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Verleihung des Iffland-Rings Jens Harzer nun der "Würdigste" unter den Theater-Schauspielern

Von dpa und lod

In der Oper "Penthesilea" 2018 im Landestheater Salzburg spielte Harzer die Figur Achilles. Foto: imago images/Rudolf GiglerIn der Oper "Penthesilea" 2018 im Landestheater Salzburg spielte Harzer die Figur Achilles. Foto: imago images/Rudolf Gigler

Wien. Vor rund 200 Jahren gestiftet ist der Iffland-Ring heute eine Art Ritterschlag: Der bedeutsamste Schauspieler des deutschen Theaters soll ihn tragen. Schauspieler Jens Harzer bedankte sich auf seine Weise.

Jens Harzers Dank für die Überreichung des Iffland-Rings, der wohl größten Auszeichnung im deutschsprachigen Theater, kam ohne eigene Worte aus. Der 47-Jährige las am Sonntag im Wiener Burgtheater lieber die Erzählung "Unverhofftes Wiedersehen" von Johann Peter Hebel aus dem Jahr 1811. Darin stirbt ein Bergmann kurz vor der Hochzeit, seine unter Tage konservierte Leiche wird Jahrzehnte später geborgen und die Beerdigung von der immer noch trauernden Verlobten als Hochzeit inszeniert. 

Danach herzte Harzer die Festredner Peter Handke und Johan Simons, wurde minutenlang vom Publikum gefeiert – und verließ die Bühne. Es wirkte, als wolle er die Bedeutung des Moments nicht noch durch eigenes Zutun aufladen. 

Jens Harzer bei der feierlichen Übergabe des Iffland-Rings im Wiener Burgtheater. Foto: dpa/APA/Herbert Neubauer

Der Träger des Iffland-Rings gilt als der "bedeutendste und würdigste Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters". Der im Februar gestorbene Schweizer Bruno Ganz hatte den Ring Harzer testamentarisch auf Lebenszeit vermacht. 

Die Intendantin des Burgtheaters, Karin Bergmann, bezeichnete die Auszeichnung als ein "geheimes Vermächtnis", das unbeeinflusst von Feuilletons und öffentlicher Meinung zugedacht werde. Der Ring sei keine Goldmedaille, sondern ein "Zeichen der emphatischen Anerkennung eines großen Künstlers an einen anderen großen Künstler". Handke erinnerte in seiner Festrede an das Geheimnis der Schauspielkunst. "Es ist nicht Menschenkenntnis, sondern es ist Menschenerkenntnis im Moment des Spiels." 

Harzers Spezialitäten

Der Intendant des Schauspielhauses Bochum, Johan Simons, würdigte als Laudator die Präsenz Harzers auf der Bühne, den es zu beobachten lohne, auch wenn er scheinbar nur ruhig in der Ecke sitze. 

Der eher schmale Harzer ist bekannt für seinen subtilen Einsatz von Sprache und seine intensive Bühnenpräsenz. Der NDR bezeichnet Harzer als "Meister des Monologs". Er spreche die Texte nicht, er entwickele sie beim Sprechen. Außerdem beeindrucke seine minimalistische Gestik.

Was den Künstler Jens Harzer auszeichnet, sind die sparsamen Mittel und seine Präsenz. Ihm reicht eine einzige Geste, um eine Geschichte zu erzählen.Aus NDR-Porträt über Jens Harzer

Seit Jahren in Hamburg auf der Bühne

Der in Wiesbaden geborene Harzer ist seit zehn Jahren Ensemble-Mitglied am Hamburger Thalia Theater. 


Zunächst hatte er Engagements an den Münchner Kammerspielen und beim Bayerischen Staatsschauspiel. Bei den Salzburger Festspielen mimte Harzer von 2001 bis 2004 im "Jedermann" den Tod. Am Burgtheater war er mit dem Gastspiel "Immer noch Sturm" von Peter Handke zu sehen. Im Fernsehen spielte Harzer Rollen im "Tatort" und der Serie "Babylon Berlin". 2008 und 2011 war Harzer laut Kritikerumfrage der Zeitschrift "Theater heute" Schauspieler des Jahres. 

Jens Harzer (rechts) als Dr. Schmidt in der zweiten Staffel der Serie "Babylon Berlin". Foto: Fredéric Batier/X Filme/ARD/dpa

Der Ring wurde vom damals berühmten Schauspieler August Wilhelm Iffland (1759-1814) gestiftet. Seine heutige Bedeutung gewann er aber erst im Lauf der Zeit. Jeder Träger muss innerhalb der ersten drei Monate bereits einen Nachfolger bestimmen. Unter den neun bisherigen Trägern sind ausschließlich Männer, was zuletzt Kritik hervorgerufen hatte. Angeblich hatte Bruno Ganz, der den Ring 23 Jahre lang trug, ursprünglich den Burgtheater-Schauspieler Gert Voss als Nachfolger auserkoren. Voss starb aber 2014. 

Der 2014 vom Schauspieler Bruno Ganz verfasste handschriftliche Brief verfügt, dass der Schauspieler Jens Harzer den Iffland-Ring (links) als Nachfolger erhält. Foto: dpa/Bundeskanzleramt

Harzers Vorbild war Bruno Ganz. Bei dessen Beisetzung in Zürich verlas Harzer die Trauerrede des Dramatikers Botho Strauß. In der Botho-Strauß-Inszenierung "Ithaka" an den Münchner Kammerspielen standen Harzer und Ganz 1996 gemeinsam auf der Bühne. Ganz als Odysseus, Harzer als sein Sohn.

Harzer: War in den letzten Jahren mit dem Tod konfrontiert

In einem Interview mit der "New York Times" sagte Harzer kürzlich: "Das Schöne an dem Ring ist, dass er eine subjektive Wahl ist. Das macht ihn fast sympathisch". In der Frage, ob die Auszeichnung künftig auch an eine Schauspielerin gehen sollte, positionierte sich Harzer eindeutig. Natürlich sollte eine Frau ihn bekommen können, meinte er. "Ich würde provokativ sagen, es ist unwichtig, ob der Name auf meinem Papier ein Mann oder eine Frau ist." 

In dem Interview betonte er auch die dunkle Seite des Rings. Die Auszeichnung mit der Pflicht zum künstlerischen Testament bedeute, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen. Darin habe er Erfahrung. Vor zwei Jahren sei bei ihm eine lebensbedrohliche Erkrankung festgestellt worden. Welche, wollte er nicht sagen. Aufgrund der Diagnose habe er seine Bühnenarbeit unterbrechen und sich diversen Operationen unterziehen müssen. "Mein Vorteil ist, dass ich in den letzten Jahren mit dem Tod konfrontiert war."

Als Familie haben wir, mit meinen beiden Kindern, eine schwere Zeit hinter uns. Ich habe nun so sehr mit dem Tod gerungen, dass ich ihn nicht fürchte.Jens Harzer in der "New York Times"



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