Neues Bild von Hermann Stenner Das tragische Genie aus Ostwestfalen fasziniert wieder

Eine kleine Kunstsensation? Das Gemälde "Bahnhofsgelände bei Stuttgart" von 1911 von Hermann Stenner wurde jetzt in Bielefeld vorgestellt. Foto: Ingo BustorfEine kleine Kunstsensation? Das Gemälde "Bahnhofsgelände bei Stuttgart" von 1911 von Hermann Stenner wurde jetzt in Bielefeld vorgestellt. Foto: Ingo Bustorf

Bielefeld. Inzwischen ist er fast so bekannt wie seine Künstlerfreunde August Macke und Franz Marc: Hermann Stenner aus Bielefeld war ein früher Star des Expressionismus. Und er verlor sein Leben im Ersten Weltkrieg. Das Stenner Kunstforum stellt nun ein neu entdecktes Bild des Künstlers vor. Der Hype um ihn nimmt Fahrt auf.

Das Motiv des Gemäldes mag unscheinbar wirken, der Künstler ist es längst nicht mehr. Hermann Stenner (1891–1914) galt als Regionaltipp aus Bielefeld. Inzwischen findet sich das Talent, das vor über hundert Jahren als kommender Star der Kunst gesehen wurde, mitten unter den Legenden des Expressionismus. Stenner hat in Bielefeld seit Januar 2019 sein eigenes Ausstellungshaus. Dort wurde jetzt mit „Bahngelände bei Stuttgart“ von 1911 ein Bild vorgestellt, das Experten für einen echten Stenner halten. Eine kleine Kunstsensation?



Früher Tod im Weltkrieg

Rund 250 Gemälde notiert das Werkverzeichnis des Malers, der in nur fünf Jahren seine künstlerische Ausbildung absolvierte und sein gesamtes Werk schuf. Am 5. Dezember 1914 verlor er mit gerade einmal 23 Jahren sein Leben im Ersten Weltkrieg. Der kometenhafte Aufstieg, der tragisch frühe Kriegstod – das vereint Stenner mit August Macke und Franz Marc, zwei Klassiker des Expressionismus, denen der junge Maler in München begegnete. Seine Bilder erinnern stark an diese Stars der Künstlergruppe „Der blaue Reiter“.

Sammler aus Papenburg

Der Papenburger Unternehmer Hermann-Josef Bunte hat eine umfangreiche Sammlung Stenners und anderer Künstler der Moderne zusammengetragen. Sie bilden die Sammlung des Kunstforums Hermann Stenner, das im Januar 2019 in der ehemaligen Bielefelder Handwerkskammer in Blickweite der Kunsthalle eröffnet wurde. Christiane Heuwinkel, bis 2014 langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kunsthalle, agiert seit Kurzem als Geschäftsführerin des Stenner-Forums. Bielefeld hat jetzt sein Energiezentrum der künstlerischen Moderne. Und das spricht sich offenbar herum.

Hoher Preis für Gemälde

Jetzt melden sich zahlreiche Kunstsammler mit echten und angeblichen Bildern des jungen Bielefelder Expressionisten. Hermann Stenner – der Name zieht. Und er bewegt den Kunstmarkt. Erst 2018 erzielte Stenners Gemälde „Christuskopf“ auf einer Versteigerung des Kölner Auktionshauses Lempertz mit 102920 Euro einen achtbaren Preis. Die Tendenz dürfte für diesen Künstler demnächst steigend sein. Das neu aufgetauchte Bild kommt aus der Kollektion eines betagten Stuttgarter Sammlers. Götz Keitel, Großneffe Hermann Stenners und Vorstandsmitglied des Freundeskreises, sowie Jutta Hülsewig-Johnen, Kuratorin der Kunsthalle Bielefeld, haben das neu aufgetauchte Bild als echten Stenner identifiziert.

Auf dünnem Eis?

Die stilgeschichtliche Untersuchung habe keine Zweifel ergeben, versicherte Hülsewig-Johnen. Dabei bewegen sich Kunstexperten mit Zuschreibungen von Bildern eines mehr und mehr gefragten Künstlers auf dünnem Eis. Dem Freundeskreis seien auch gefälschte Stenner-Bilder angeboten worden, räumte Götz Keitel ein. Der Hype um das tragische Genie aus Ostwestfalen ruft offenbar auch unseriöse Akteure auf den Plan. Die Experten wollen wachsam sein.

Bielefeld, Kunstforum Hermann Stenner. Obernstr. 48. Mi., Do., Fr., 14–18 Uhr, Sa., So., 11–18 Uhr. Zu Informationen zum Hermann Stenner Kunstforum geht es hier.


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