Isabelle Huppert als Psychopathin "Greta": ein Psychothriller um Mutterinstinkte

Isabelle Huppert als eiskalte Psychopathin "Greta". Foto: Widow Movie, LLC and ShowboxIsabelle Huppert als eiskalte Psychopathin "Greta". Foto: Widow Movie, LLC and Showbox

Osnabrück. "Greta" präsentiert Frankreichs Star-Ikone Isabelle Huppert in einem in New York spielenden Thriller des Iren Neil Jordan.

Es beginnt, wie meist in Psychothrillern, ganz harmlos. Und zwar hier mit einer grünen Handtasche. Denn die wird von der jungen Kellnerin Frances (Chloë Grace Moretz) in der New Yorker U-Bahn gefunden. Gutmütig wie sie ist, will sie diese ihrer Besitzerin zurückgeben, denn sie findet darin deren Adresse.

Sie führt zu einem kleinen Hinterhofhaus in Manhattan. Bewohnt wird es von der verwitweten Greta (Isabelle Huppert). Offenbar vereinsamt bemüht sich Greta um die Freundschaft mit der jungen Frau.

Doch dann der Schock: Als Frances aus Versehen eine falsche Schranktür öffnet, muss sie erkennen, dass sie zum Opfer eines grausamen Psychospiels geworden ist. Fortan wird sie von Greta verfolgt. Erst sind es nur Telefonanrufe, dann taucht die angeblich aus Frankreich stammende Mutter einer Klavierschülerin in Paris am Arbeitsplatz von Frances und sogar vor deren Wohnungstür auf.  Und schließlich bedroht sie Erica (Maika Monroe, bekannt aus "It Follows“), die Mitbewohnerin von Frances. 

Als die Verfolgte in der Vergangenheit von Greta forscht, kommt sie einigen düsteren Geheimnissen auf die Spur. Hinter so mancher Fassade steckt ein erschreckender Abgrund des Schreckens. 

Sicher, das Genre des „Stalker-Horrors“ erfindet der irische Regisseur Neil Jordan nicht neu. Gelungene Beispiele für diese Gattung wären etwa Clint Eastwoods Regiedebüt „Play Misty for Me!“ (1971), Roman Polanskis brillantes Kriminaldrama „Nach einer wahren Geschichte“ (2017) oder „Eine verhängnisvolle Affäre“ , der zu den größten Kassenhits der 80er gehörte. Das Thema bleibt also (leider auch in der Realität) aktuell. 

Und doch: „Greta“ gehört zu jenen feinen Genrestücken, die es leider immer weniger ins Kino schaffen, es aber verdient haben, ein größeres Publikum zu finden.

Zwar variiert der Film hier lediglich sattsam bekannte Versatzstücke, aber immerhin durchaus geschickt. Das mag sicher auf Kosten eines individuellen Stils gehen, ist Neil Jordan doch vor  allem als Schöpfer von Meisterwerken wie dem IRA-Drama  „The Crying Game“ (1991), dem Gangsterdrama „Mona Lisa“ (1986) oder dem "Rotkäppchen"-Horrorfilm  „Zeit der Wölfe“ (1984) bekannt. 

Mit seinem neuesten Film nach Jahren der Abstinenz erweist er sich jedoch vor allem als effektiver Genrefilmer. Da stören auch eine Klischees kaum. Wie etwa die (realitätsferne) luxuriöse und schicke Loft-Wohnung der beiden jungen Frauen im New Yorker Szenestadtteil Tribeca, das fast schon klischeemäßig-altmodische Häuschen von Greta (das übrigens in Irland steht) oder auch gewisse sonstige Übertreibungen (wie etwa eine vom Sanitäter angebrachte Zwangsjacke für Greta nach einem ihrer Anfälle).   

Doch wer darüber hinwegzusehen vermag, wird belohnt mit einem die Daumenschrauben anziehenden Finale, und einer schaurig-schönen Märchen-Variante, in der die Huppert eine böse Hexe spielt, deren Wohnung übrigens mitunter an das Knusperhäuschen aus "Hänsel und Gretel" erinnert.

Grandios ist auch die Besetzung: Isabelle Huppert als eiskalte Psychopathin ist wie stets eine Idealbesetzung, die lammfromm erscheinende Chloë Grace Moretz, die zuletzt in „Suspiria“ glänzte, spielt überzeugend das unschuldige Opfer, während der wie stets zerknittert aussehende Stephen Rea, Stammschauspieler Neil Jordans, einen schönen Gastauftritt als Privatdetektiv hinlegt.

„Greta“ erweist sich also vor allem als ein mit A-Stars besetzter spannender  B-Film. Nicht mehr - aber ganz gewiss auch nicht weniger.

„Greta“. Irland/USA/China 2019. R.: Neil Jordan. D.: Isabelle Huppert, Chloë Grace Moretz, Maika Monroe, Stephen Rea. 98 Minuten. FSK: ab 16.


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