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13.02.2019, 18:14 Uhr KOMMENTAR

Palast der Republik wird zum Kunstobjekt - und zur Provokation

Ein Kommentar von Ralf Döring


Kantiger Klotz: Der Palast der Republik im Jahr 1985 - ein Symbol für die DDR. Foto: dpaKantiger Klotz: Der Palast der Republik im Jahr 1985 - ein Symbol für die DDR. Foto: dpa

Osnabrück Thomas Oberender, der Leiter der Berliner Festspiele, baut den Palast der Republik wieder auf. Mit der dreitägigen Kunstaktion will er an das Ende der DDR vor 30 Jahren erinnern - und er stößt sicher auch manch einen vor den Kopf. Ein Kommentar

Thomas Oberender sucht die Kontroverse: Er will den Palast der Republik wieder aufbauen. Gut, nur für drei Tage, nur symbolisch, als Kunstprojekt. Aber nur Freunde gewinnt der Leiter der Berliner Festspiele mit seiner geplanten Aktion sicher nicht. Denn er spielt auf das Selbstverständnis der Stadt Berlin und der zwei deutschen Staaten nach 1945 an. Oberender rührt in alten Wunden, die womöglich nie ganz heilen werden.

Wie kaum ein anderes Bauwerk hat der Palast der Republik die DDR symbolisiert. Dieses kantige Signet einer untergegangenen Diktatur im Herzen der wiedervereinigten Hauptstadt musste dem Humboldt-Forum weichen. Das kann sich wiederum zur sinnvollen Einrichtung entwickeln – nur leider trägt es ein Gewand, das über die unrühmliche Vergangenheit aus DDR und Nazi-Diktatur hinweg die Brücke in eine Zeit schlagen will, als Preußen noch voller Gloria war.

Aber auch in jüngst geschlagene Wunden streut Oberender eine kräftige Prise Salz: Er hat Bénédicte Savoy eingeladen, jene Kulturhistorikerin, die vor zwei Jahren den Beirat des Humboldt-Forums verlassen hat – und den Schritt mit Defiziten beim Umgang mit Raubkunst begründet. Nach Party klingt das alles nicht, nach Nostalgie auch nicht. Oberender regt zum Nachdenken an, zur Debatte über den Umgang mit Vergangenheit und Zukunft. Gut so.


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