Der Nabel der Welt Tanz-Festival „360 Grad Orient“ zum zehnten Mal in Osnabrück

Weiblichkeit ist eines der Themen, die im Orientalischen Tanz von Anna Heinrich alias Delanna behandelt werden. Foto: Katarina GorodnyayaWeiblichkeit ist eines der Themen, die im Orientalischen Tanz von Anna Heinrich alias Delanna behandelt werden. Foto: Katarina Gorodnyaya

Osnabrück. Die Show „360 Grad Orient“ bringt die Welt des orientalischen Tanzes von Freitag bis Sonntag zum zehnten Mal nach Osnabrück. Die mehrfache Deutsche Meisterin und Weltmeisterin Anna Heinrich alias Delanna organisiert das Festival im Haus der Jugend, das zeigt, dass der Bauchtanz nicht das ist, was im Allgemeinen hierzulande damit verbunden wird.

Dass in Deutschland der Begriff Bauchtanz benutzt wird, ist oberflächlich. Er beziehe sich nur auf äußere Merkmale und den ersten Eindruck, sagt Anna Heinrich. „Beschäftigt man sich intensiver mit dem Tanz, entdeckt man ein breites Spektrum und zwar nicht nur an den Bewegungen, sondern auch an Hintergrund, Geschichte, Politik, Religion und Kultur, die eng mit dem Tanz verknüpft sind. Daher umfasst der Begriff Orientalischer Tanz die Thematik präziser.“

Die 35-Jährige ist überzeugt, dass das Thema Weiblichkeit in keiner anderen Tanzrichtung so stark ausgeprägt ist wie im Orientalischen Tanz. „Aber auch dieses Thema wird in Europa belächelt, denn Weiblichkeit wird direkt als Feind der Emanzipation angesehen. Emanzipation und Weiblichkeit neben einander – das geht.“

Emotionen lernen Tanzen

Aus technischer Sicht lebt der Orientalische Tanz in erster Linie von der Musik und ihrer Interpretation, so Heinrich. „Die arabische Musik hat ein sehr reiches Repertoire von klassischen Kompositionen bis zu den modernen, elektronischen Stücken.“ Während der Gala-Show am 22. Juni werde die Band Mazzikatea Europe einen Umriss der musikalischen Schönheit und Vielfältigkeit bieten, sagt die Betreiberin eines Tanz-Studios am Goethering in Osnabrück. „Rein bewegungstechnisch betrachtet, liegt der Fokus des Tanzes im Becken und Bauchbereich, gefolgt mit Schrittfolgen und Mimiken und Gestiken“, so Anna Heinrich. Die eigentliche Faszination des Tanzes liege aber nicht nur an der Körperbeherrschung, sondern im Ausdruck und den Emotionen. „Das war auch der Grund warum die legendären Choreographen und Tänzerinnen des Modern Dance wie Isadora Duncan und Martha Graham sich schon im 19 Jahrhundert gerade vom Orientalischen Tanz inspirieren ließen. Nicht von den Bewegungen, sondern von dem Weg, die Gefühle und die Emotionen durch die Bewegung darzustellen.“ Sie selbst sei eine Improvisationstänzerin und bereite sich auf ihre Show vor, indem sie sich mit dem Stück auf der musikalischen und inhaltlichen Ebene beschäftige.

Tanz als Integration

Das Festival „360 Grad Orient“ finanziert sich lediglich durch den Verkauf der Eintrittskarten und der Workshops, die an den drei Tagen abgehalten werden. Sie werden zum Teil von Stars der Szene wie Elena Ramazanova aus Russland oder Mercedes Nieto aus Ungarn geleitet. Von der Stadt erhält sie kein Geld, sagt Anna Heinrich. Dabei leiste gerade der Tanz einen nicht unerheblichen Teil zur Integration bei, ist die gebürtige Russin überzeugt. Das Festival hievt den Namen Osnabrücks auch in den Fokus von Anhängern des Orientalischen Tanzes in der arabischen Welt und Russland, wo diese Tanzform besonders beliebt ist. Laut Anna Heinrich kommen die Besucher des Festivals von weit her in die Hasestadt. „Die Gäste bezeichnen es als eines der besten Festivals innerhalb der deutschen Tanzszene, und ich bin glücklich, dass Osnabrück der Standort für diesen Event ist.“

Das Tanz-Festival „360 Grad Orient“ findet von Freitag, 21. Juni, bis Sonntag, 23. Juni, im Haus der Jugend in Osnabrück statt. Tickets und Infos gibt es im Internet unter www.360-orient.de.


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