Musikalisches Großereignis Die Strahlkraft des Propheten in St. Katharinen

Von Christoph Beyer

Mehr als 200 Akteure der Universitätsmusik Osnabrück standen mit "Elias" auf der Bühne in der St. Katharinenkirche.  Foto: Jörn MartensMehr als 200 Akteure der Universitätsmusik Osnabrück standen mit "Elias" auf der Bühne in der St. Katharinenkirche. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Drei Chöre und das Sinfonieorchester der Universität Osnabrück präsentierten Mendelssohn Bartholdys Oratoriums "Elias" in der Katharinenkirche.

Ein musikalisches Großereignis bot sich den Zuhörern mit der Darbietung von Felix Medelssohn Bartholdys "Elias" in der St. Katharinenkirche. Drei Chöre mit insgesamt rund 200 Sängern, Solisten sowie das Sinfonieorchester der Universität Osnabrück sorgten für eine opulente Interpretation des Oratoriums.

"Hilf Herr! Hilf Herr!" hob es hochdramatisch an, als die Mitglieder des Universitäts-, Kammer- und Popchores nach der Einleitung ihren ersten Einsatz bestritten. Die dichten Reihen im Altarbereich fanden Ihre Entsprechung im Kirchenschiff, wo kein freier Platz mehr zu bekommen war und einige Interessierte noch draußen auf Einlass warteten.

Opernhafte Züge

Felix Mendelssohn Bartholdys (1809 - 1847) Oratorium "Elias" (Opus 70) nach Worten des Alten Testaments für Soli, Chor und Orchester präsentierte sich von Anfang an als schillernd-erhabenes und von aufrüttelnder Dramatik geprägtes Werk, dessen Interpretation den beteiligten Choristen und Solisten vollen Einsatz abverlangte. Dass Mendelssohns musikalische Gestaltung der Geschichte des eifernden Propheten Elias opernhafte Züge trägt, zeigten nicht nur die Veränderungen der biblischen Textvorlage zugunsten szenischer Dramatik an. Auch der permanente Wechsel von musikalischen Stimmungen und Klangfarben verdeutlichte, warum Mendelssohns Oratorium nach seiner Erstaufführung 1846 zuweilen auch als "Ersatzoper" bezeichnet wurde. Die vergleichsweise schnellen szenischen Wechsel in Kombination mit der immer wieder eruptiv hervorbrechenden Dramatik des "Elias" dürften nicht nur den Sängern einiges an Konzentration abverlangt haben.

Wuchtige Dynamik

Die Gesangseinsätze des durchweg aus Studierenden bestehenden Chores schienen ein aufs andere Mal derartig wuchtig laut und auf Überwältigung angelegt zu sein, dass dem spontanen Impuls zum Gehörschutz nicht wenige Zuhörer nachkamen. Der musikalischen Strahlkraft tat dies aber keinen Abbruch. Sigrid Heidemann (Sopran), Kathrin Brauer (Alt), Michael Müller-Kasztelan und Marcin Tlalka (Bass) glänzten durchweg bei ihrer Darbietung der zahlreichen Rezitative, Arien und Duette, begleitet vom punktgenauen Spiel des Sinfonieorchesters der Universität. Die orchestralen Klangflächen mit ihren rhythmisch vielfältig arrangierten Figurationen setzten in beiden Oratoriumsteilen den passenden Rahmen, in dem sich die alttestamentarische Geschichte entfalten konnte. Dass sich das musikalische Gesamtgefüge unter der Leitung von Universitätschordirektor Joachim Siegel an diesem Abend mit einer derartigen Dynamik und Kraft Bahn brach, verwies aber auch auf die intensive, monatelange Vorbereitung aller an diesem musikalischen Großprojekt Beteiligten. 


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