Donnersmarck, Black Panther, Netflix Oscars 2019: Die wichtigsten Stichworte zur Gala

Was bringt die Oscar-Nacht 2019? Foto: Nicolas Armer/dpaWas bringt die Oscar-Nacht 2019? Foto: Nicolas Armer/dpa 

Berlin. Die Vorbereitung der Oscars 2019 war chaotisch – dank Marvel, Netflix und Donnersmarck kann die Gala aber spannend werden.

In der Nacht zum Montag vergibt die Academy of Motion Picture Arts and Sciences zum 91. Mal die Oscars. Die TV-Quoten haben im letzten Jahr einen Tiefpunkt erreicht, die Vorbereitungen zur neuen Gala waren chaotisch. Umso interessanter ist nun, was die Academy dem Publikum bietet. Über diese Aspekte wird diskutiert werden:  

Die Favoriten: Zehn Nominierungen – den diesjährigen Rekord teilen sich Alfonso Cuaróns „Roma“, eine autobiografisch gefärbte Erinnerung an das Mexiko der 70er Jahre, und Giorgos Lanthimos‘ „The Favourite“. Das Königsdrama erzählt eine weibliche Dreiecksgeschichte aus dem frühen 18. Jahrhundert. Eine Big-Five-Nominierung (mit Chancen in den fünf Hauptkategorien Film, Regie, Hauptdarsteller/in und Buch) haben beide verpasst – weil ihnen männliche Hauptdarsteller fehlen. Weitere aussichtsreiche Filme sind das Musical „A Star is Born“ sowie das Dick-Cheney-Porträt „Vice“ (je acht Nominierungen).

Moderation: Üblicherweise übernimmt ein Moderator in der Oscar-Nacht die Aufgabe, dem Eindruck einer allzu feierlichen Selbstbeweihräucherung durch boshafte Gags entgegenzuwirken. Erstmals seit 1989 bleibt der Posten vakant. Der ursprünglich vorgesehene Komiker Kevin Hart war zurückgetreten, nachdem er mit homophoben Witzen aus früheren Jahren konfrontiert wurde. Ein Versuch, der lesbischen Moderatorin Elle DeGeneres, ihn umzustimmen, blieb erfolglos.

Netflix: „Roma“ ist Top-Favorit; er könnte auch das erste Werk werden, das als bester und zugleich als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet wird. Dass alle auf Cuaróns Arbeit blicken hat aber noch einen anderen Grund: Die Rechte am Film hält Netflix; zum ersten Mal könnte der Streamingdienst den Hauptpreis der Oscar-Nacht gewinnen. Viele sehen das kritisch, weil Netflix das exklusive Zeitfenster verweigert, in dem Filme üblicherweise zunächst nur im Kino ausgewertet werden.

„Black Panther“ ist als erster Superhelden-Film überhaupt in der Kategorie Bester Film nominiert. Nachdem 2016 zum wiederholten Mal alle 20 nominierten Schauspieler weiß waren, würdigt die Academy damit auch die Bedeutung, die der erste Marvel-Blockbuster mit überwiegenden schwarzem Ensemble hat. Noch im vergangenen Jahr wurde „Wonder Woman“ nicht einmal nominiert, obwohl er eine vergleichbare Leistung im Bereich der Geschlechterverhältnisse darstellt –und erst das zweite Werk der Filmgeschichte ist, bei dem einer Regisseurin mehr als 100 Millionen Dollar anvertraut wurden.

Deutsche Chancen: 13 Jahre nach seinem Oscar-Erfolg „Das Leben der Anderen“ ist Florian Henckel von Donnersmarck mit „Werk ohne Autor“ wieder für den besten fremdsprachigen Film nominiert. Auch wenn die „Bild“ ihn als „Regie-Genie“ feiert, geht er als Außenseiter ins Rennen. Sein Gerhard-Richter-Film – den unter anderem Gerhard Richter selbst heftig ablehnt – tritt nicht nur gegen den „Roma“ an, sondern auch gegen Paweł Pawlikowski, dessen „Cold War“ mit fünf Europäischen Filmpreisen und in Cannes für die beste Regie ausgezeichnet wurde.

Die Quoten: 26,5 Millionen Amerikaner haben sich im vergangene Jahr noch die Oscar-Gala angesehen, laut „Hollywood Reporter“ war das die schlechteste Quote aller Zeiten. 1998 sahen mehr als doppelt so viele Filmfans zu. Damals holte „Titanic“ elf Oscars – ein Rekord, den bis heute nur „Ben Hur“ und der dritte „Herr der Ringe“ erreicht haben. Weil die Quote steigt, wenn Blockbuster unter den Favoriten sind, hatte die Academy erwogen, diesmal auch einen Oscar für den besten populären Film einzuführen – die Idee ist inzwischen genauso vom Tisch wie der Plan, weniger prestigeträchtige Kategorien in der Werbepause auszuzeichnen.

Relevanz: Auch für die 91. Oscar-Nacht gilt: Die Gala ist eine Werbeveranstaltung, bei der die Studios mit enormem finanziellen Aufwand ihr Produkt vermarkten. Wie fehlbar die Preise als Gratmesser von Relevanz sind, belegt eine beliebig verlängerbare Liste von Titeln: „King Kong“ (1933) und Kubricks „The Shining“ (1980), der Coen-Kultfilm „The Big Lebowski“ (1998), „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968) und Chaplins „Moderne Zeiten“ (1936) – all diese einflussreichen und geliebten Klassiker hat die Academy nicht nur nicht ausgezeichnet, sondern nicht mal nominiert.

TV-Ausstrahlung: Pro Sieben überträgt die Oscar-Gala in der Nacht zum Montag live. Die eigentliche Show läuft von 2 Uhr bis 5.20 Uhr. Vorher zeigt der Sender das sechsfach Oscar-gekrönte Musical „La La Land“ (20.15 Uhr), eine Sonderausgabe des Magazins „red“ (22.55 Uhr) sowie den Schaulauf am roten Teppich (23.55 Uhr).

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