Grossisten-Insolvenz schockiert Osnabrücker Buchhändler bewahren erst einmal die Ruhe

Noch liefert der Großhändler weiter: Lennart Neuffer, Inhaber der Buchhandlung zur Heide, leert eine Kiste des Grossisten KNV. Das Unternehmen hatte Insolvenz angemeldet und damit den Buchhandel verunsichert. Foto: Gert WestdörpNoch liefert der Großhändler weiter: Lennart Neuffer, Inhaber der Buchhandlung zur Heide, leert eine Kiste des Grossisten KNV. Das Unternehmen hatte Insolvenz angemeldet und damit den Buchhandel verunsichert. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Jetzt bloß keine Panik: Die Osnabrücker Buchhandlungen reagieren betont abwartend auf die Insolvenz des Buchgroßhändlers KNV. Dabei ist allen Buchhändlern klar: Das endgültige Aus für KNV hätte massive Konsequenzen für ihr Geschäft. Kleine Verlage leiden schon jetzt.

Kunden werden jetzt nicht länger auf Bücher warten müssen. Die Regale der Buchhandlungen bleiben gut gefüllt - trotz der Insolvenz von KNV. Karin Steinke-Klingenburg spricht dennoch Klartext. „Die Nachricht ist für den Buchhandel dramatisch“, sagt die Inhaberin der Altstädter Bücherstuben. Die Probleme des Medien- und Buchgroßhändlers Koch, Neff & Volckmar (KNV-Gruppe) haben nach ihren Worten keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Buchhandel. Das sensible System der Buchverteilung zwischen Verlagen, Großhandel und Buchhandlungen sei gleichwohl beeinträchtigt. Das endgültige Aus für den Großhändler, mit immerhin 1900 Mitarbeitern ein Pfeiler des Systems Buchhandel, hätte massive Auswirkungen. 

Bücher kommen wieder

In den Osnabrücker Buchhandlungen macht man sich deshalb erst einmal selbst Mut. Abwarten und nicht an den schlimmsten Fall denken: Diese Reaktion zeigen alle Buchhändlerinnen und Buchhändler, die wir gefragt haben. „Die Insolvenz hat kurzfristig wenig Konsequenzen“, stellt Lennart Neuffer, Inhaber der Buchhandlung zur Heide, klar. Die Belieferung mit Büchern läuft, zumal sich die meisten Buchhändler nicht nur auf einen Großhändler stützen. Wie in anderen Buchhandlungen auch, greift man bei zur Heide auf Libri als wichtigsten Großhändler zurück. Zudem haben die Buchverlage ihre Lieferungen an KNV inzwischen wieder aufgenommen, wie Michaela Nienhüser von der Buchhandlung Wenner bestätigt.

Die Regale der Osnabrücker Buchhandlungen werden gefüllt bleiben. Nach der Insolvenz des Grossisten KNV üben sich die Händler in demonstrativer Ruhe. Im Bild: Die Osnabrücker Buchhandlung zur Heide. Foto: Gert Westdörp


"Sehr geschockt"

Der letzte Punkt zeigt allerdings, wie angreifbar das System der Buchlieferungen ist. Eine ganze Reihe von Verlagen hatten nach der Nachricht von der Insolvenz des Großhändlers zunächst ihre Lieferungen eingestellt. Gelieferte Bücher als Teil einer möglichen Konkursmasse: Vor diesem Szenario hatten viele Verlagsleute Angst. „Deshalb waren wir im Moment auch von dieser Nachricht sehr geschockt“, sagt Michaela Nienhüser weiter. Bei KNV sind immerhin 590000 Buchtitel von rund 5000 Verlagen am Lager. Die Buchhandlungen haben deshalb alles Interesse daran, dass diese Titel weiter zirkulieren.

"Schlag für Buchhandlungen"

„Dieser Riese droht, sollte er weiter fallen, einen beträchtlichen Teil der Buchbranche mit sich zu reißen", hieß es inzwischen von der Leipziger Kurt-Wolff-Stiftung, deren Ziel die Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene ist. Die Stiftung fordert gar öffentliche Unterstützung für den Grossisten. „Problematisch wird es für Buchhandlungen, die keine Alternative haben“, macht Lennart Neuffer klar. Ebenso wie Neuffer wünscht sich auch Michaela Nienhüser, dass KNV weiter existiert. „Das wäre sonst ein unglaublicher Schlag für kleine Buchhandlungen“, sagt sie.



Verlage haben zu kämpfen

Ebenso wie ihre Kollegen weiß Karin Steinke-Klingenburg, dass viele kleine Verlage schon jetzt wegen der Insolvenz von KNV zu kämpfen haben. Der Großhändler hat zum Teil bislang nicht das letzte Weihnachtsgeschäft abgerechnet. Diese Zahlungsausfälle können kleine Verlage kaum kompensieren. „Ihr Geld hängt seit Dezember bei KNV fest. Das ist für kleine Häuser hochdramatisch“, sagt Karin Steinke-Klingenburg.

Amazon am Start?

Ein anderes Szenario mag sie sich nicht ausmalen. Was ist, wenn der Internethändler Amazon bei KNV mit frischem Geld einsteigt? „Das wäre furchtbar für unsere Branche. Das wollen wir alle nicht“, sagt Steinke-Klingenburg. Die Erlösmodelle der Buchhandlungen würden sich dann jedenfalls dramatisch verändern. Deshalb gilt jetzt das Mantra Hoffnung. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass für KNV eine Lösung gefunden wird“, sagt Michaela Nienhüser und spricht damit aus, was alle wissen: KNV funktioniert für die Geld- und Warenströme des Buchhandels wie ein Herz, das nicht aufhören darf, weiter zu schlagen.


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