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21.02.2019, 17:57 Uhr KOMMENTAR

Streit um Kunst und Kulturstätten: Justiz tut manchmal weh

Ein Kommentar von Ralf Döring



Der Umbau der Kunsthalle Mannheim ist wichtiger als ein Kunstwerk, das ihm zum Opfer fällt, ein Staudammprojekt wird höher bewertet, als eine 12000 Jahre alte Kulturstätte - so ist das Recht. Ein Kommentar.

Recht im juristischen Sinn fühlt sich manchmal an, als würde man sich den großen Zeh am Türstock stoßen: Es tut weh, aber der Türstock steht nun mal, wo er steht. So tut es weh, wenn EU-Richter es zulassen, dass die 12000 Jahre alte Kulturstätte Hasankeyf geflutet wird, und es erzeugt ein mehr als flaues Gefühl, wenn der Bundesgerichtshof im Nachhinein legitimiert, dass die Kunsthalle Mannheim im Zuge des Umbaus das Kunstwerk „HHole“ von Nathalie Braun Barends zerstört hat. In beiden Fällen sind Kunst und Kultur der große Zeh. Der Türstock aber, der setzt sich zusammen aus „Allgemeinwohl“und Interesse des Eigentümers – juristisches Hartholz sozusagen.

Solche Entscheidungen sind keine Einzelfälle, leider: Es ist noch kein Jahr her, dass der sogenannte Immerather Dom dem Braunkohle-Tagebau geopfert worden ist – damals wurde eine sehr in die Jahre gekommene Technik höher bewertet, als die identitätsstiftende Bedeutung der Kirche – auch da rechtfertigt das „Allgemeinwohl“ den krassen Schritt. Noch dringlicher wirkt vermutlich nur das Argument „Arbeitsplätze.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Richter jetzt nicht Präzedenzfall geschaffen haben, sondern auch künftig über Einzelfall entschieden wird. Oder noch besser: Bauprojekte werden so konzipiert werden, dass sie Kunst nicht gefährdet.


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