Remake des Trickfilms Bezaubernder Dschinni: So gut ist Will Smith in „Aladdin“

Lustig: Aladdin (Mena Massoud) trifft Dschinni (Will Smith). Foto: Courtesy of DisneyLustig: Aladdin (Mena Massoud) trifft Dschinni (Will Smith). Foto: Courtesy of Disney 

Berlin. Es geht auch ohne weiße Stars: Disney legt „Aladdin“ neu auf, mit Will Smith und in einer radikal anderen Welt.

„Dschungelbuch“, „Dumbo“, „König der Löwen“: Disney legt seine Trick-Klassiker gerade in Serie als Realfilm neu auf. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis „Aladdin“ an der Reihe ist. Die Geschichte des Straßendiebs, der mithilfe des Lampengeistes Dschinni eine Prinzessin erobert, war immerhin der erfolgreichste Film des Jahres 1992. Mit Kosten von 28 Millionen Dollar spielte er eine halbe Milliarde ein. 

Zwei Umstände unterscheiden den Stoff von den bisherigen Remakes: Einerseits hat die amerikanische Aufgeschlossenheit gegenüber dem Morgenland stark nachgelassen. Andererseits herrscht inzwischen eine hohe Sensibilität dafür, wie Hollywood mit anderen Kulturen umgeht. Um Debatten um die Weißwaschung der Geschichte zu vermeiden, hat Disney fast komplett auf weiße Schauspieler verzichtet – einen vertrottelten Prinzen aus dem hohen Norden mal ausgenommen. In den Hauptrollen sind stattdessen der Newcomer Mena Massoud als Aladdin zu sehen, die wenig bekannte Naomi Scott als Prinzessin Jasmin – und als Dschinni: Will Smith.

Der geborene Dschinni: Will Smith

Dem Fokus auf diesen Superstar ist es zu verdanken, dass der Film trotz aller Fallstricke und Rücksichten sehr lustig geworden ist. Dabei wirkt das Musical in der ersten halben Stunde noch gebremst – und das, obwohl es mit einer Verfolgungsjagd quer über den Bazar beginnt: Die Unschuld des Liebeswerbens, der Edelmut der Helden und die dekorative Pracht strahlen trotzdem eine enorme Biederkeit aus, die allerdings in derselben Sekunde endet, in der Aladdin an der Wunderlampe reibt.

Schon mit dem ersten Auftritt des Dschinns explodiert dann der Film: Will Smith macht die Schatzhöhle, in der seine Wunderlampe eben noch verstaubte, zur Show-Bühne und brennt ein magisches Feuerwerk ab. Der Geist ist vorne, hinten und an alle Orten zugleich, schrumpft, bläst sich auf, zündet Rauch- und Konfettibomben und lässt seinen Gebieter als Marionette an Fäden tanzen. Zwar muss der Geist muss seinem Herrn traditionell drei Wünsche erfüllen. Eine servile Natur ist er deswegen noch lange nicht. Nach der quälenden Langweile in der Lampe tobt er sich nun übermütig aus und überrumpelt Aladdin dabei genauso wie das atemlose Publikum. 

Nach der ersten Nummer zaubert Dschinni sich gleich in den nächsten Rausch: Weil der Taschendieb zum Prinzen werden will, um die Sultanstochter zu gewinnen, schickt der Geist ihn mitsamt einer Parade aus Elefanten, Straußenvögeln und tanzenden Hundertschaften in die Märchenstadt Agrabah. Einen Moment lang hofft man, dass es bis zum Abspann immer so weitergeht. Für ein derart psychedelisches Kunstwerk waren der Effekte-Etat und der erzählerische Mut aber wohl doch nicht groß genug. 

Wie war das noch im ersten „Aladdin“?

Natürliche sind die Zaubereien des Wundergeistes schon in der Vorlage ein gewaltiges Spektakel. Was man damals als Repertoire des Cartoon-Humors abhakte, entfaltet im Realfilm-Setting aber tatsächlich eine neue Wirkung. Hinzu kommt, dass die Rolle aufgewertet und ganz auf das begnadete Spielkind Will Smith zugeschnitten wurde. Dschinni bekommt eine eigene Liebesgeschichte und wird über eine Rahmenhandlung sogar zum Erzähler und der eigentlichen Hauptfigur. 1992 war es genau andersherum: Damals hatte Robin Williams als Dschinnis Stimme auf Millionen verzichtet, nur um im Marketing eine möglichst geringe Rolle zu spielen. „Aladdin“ sollte Williams‘ fast zeitgleich gestartetem „Toys“ nicht das Wasser abgraben.

Natürlich hat sich auch der Blick auf die Geschlechterverhältnisse im Märchenpalast geändert: Jasmins schon im Original angelegte Geschichte einer weiblichen Selbstbehauptung wird ausgebaut und mit einem Song des Stammkomponisten Alan Menken geadelt: In „Speechless“ schwört Naomi Scott, dass niemand der Prinzessin den Mund verbietet. Der Text ist so subtil wie der Eurovision Contest; aber das ist schon Jammern auf hohem Niveau: Dass „Aladdin“ den guten Vorsatz eines diverseren Kinos umsetzt und dabei zumindest im Mittelteil befreit und unbefangen herumalbert, ist schon eine beachtliche Leistung.

„Aladdin“. USA 2019. R: Guy Ritchie. D: Mena Massoud, Will Smith, Naomi Scott. 128 Minuten. FSK ab 6 Jahren. Start: 23. Mai 2019.

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