Ist die Welt verloren? "The Dead Don't Die" – kluger Zombiehorror von Jim Jarmusch

Mit allen Mitteln: Polizist Ronnie (Adam Driver) geht in seinem Hinterland-Dorf auf Zombie-Jagd. Foto: Universal Pictures GermanyMit allen Mitteln: Polizist Ronnie (Adam Driver) geht in seinem Hinterland-Dorf auf Zombie-Jagd. Foto: Universal Pictures Germany

Osnabrück. Die Zombiekomödie "The Dead Don't Die" ist Jim Jarmuschs gelungener Kommentar zur Klimakatastrophe.

Die Apokalypse naht! Die Anzeichen mehren sich. Ameisen verlieren ihren Orientierungssinn, Haustiere verschwinden und die Sonne scheint noch am späten Abend. Der Grund: Aufgrund von Fracking an den Polen hat sich die Erdachse verschoben. Doch das Schlimmste: Die Toten kehren auf die Erde zurück!

Die ersten Opfer der untoten Zombies in dem US-Hinterland-Nest Centerville (mit, laut Ortsschild, 738 Einwohnern) sind zwei Angestellte eines lokalen Restaurants. Sie werden brutal angegriffen. Die Zombies (unter ihnen: Iggy Pop) verstümmeln die Frauen, fressen teilweise ihr Fleisch.

Eine harte Nuss für die lokalen Polizisten Cliff (Bill Murray), Ronnie (Adam Driver) und Minnie (Chloë Sevigny). Sie und andere Bewohner des Städtchenssehen sich einem Heer von blutgierigen Monstern ausgesetzt, unter ihnen eine geheimnisvolle, schottische Bestatterin und Buddhistin (Tilda Swinton),  der rassistische Farmer Frank Miller (Steve Buscemi), auf dessen Baseball-Kappe „Make America White Again“ steht, sowie der Waldschrat und Hühnerdieb Hermit Bob (als eine Art griechischer Chor).

Unschädlich machen kann man die Zombies nur, indem man ihren Kopf abtrennt. Am Ende steht ein finaler Kampf auf dem (passenderweise) örtlichen Friedhof bevor. Ein aussichtsloses Unterfangen?

Kann die Erde gerettet werden? Vor Klimawandelleugnern wie Donald Trump, vor der Gier der Energiekonzerne, vor dem Kollaps? Was nach aktuellen politischen Fragen klingt, wird in „The Dead Don‘t Die“, Jim Jarmuschs diesjährigen Cannes-Eröffnungsfilm, kaum verklausuliert dargestellt. Dass Jarmusch dafür das Genre des Zombie-Films wählt, ist dabei ein kluger Schachzug.

Denn seit George A. Romero 1968 mit „Die Nacht der lebenden Toten“ die Gattung revolutionierte, gelten Zombie-Filme oft als Gesellschaftsparabeln. Ob gegen den Vietnamkrieg, Rassismus, Konsumwahn, ausufernden Kapitalismus oder Militarismus – die einst bei Jugendschützern übel beleumundeten Horrorfilme habe längst intellektuelle Weihen erhalten. Leider sind sie aber auch längst in den Unterhaltungs-Mainstream eingedrungen, wie diverse aktuelle TV-Serien, Kinofilme oder Computerspiele beweisen. 

Umso schöner dieser Film. Nicht nur erweist Jarmusch mit kundigen Zitaten Romero seine Ehre, auch besitzt der Film den wunderbar entschleunigten, komödiantischen Stil seines Regisseurs. Wobei das Lachen oft im Halse stecken bleibt. Denn wie wie Romero erweist sich Jarmusch als Kulturpessimist, als Fatalist. "The Dead Don't Die" ist ein  im besten Sinne des Wortes – verstörendes Erlebnis. Besonders zum Ende hin. So entpuppt sich der Film  nicht nur als gelungene Verbeugung vor dem „sozialkritischen“ Zombiefilm (mitsamt eines gelegentlichen Hebens auf eine Metaebene), sondern offenbart sich auch als bittere Gesellschaftsparabel. 

Ein Genrefilm als Menetekel.: Dass das verschlafene Centerville nicht das Zentrum der Welt ist, ist klar. Dass die Auswirkungen der Zerstörung unseres Planeten jedoch das zentrale Problem der Menschheit ist, macht der Film deutlich.Wie gesagt: Die Apokalypse naht, die Zeichen dafür sind – leider auch in der Realität - längst da. 

„The Dead Don‘t Die“. USA 2019. R.: Jim Jarmusch. D.: Bill Murray, Adam Driver, Chloë Sevigny, Tilda Swinton, Tom Waits, Steve Buscemi, Danny Glover. 103 Minuten. FSK: ab 16


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