze einladen. Ein umstrittenes Unterfangen, denn während sich die einen freuen, dass noch mehr Touristen ihr Geld in die Bretagne tragen, beschweren sich Alteingesessene Bretonen, dass es mit der Ruhe und Beschaulichkeit, die den Reiz bestimmter Regionen ausmachten, jetzt endgültig vorbei sei. 
Bretagne im Fokus

Dennoch ist man von offizieller Seite stolz und dankbar, dass Bannalec die Bretagne auf diese besondere Art in den Fokus rückt. Von der Region wurde er mit dem Titel „Mécène de Bretagne“ ausgezeichnet und seit 2018 ist er Ehrenmitglied der Académie littéraire de Bretagne.

Eine Stellungnahme zu dieser Entwicklung ist von dem Autoren nicht zu bekommen. „Herr Bannalec gibt keine Interviews“ ist die lapidare Auskunft beim Verlag Kiepenheuer & Witsch, der die Krimis veröffentlicht. Auf die Frage, ob sich denn tatsächlich Herr Bong hinter dem Pseudonym versteckt, antwortet Ines Wallraff von der KiWi-Presseabteilung: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns an Spekulationen über das Pseudonym von Jean-Luc Bannalec nicht beteiligen.“ 

Lawine losgetreten

Außer Frage steht, dass der Autor eine Lawine losgetreten hat. Immer mehr deutsche Schriftsteller verlegen ihre Schauplätze ins Ausland, um die Kommissare in exotischem Ambiente agieren lassen zu können. Bannalec war einer der Ersten. Daher wurden seine ersten sieben Krimis auch für die ARD verfilmt.

Als „Kommissar Dupin“ mit Pasquale Aleardi in der Hauptrolle erreichten die jeweiligen Folgen zwischen drei und fünf Millionen Zuschauer. Und so wird der neue, achte Fall sicherlich auch wieder verfilmt - obwohl der Fernsehkollege vom Charakter der Buchvorlage abweicht. Während Dupin im Buch immer mehr zum Bretonen wird, bleibt er im Film der Städter, der wie ein Fremdkörper auf Provinz-Terrain zurechtkommen muss.

Was Dupin allerdings in beiden Formaten charakterisiert, ist seine Vorliebe für gutes Essen – das er in der Regel im Amiral serviert bekommt. Um selbst in den Genuss der Gerichte des Gourmets zu kommen, braucht man jetzt gar nicht mehr nach Concarneau zu reisen. Zusammen mit Catherine und Arnaud Lebossé, den Inhabern des Amiral, hat Bannalec das „Bretonische Kochbuch“ herausgebracht, in dem „Kommissar Dupins Lieblingsgerichte“ original zum Nachkochen aufgeführt werden.


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