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12.07.2019, 17:09 Uhr KOMMENTAR: CHIPPERFIELD-NEUBAU

Teurer Laufstall

Ein Kommentar von Christine Adam


Das neue, zentrale Empfangsgebäude der Museumsinsel, erbaut von David Chipperfield. Foto: imago images / Reiner ZensenDas neue, zentrale Empfangsgebäude der Museumsinsel, erbaut von David Chipperfield. Foto: imago images / Reiner Zensen

Osnabrück. Hat Berlin als europäische Kulturmetropole mit der gerade eröffneten James-Simon-Galerie auf der Museumsinsel eine hochkarätige Attraktion mehr erhalten? Wohl eher nicht – ein Kommentar.

Alle medialen Augen richten sich derzeit auf Berlin und die Museumsinsel, auf der nun ein 134 Millionen schwerer Neubau des Stararchitekten David Chipperfield eröffnet wurde. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach persönlich. Hat Deutschlands Hauptstadt mit der James-Simon-Galerie eine hochkarätig bestückte Kunstattraktion mehr erhalten im Wettstreit der europäischen Metropolen?

Wohl eher nicht, denn die neue Galerie ist vor allem ein Servicegebäude für die fünf historischen Museen auf der Insel. So aufregende Dinge wie der Kassenbereich, die Garderobe, der Museumsshop oder ein Restaurant haben hier eine äußerst opulente Heimstatt erhalten. Die Galerie selbst zeigt Wechselausstellungen, als Erstes die Bestände der Berliner Gipsformerei, auf die die Kulturwelt gewiss nicht gewartet hat.

Chipperfield will ein optisches Bindeglied liefern – sicher auch zum berühmten Pergamonaltar. Doch seine nüchternen Tempelstreben erinnern aus mancher Perspektive eher an einen Kinderlaufstall. Kann ein Funktionsgebäude architektonisch nicht ein wenig dezenter, unaufdringlicher daherkommen?


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