Hamburger Maler neu entdeckt Osnabrücker Museumsquartier zeigt Friedrich Einhoff

Sie präsentieren die Bilder von Friedrich Einhoff: Kuratorin Mechthild Achelwilm uind Museumsleiter Nils-Arne Kässens. Foto: Jörn MartensSie präsentieren die Bilder von Friedrich Einhoff: Kuratorin Mechthild Achelwilm uind Museumsleiter Nils-Arne Kässens. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Friedrich Einhoff war ein Einzelgänger der Kunst. Jetzt werden seine Bilder neu entdeckt. Das Osnabrücker Museumsquartier richtet dem Hamburger Künstler eine große Einzelausstellung aus.

Sie wirken wie verstörte Zufallsgäste des Lebens, bisweilen gar wie Gemarterte, die der Pein nie entkommen: Der Maler Friedrich Einhoff (1936-2018) ist dem Motiv des Menschenbildes ein Leben lang treu geblieben. Was auf den ersten Blick wie eine wertkonservative Grundsatzentscheidung aussieht, erweist sich in diesem Lebenswerk jedoch als Quell steter Beunruhigung. Einhoffs Menschen kommen an kein Ziel, überwinden ihre Fremdheit nie. Jetzt präsentiert das Osnabrücker Museumsquartier rund 120 Gemälde und Zeichnungen des Künstlers.

Osnabrück: „Das vertraute Unbekannte“. Gemälde und Zeichnungen von Friedrich Einhoff im Museumsquartier. Foto: Jörn Martens


Nie im Scheinwerferlicht

Dabei drängt sich dieser Maler nicht gerade auf. Der in Magdeburg geborene Einhoff hatte in Hamburg studiert, dort später selbst eine Kunstprofessur bekleidet. Einhoff blieb der Stadt bis an sein Lebensende treu. In das Scheinwerferlicht des Kunstmarktes hat es ihn nie gedrängt. Große Ausstellungen, virulente Verkaufserfolge? Fehlanzeige bei diesem Maler, der ein Außenseiter blieb. Mechthild Achelwilm, Kuratorin am Osnabrücker Museumsquartier, hat sich mit diesem Werk während ihrer Zeit an der Hamburger Kunsthalle beschäftigt. Jetzt wird Einhoff in Hamburg und Osnabrück gezeigt.

Vor dem Verlöschen

Dieser Maler macht es seinen Betrachtern zunächst nicht leicht. Seine Figuren erscheinen auf den Bildern wie Schemen kurz vor dem endgültigen Verlöschen. Einhoff hat seine Bildoberflächen aus Farbe, Sand, Erde und Asche zu schrundigen Reliefs aufgebaut und dann wieder abgekratzt. Verletzung ist das eigentliche Thema dieses Oeuvres. Einhoff zeigt das bereits in seiner künstlerischen Methode. Die Gesichter seiner Figuren bleiben zum Teil leer. Mal tauchen die Menschen bei ihm einzeln und verloren auf, mal wirken sie in Bildern, die wie Familienfotos aussehen, gleichfalls einsam und haltlos.

Erfahrung des Todes

Ob der Maler, der am Ende des Zweiten Weltkrieges neun Jahre alt war, in seiner Kunst frühe Erfahrungen von Entstellung und Tod reflektiert? Diese Vermutung liegt nahe. Und noch eine Information lässt sich den Eckdaten seiner Biografie entnehmen. Einhoff hat stets gegen die Konjunkturen des Kunstmarktes gearbeitet. Als Kunststudent bleib er bei der Figuration. Zur gleichen Zeit dominierte das abstrakte Informel. Und der Beginn seines Hauptwerkes datiert aus jener Epoche, als die in den Achtzigern die farbenfrohen Großformate der Postmoderne den Zeitgeist repräsentierten. Einhoff blieb Einzelgänger. Das entspricht diesem einsträngigen, in sich gekehrten Werk.

Osnabrück: „Das vertraute Unbekannte“. Gemälde und Zeichnungen von Friedrich Einhoff im Museumsquartier. Foto: Jörn Martens

Bilder auf dem Boden

Kuratorin Mechthild Achelwilm hat alles getan, um aus Einhoffs Bildern ein starkes Ausstellungserlebnis zu machen. Sie hat die Bilder intelligent zu Gruppen zusammengefasst, sie auf dem Boden des Oberlichtsaals des Kulturgeschichtlichen Museums ausgelegt und damit die originale Ateliersituation nachempfunden. So kommt dieses strenge Bildwerk so in Bewegung, dass Beziehungen offensichtlich werden. Einhoffs zerquälte Figuren erinnern an die gequetschten Körper von Francis Bacon und an die deformierten Gestalten von Maria Lassnig. Einhoff zeigt, dass das Leben eine einzige Befremdung sein kann. Einhoffs Werk, das bislang meist nur in kleineren Galerien gezeigt worden war, verdient neue Aufmerksamkeit. Dass sie ihm nun in zwei prominenten Museen zuteil wird, dürfte auch die Macher der Hamburger Galerie Levy freuen, die den Nachlass des Künstlers betreut.

Osnabrück, Museumsquartier: Friedrich Einhoff: Das vertraute Unbekannte. Eröffnung: Sonntag, 23. Juni 2019, 11:30 Uhr. Bis 15. September 2019. Di.-Fr., 11-18 Uhr, Sa., So., 10-18 Uhr. Zur Information über die Ausstellung geht es hier. 


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