#Bananagate wegen "Zensur" Obszöne Bananenbilder? Polnisches Museum hängt Kunstwerke ab

Proteste mit Bananen vor dem polnischen Nationalmuseum. Foto: dpa/AP/Czarek SokolowskiProteste mit Bananen vor dem polnischen Nationalmuseum. Foto: dpa/AP/Czarek Sokolowski
dpa/AP/Czarek Sokolowski

Warschau. Erst war es die Banane in Erdogans Hintern, nun erregt wieder ein Kunstwerk mit der gelben Frucht die Gemüter. In Polen protestieren hunderte für Kunstfreiheit, nachdem ein Museum provokative Bananen-Bilder entfernen ließ.

Wie provokant darf Kunst sein – in einem erzkonservativ regierten Land? Maßlos, meinen Künstler. Bilder von Frauen, die an Bananen lutschen sind tabu, befand jedoch ein polnischer Museumsdirektor. Er ließ derartige Kunstwerke aus dem Nationalmuseum in Warschau entfernen. Damit löste er eine Protestwelle aus. Der Anfang von #Bananagate.

Gemeint sind Werke der feministischen Künstlerinnen Katarzyna Kozyra und Natalia LL. So sind in der Galerie etwa eine Fotoserie und die Videoinstallation "Consumer Art" von 1973 ausgestellt. 

Abgebildet wird eine junge nackte Frau, die genüsslich Bananen verspeist.

Die Kunstwerke seien obszön und könnten jungen Menschen schaden, sagte Museumsdirektor Jerzy Miziolek nach Angaben der "Gazeta Wyborcza". "Dies ist das Nationalmuseum und einige Dinge im Bezug auf Geschlechterrollen sollten nicht explizit gezeigt werden", zitierte ihn die Zeitung. Die Bilder seien daher aus der Ausstellung geflogen.

Kritiker sehen darin ein weiteres Beispiel für Kunstzensur durch die nationalistische Pis-Regierung. Rund 1000 Polen versammelten sich am Montag zu einer Demonstration – und bissen wutentbrannt in Bananen.

Protest mit Bananen. Foto: AFP/Janek SKARZYNSKI
Proteste mit Bananen. Foto: AFP/Janek SKARZYNSKI

In den sozialen Netzwerken schlossen sich etliche Nutzer dem Protest an und teilten unter #bananagete#BananowyProtest oder #jesuisbanan Bilder von sich, wie sie Bananen essen. 


Das Kulturministerium betonte in einer Stellungnahme, keinen Einfluss auf die Exponate von Museen auszuüben. Allerdings kontaktiere es das jeweilige Direktorium, wenn es Beschwerden von Bürgern gebe. Dies sei passiert. Ein Elternteil habe sich beschwert, sein Kind sei "traumatisiert" worden. Allerdings nicht von der Bananen-Kunst, sondern von Bildern, auf denen sich Frauen ausziehen und Kinder erstochen werden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Museumsdirektor beschreibt Missverständnis

Als Reaktion auf den Wirbel gab Museumsdirektor Miziolek eine Stellungnahme ab, in der er sich von seiner medial verbreiteten Äußerung distanzierte. Er sei falsch zitiert worden, behauptet er und betonte, das Museum habe die Werke im Rahmen einer Neugestaltung der Ausstellung entfernt. 

"Das Nationalmuseum Warschau verfügt über fast 900.000 Exponate. Während der Dauerausstellung präsentieren wir nur 0,5 Prozent davon", heißt es in seiner Erklärung. Nach sechs Jahren soll diese neu zusammengestellt werden. Angesichts der Proteste habe er jedoch entschieden, die Bananen-Kunstwerke bis zum Beginn des Umbaus wieder auszustellen.

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