Stadt würdigt Engagement der Seenotretter Osnabrücker Friedenspreis für "Sea-Watch"

Von Katharina Preuth und Christine Adam

Für die Rettung von Migranten aus dem Mittelmeer ehrt die Stadt Osnabrück den zivilen Verein "Sea-Watch". Foto: dpa-Bildfunk/Salvatore CavalliFür die Rettung von Migranten aus dem Mittelmeer ehrt die Stadt Osnabrück den zivilen Verein "Sea-Watch". Foto: dpa-Bildfunk/Salvatore Cavalli

Osnabrück. Die deutsche Initiative „Sea-Watch“ rettet seit 2015 Geflüchtete aus Seenot im Mittelmeer. Jetzt wird sie mit dem Sonderpreis des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises ausgezeichnet, den die Stadt Osnabrück alle zwei Jahre vergibt.

Den mit 25000 Euro dotierten Hauptpreis erhält der kenianische Schriftsteller und Kulturwissenschaftler Ngugi wa Thiong’o, der sich mit seinen Romanen und Schriften für die Dekolonisierung Afrikas in Sprache und Denken einsetzt. „Mit Ngugi wa Thiong’o zeichnen wir einen Schriftsteller aus, dem es um Selbsbestimmung afrikansicher Kulturen geht und um eine Loslösung aus kolonialen Zwängen“, so die Jury bei der Bekanntgabe in Osnabrück. 

Humanitärer Einsatz

Die zehnköpfige Jury des Osnabrücker Preises ehrt den humanitären Einsatz von „Sea-Watch“, mit dem sie seit 2015 bereits Tausenden von Geflüchteten das Leben rettete. Sie würdigt darüber hinaus das Eintreten von „Sea-Watch“ für legale Flucht-, beziehungsweise Einreisewege und spricht sich dagegen aus, solche „Seenotrettung weiter zu kriminalisieren“, wie Jury-Mitglied Thomas Schneider und Vorsitzender des Osnabrücker Remarque-Friedenszentrums bei einer Pressekonferenz betonte.

Die libysche Küstenwache macht den „Sea-Watch“-Booten seit Jahren Rettungseinsätze schwer. Und die italienische Regierung hat zivilen Notrettern wie auch der „Sea- Watch 3“ wiederholt die Einfahrt nach Italien untersagt. Es kam zu juristischen und politischen Auseinandersetzungen, die hohe Wellen schlugen.

Gegenwind von Rechts

Zurzeit liegt die Sea-Watch 3, das Rettungsschiff der Organisation, in italienischen Gewässern und wird dort an der Weiterfahrt gehindert. Die italienischen Behörden verbieten zivilen Seenotrettern, die Menschen an Land zu bringen. Gegen den Willen vor allem des rechtsextremen Innenministers Matteo Salvini konnten die Migranten die Insel Lampedusa erreichen. Angefeuert durch den EU-Wahlkampf, will Salvini durchsetzen, dass Hilfsschiffe für jeden Migranten, den sie illegal nach Italien bringen, bis zu 5500 Euro Strafe zahlen. „Wir haben strikt internationales Recht und die italienische Verfassung befolgt“, hat sich Sea-Watch auf Twitter geäußert.

Erst Anfang des Jahres gab es ein ähnliches Szenario, als unter anderem das Sea-Watch-Schiff wochenlang mit Migranten an Bord vor der Küste Maltas ausharren musste. Auch hier weigerte sich die Regierung, die Menschen aufzunehmen. Mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland, hatten schließlich gemeinsam eine Lösung gefunden.

EU-Regelung fehlt

Dennoch fehlt eine generelle Regelung, wie die EU mit geretteten Bootsflüchtlingen umgeht. Viele zivile Seenotretter sind von der Hafenblockade Italiens abgeschreckt. Neben den beiden deutschen Organisationen Sea-Eye und Sea-Watch ist unter anderem die spanische NGO Proactiva Open Arms unterwegs. Die EU indes unterstützt die libysche Küstenwache, die Migranten zurück in das Bürgerkriegsland bringt


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