Preise auf der Iburg vergeben Landschaftsverband ehrt Petersburg und Umweltlernort

Sie feierten den Landschaftstag: Birte Mehrkens, Marcia Bielkine (Kulturverein Petersburg), Udo Hafferkamp (Auszeichnung), Stephan Seiler (Petersburg), Laudator Rolf Wellinghorst, Festredner Heiko Laß, Kulturdezernent Wolfgang Beckermann, Laudator Klaus Thorwesten, Landrat Michael Lübbersmann, Hermann Queckenstedt (Diözesanmuseum Osnabrück), Annette Niermann (Bürgermeisterin Bad Iburg) und Susanne Tauss (Geschäftsführerin Landschaftsverband, von links).  Foto: Jörn MartensSie feierten den Landschaftstag: Birte Mehrkens, Marcia Bielkine (Kulturverein Petersburg), Udo Hafferkamp (Auszeichnung), Stephan Seiler (Petersburg), Laudator Rolf Wellinghorst, Festredner Heiko Laß, Kulturdezernent Wolfgang Beckermann, Laudator Klaus Thorwesten, Landrat Michael Lübbersmann, Hermann Queckenstedt (Diözesanmuseum Osnabrück), Annette Niermann (Bürgermeisterin Bad Iburg) und Susanne Tauss (Geschäftsführerin Landschaftsverband, von links). Foto: Jörn Martens

Bad Iburg. Das Thema Umwelt drängt. Das wurde auch beim Landschaftstag des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land deutlich. Preisträger Udo Hafferkamp lobte die Jugendlichen der Bewegung Fridays for Future und rechnete mit deren Elterngeneration ab.

Manchmal kommen Feierstunden erst kurz vor ihrem Ende so richtig in Fahrt. Der Landschaftstag, der gestern auf der Iburg abgehalten wurde, lieferte dafür das beste Beispiel. Dabei schien sich der letzte Redner für eine solche Schubumkehr der Dramaturgie eigentlich nicht anzubieten. Udo Hafferkamp erhielt die Auszeichnung 2019 für seinen Einsatz in der Umweltbildung. Lernstandort im Moor – das klingt nach verdienstvoller Basisarbeit. Hafferkamp nahm seine Auszeichnung freundlich entgegen und holte dann zu unerwarteter Generalabrechnung aus. „Wir hätten die Bewegung Fridays for Future nicht erst heute, sondern schon vor Jahrzehnten gebraucht. Es ist beschämend, dass wir uns von unseren Kindern einen solchen Spiegel vorhalten lassen müssen“, hielt er seinen Zuhörern im festlichen Rittersaal der Iburg entgegen.

Lernstandort Grafelder Moor

Insekten im Moor oder Frösche in Tümpeln beobachten: Was sich im Lernstandort Grafelder Moor/Stift Börstel im nördlichen Landkreis Osnabrück abspielt, klingt nach pädagogischer Routine. Aber Hafferkamp, der freundliche Herr mit Blazer und Krawatte, entpuppte sich als ungeduldiger Mahner. Der Pädagoge und langjährige Naturschutzbeauftragte des Landkreises erinnerte an die Umweltsünden der jüngeren Vergangenheit. Ob Flurbereinigung oder der Ausbau von Ortsdurchfahrten – Hafferkamp sprach von einer „radikalen Planung“, die Landschaften zerstört und Rückzugsräume für seltene Tierarten ausgelöscht habe. Die Politik habe die Menschen in diese Richtung gedrängt und trage die Verantwortung für den aktuellen Zustand der Umwelt. „Wir sind alle ein Glied der Natur“, mahnte Hafferkamp zur Umkehr und bekannte sich dann vehement zum Protest der Jugendlichen gegen die Umweltzerstörung.

An der Graswurzel

Kultur als Graswurzelarbeit: Dieses Motiv bestimmte die Auszeichnungen, die der Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. in diesem Jahr vergab. Während die Auszeichnung an Udo Hafferkamp und damit an die Arbeit für Umweltbildung und Naturschutz ging, erhielt der Osnabrücker Kulturverein Petersburg e.V. den Kulturpreis 2019 des Landschaftsverbandes, den Marcia Bielkine, Birte Mehrkens und Stephan Seiler für den Verein entgegennahmen. „Die soziokulturellen Basisangebote der Petersburg sind ein wichtiger Bestandteil der Osnabrücker Kulturszene“, lobte Klaus Thorwesten von der Osnabrücker Lagerhalle die Initiative, die seinerzeit auf dem Güterbahnhof gestartet war.

Alle haben durchgehalten

„Die Petersburg war einst eine Trutzburg. Vielleicht hat das den Durchhaltewillen des Vereins geprägt“, sagte Thorwesten und beschrieb die kargen Anfänge einer Initiative, die bis heute in einem Gebäude im Rohbauzustand und ohne das große Geld arbeiten muss. Die Mitglieder der Gruppe hätten aber niemals aufgehört, für ihre Träume zu kämpfen. Ihr größter Traum: Kultur für Menschen „mit kleinem Geldbeutel“. Für die Initiative zeigte sich Marcia Bielkine überrascht von der Auszeichnung. „Wir hatten nicht damit gerechnet. Das Preisgeld können wir jedenfalls sehr gut gebrauchen“, sagte Bielkine.

Mehr Geld für Kultur?

Mehr Geld für regionale Kulturangebote: Dafür warb auch Landrat Michael Lübbersmann als Präsident des Landschaftsverbandes und forderte die Landesregierung auf, bei den regionalisierten Mitteln aufzustocken. Wie schön Kultur in der Region auch heute schon klingen kann, machten Christian Heinecke, Franziska Hahn-Majaersky, Laura Fierro und Danylo Gertsev hörbar. Sie gaben dem Landschaftstag mit Musik von Georg Philipp Telemann erlesenen Rhythmus. Und Festredner Heiko Laß erläuterte, warum der Rittersaal ein so herausragender Ort der Architekturgeschichte sei. Herrschergalerie statt Kulturinitiative oder Umweltbildung – auch das ist Kultur.


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