Der einzige Osnabrücker Dichter Zweite Stadtmeisterschaft im Poetry Slam am Donnerstag

Lokalmatador: Dieter Grave ist der einzige Osnabrücker, der am Donnerstag bei der 2. Stadtmeisterschaft im Poetry Slam antritt. Foto: Thomas WübkerLokalmatador: Dieter Grave ist der einzige Osnabrücker, der am Donnerstag bei der 2. Stadtmeisterschaft im Poetry Slam antritt. Foto: Thomas Wübker
Thomas Wübker

Osnabrück. Dieter Grave ist der einzige Osnabrücker, der am Donnerstag, 4. Juli, bei der zweiten Stadtmeisterschaft im Poetry Slam an- und auftritt. Das Gewinnen ist für den Lokalmatador jedoch zweitrangig. Er hat andere Gründe, um beim Dichterstreit anzutreten.

Texte schreibt Dieter Graves schon länger: für die Schule, für eigene Lieder. Vor drei Jahren hat er zum ersten Mal bei einem Poetry Slam mitgemacht, jetzt nimmt er zum ersten Mal an der Stadtmeisterschaft teil. Wobei ein bisschen Glück dabei ist. Denn qualifiziert dafür sind nur die Erst- und Zweitplatzierten der vergangenen zwölf Monate. 

Der 53-jährige Dieter Grave hat zwar mal einen Slam gewonnen, aber nicht im angegebenen Zeitraum. Weil einer der Sieger seine Teilnahme zur Stadtmeisterschaft abgesagt hat, ist er nachgerückt. Wer jetzt denkt, deswegen sagt er, das Siegen sei ihm nicht wichtig, liegt falsch..

„Meine Texte sind politisch-gesellschaftlich angehaucht“, erzählt Grave. Anders als die meisten anderen Poetry Slammer sind seine Texte nicht lustig, sondern ernst und nachdenklich – so wie der Autor selbst. Ihm ist bewusst, dass er eher einen Slam gewinnen könnte, wenn seine Texte Komik enthalten würden. Doch weder das Gewinnen noch der Humor sind für ihn Anlass, seine Texte öffentlich vorzulesen. „Wir Demokraten aus der Mitte dürfen den Extremisten nicht das Feld überlassen“, sagt er. Seitdem sich die Flüchtlingsströme gen Europa bewegt haben, sei die extreme Rechte stärker geworden, so der Lehrer, der zudem am Wochenende ehrenamtlich als Sozialarbeiter tätig ist. „Meine Idee war, aufstehen und sagen: So geht es nicht.“ Das hat ihn 2015 auf die Bühne getrieben, um seine Gedichte vorzutragen.



Auf Youtube ist ein Auftritt Graves von einem Slam im November 2016 zu sehen, als er sein Gedicht „Eine ganze Welt“ vorträgt. Die Stille im Saal ist auch in dem Video zu spüren. Der Osnabrücker schildert in seinem Werk eine wahre Begebenheit, in der ein Müllmann einen Jungen in Not rettet. Diese und andere Ideen für seine Gedichte erhält er durch Zeitungsartikel oder Geschehnisse in seinem persönlichen Umfeld. Grave nutzt sie, um sich einen Reim drauf zu machen. So wie in dem Gedicht über eine alte Frau aus Gütersloh, die überfallen wurde, nachdem sie Geld aus dem Automaten zog, um ihre Krebsbehandlung davon zu bezahlen. Sie konnte den Dieb überzeugen, sie nicht auszurauben, nachdem sie ihm ihre Geschichte erzählte. Manchmal schreibt das Leben eben die schönsten Geschichten. Manchmal sind die Geschichten aber nicht so schön, zum Beispiel, wenn er von Kindesmissbrauch erzählt.

Welches Gedicht er am Donnerstag bei der Stadtmeisterschaft vortragen wird, weiß Dieter Grave noch nicht. Es ist noch nicht geschrieben, da er erst kurzfristig von seiner Teilnahme erfahren hat. Einen Titel für sein Gedicht hat er aber schon. Es soll „Vielleicht“ heißen.

Die anderen elf Teilnehmer, die von Lotte bis Xanten zur Osnabrücker Stadtmeisterschaft anreisen, werden ebenfalls neue Texte vortragen. Wie bei jedem Slam hat jeder Autor sieben Minuten Zeit, um das Publikum von der Güte seiner Poesie oder seiner Prosa zu überzeugen. Und am Ende wird dann feststehen, wer das Erbe von Daniel Wagner aus Heidelberg antritt. Er wurde im vergangenen Jahr der erste Osnabrücker Meister im Poetry Slam. Der Eintritt kostet 5 Euro im Vorverkauf. Tickets und Infos unter www.lagerhalle-osnabrueck.de.


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