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Doppelspitze in Osnabrück Anna Jehle und Juliane Schickedanz leiten Kunsthalle

Juliane Schickedanz und Anna Jehle (rechts) folgen Julia Draganovic in der Leitung der Kunsthalle Osnabrück. Foto: Dana LorenzJuliane Schickedanz und Anna Jehle (rechts) folgen Julia Draganovic in der Leitung der Kunsthalle Osnabrück. Foto: Dana Lorenz

Osnabrück. Die Kunsthalle Osnabrück bekommt eine Doppelspitze: Anna Jehle und Juliane Schickedanz sollen das Osnabrücker Ausstellungshaus leiten. Sie folgen Julia Draganovic im Amt, die ab dem 1. Juli 2019 der Villa Massimo in Rom vorstehen wird.

Die beiden Kuratorinnen gingen als beste Bewerberinnen aus einem Auswahlverfahren hervor, an dem 38 Bewerberinnen und Bewerber beteiligt waren. Das teilt die Stadt Osnabrück mit. „Das sehr überzeugende Bewerbungskonzept von Anna Jehle und Juliane Schickedanz hat das Auswahlgremium begeistert. Ich begrüße es, dass die Nachfolgeregelung zügig erfolgt ist und freue mich auf interessante Ideen der beiden Kuratorinnen und auf ihre internationalen Kontakte“, fasst Stadtrat Wolfgang Beckermann das Ergebnis nach einer Mitteilung der Stadt zusammen. Zum Auswahlgremium gehörten unter Leitung von Wolfgang Beckermann Vertreterinnen und Vertreter der Ratsfraktionen, der Stadtverwaltung, der Freunde der Kunsthalle und als externe Expterin Kathleen Rahn vom Kunstverein Hannover.

Zur Person

Anna Jehle
Anna Jehle studierte Kultur-- und Politikwissenschaften, Urbanistik sowie Kulturen des Kuratorischen. 2018 unterrichtete sie in der Klasse expanded cinema an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. 2017 veröffentlichte sie zusammen mit Paul Buckermann den Theorieband „Kinship in Solitude. Perspectives on Notions of Solidarity“ (adocs publishing). 2015 gründete sie den temporären Piojektraum lAb in Bielefeld, wo sie das Potential eines Kunstraumes hinsichtlich kollaborativer Möglichkeiten untersuchte. Von 2012 bis 2014 war sie im Bielefelder Kunstverein tätig. Darüber hinaus realisierte sie unter anderem Ausstellungsprojekte wie „fremd“, GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, mit Anke Dyes, Benjamin Meyer-Krahmer und Clemens von Wedemeyer, „Ahmet Ögüt – Apparatuses of Subversion“, Horst-Janssen-Museum Oldenburg, mit Anja Lückenkemper, „Up till now –Wiedervorlagen historischer Performance und Aktionskunst aus der DDR“, Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, mit Julia Kurz. (Quelle: Stadt Osnabrück)


Gegen Zerrissenheit

Anna Jehle und Juliane Schickedanz stehen für eine "Praxis kollektiven Arbeitens", wie die Stadt mitteilte. „Wir denken, dass ein gemeinsam formuliertes Anliegen der entscheidende Ansatz ist, aktuellen gesellschaftlichen Zerrissenheiten etwas entgegenzusetzen. Deshalb möchten wir unsere Zweistimmigkeit im Rahmen unserer Arbeit in eine grundsätzliche Mehrstimmigkeit übersetzen. Die Kunsthalle Osnabrück als prozessualen Verhandlungsraum zu stärken, ist uns dabei ein grundlegendes Anliegen“, betonen Anna Jehle und Juliane Schickedanz in einer ersten Stellungnahme.

Zur Person

Juliane Schickedanz
Juliane Schickedanz studierte Kunstvermittlung an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und spezialisierte sich aus ihrer eigenen künstlerischen Produktion heraus auf eine Praxis des Ausstellens. In dieser Doppelfunktion hat sie sich bereits früh mit der Sprache und den Funktionsweisen des Kunstbetriebs, dortigen Rollenzuschreibungen sowie den Arbeitsbedingungen von Kulturproduzentinnen und -produzenten auseinandergesetzt. So auch in ihrem Graduiertenforschungsprojekt „The Curator’s Image – Die Vermutung eines neuen Stifterbildes“. In den vergangenen Jahren arbeitete sie unter anderem für Kunstinstitutionen wie den Bielefelder Kunstverein, die Halle 14 – Zentrum für zeitgenössische Kunst Leipzig oder lAb Artist Unlimited. 2019 co-kuratierte sie zusammen mit Konrad Renner das Werkleitz Festival „Holen und Bringen“ in Halle (Saale) mit Beiträgen unter anderem von Foundland Collective, Mariechen Danz, Hiwa K., Lawrence Lek, Candice Lin, !Mediengruppe Bitnik, Sebastian Schmieg und Leanne Wijnsma. (Quelle: Stadt Osnabrück)

Kunsthalle als Plattform

Das künftige Programm der Kunsthalle wird, der Ankündigung nach, neben Ausstellungen auch Workshops, Diskussionsforen und andere Veranstaltungsformate umfassen. Die Kunsthalle als Plattform und "Verhandlungsraum", interdisziplinäre Arbeitsweisen, "diverse und queere Positionen": Diese Stichwörter umreissen die kuratorische Philosophie der neuen Doppelspitze der Kunsthalle. Jehle und Schickedanz werden den Angaben nach insbesondere die Vermittlungsarbeit stärker in das Programm der Kunsthalle selbst integrieren. Patricia Mersinger, Leiterin des städtischen Fachbereichs Kultur, gefiel laut Mitteilung im Vorstellungsgespräch „auch der sehr partizipative Ansatz zu anderen Kulturorten in der Stadt“. 

Cologne-Preis

Die beiden Kuratorinnen waren in den letzten Jahren unter anderem am Kunstverein in Bielefeld tätig. Beide Kuratorinnen sind nach den Angaben der Stadt Osnabrück Teil des kollektiv geführten KV- - Verein für zeitgenössische Kunst Leipzig. Dort kuratierten sie in den vergangenen Jahren Ausstellungen unter anderem mit Sebastian Burger, Lotte Meret Effinger, Wilhelm Klotzek, Lindsay Lawson, Peggy Pehl, Diana Policarpo und Aleen Solari. In diesem Jahr erhielten sie gemeinsam mit dem Kunstverein den ADKV-Art Cologne-Preis für den besten Kunstverein im deutschsprachigen Raum.

Zeit des Übergangs

Anna Jehle und Juliane Schickedanz folgen auf Julia Draganovic, die die Leitung der Kunsthalle Osnabrück 2013 übernommen hatte. Draganovic war von Kulturstaatsministerin Monika Grütters an die Spitze der Villa Massimo berufen worden. Für eine Übergangszeit leitet Christel Schulte, Kuratorin für Publikumsteilhabe und Lernen, das Ausstellungshaus.


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