Schwarzhumoriger Textkonstrukteur Wilfried Schmickler gastierte in der „Stadt der Aufsteiger“

Kabarettist Wilfried Schmickler gastierte in der Lagerhalle. Foto: Swaantje HehmannKabarettist Wilfried Schmickler gastierte in der Lagerhalle. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Am Wochenende gastierte Wilfried Schmickler in Osnabrück: Der Meister des Oldschool-Kabaretts präsentierte in der Lagerhalle sein neues Programm „Kein Zurück!“

Musik schallt sanft aus den Lautsprecherboxen. „Lassen sie uns ein wenig Bsirske hören“, sagt der Mann auf der Bühne. Er lässt den Namen ein wenig im Raum stehen, dann verbessert er sich – wie einst Heinz Erhardt: „Ich meinte natürlich Verdi“. Den Kalauer geradezu entschuldigend schiebt er hinterher: „Kann man ja mal machen.“ 

Wilfried Schmickler ist im Haus. Der Meister des Oldschool-Kabaretts ist mit neuem Programm unterwegs und legt wie eh und je einen Zwischenstopp in seiner „Lieblingslagerhalle“ ein. Nachdem er das Publikum und vor allem die Fußballfans in der „Stadt der Aufsteiger“ begrüßt hat, startet er seinen irrwitzigen Redefluss, der diesmal unter dem Motto „Kein Zurück!“ steht.

Foto: Swaantje Hehmann

Zunächst schickt er seine Grüße an alle Datendiebe im Netz, die sich auf unsere Kosten bereichern, bedankt sich bei allen Krankenpflegern und Erzieherinnen, die hierzulande finanziell auf keinen grünen Zweig kommen, bei Feuerwehrleuten und Rettungskräften, die sich heutzutage anpöbeln lassen müssen, er solidarisiert sich mit allen „Schulschwänzern und Gutmenschen“. Schmickler stammt halt aus einer Generation, in der eine kritische Haltung gegenüber Staat und Gesellschaft zum guten Ton gehörte.   

Politiker aufs Korn genommen

Daher nimmt er auch schon bald Politiker aller Couleur aufs Korn. Ob Andrea Nahles oder Annegret Kramp-Karrenbauer, ob Christian Lindner oder Bundeskanzelerin Merkel, alle bekommen ihr Fett weg. Vor allem die „Luftpumpen von der CSU“. Horst Seehofer tituliert er „Heimatmuseumswärter“, Alexander Dobrindt den „Che Guevara der Reihenhäuser“. Schließlich landet er bei den Rechten. Weil er ein „AfD-Tourette“ habe, könne er sein „Schmähzentrum“ nicht im Zaum halten. Daher setzt er zu einer mit äußerster Verve vorgetragenen Tirade gegen alle Populisten und ihre Sympathisanten an. „Im Spreewald gab es im vergangenen Jahr keinen Gurkenkönig, weil den Job niemand machen wollte. Wo ist denn die AfD, wenn man sie braucht!“ setzt er seiner Schmährede ein i-Tüpfelchen auf.

Genialer Textkonstrukteur

Schmickler rechnet mit Spitzensportfunktionären ab, mit gerontophoben Joggern in kunterbunter Funktionskleidung, mit den Machern von „Sondermüll-TV“ und Promis bei den „Wagner-Pestspielen“. Und weil er traditionelles Kabarett macht, singt er dann und wann auch ein satirisches Lied.

So beweist Schmickler einmal mehr, dass er ein genialer Textkonstrukteur, ein schwarzhumoriger Verseschmied, ein großer Zyniker vor dem Herrn, ein grantelnder Kabarettist der alten Schule ist, der gegen Ende seines Programms Berthold Brecht zitiert: „Der Hass gegen die Niedrigkeit verzerrt die Züge…“ Gut, dass es ihn gibt.


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